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Trends und Tendenzen

Marketing & Betriebsführung
Trends und Tendenzen

In einer detaillierten Studie hatte die ProWood-Stiftung 2004 den Strukturwandel im Tischlerhandwerk untersuchen lassen. Jetzt gibt es eine Neuauflage der umfangreichen Erhebung.

Die breit angelegte Befragung von 2004 analysierte erstmals statistisch verlässlich, wie sich die sich wandelnden Rahmenbedingungen auf die grundlegenden Strukturen und Unternehmensmodelle des Handwerks auswirken. So wurde z. B. die zunehmende Bedeutung des Montagesektors mit Zahlen und Fakten klar beschrieben. Mögliche strategische Optionen für Tischler und Schreiner wurden benannt und auf ihr Potenzial hin untersucht.

Sechs Jahre nach Veröffentlichung der ersten Studie legt die ProWood-Stiftung nun eine Neuauflage vor. Die Ergebnisse basieren auf schriftlichen Befragungen und Interviews im Zeitraum Oktober 2009 bis Februar 2010. Durchgeführt wurden sie von der Applikatio GbR, Freiburg. Im Folgenden werden einige Ergebnisse zusammenfassend wiedergegeben, die detaillierten Aussagen sind in der Studie nachzulesen.
Ergebnisse im Überblick
Konzentrationsprozess. Weniger als ein Drittel aller Betriebe der Betriebsgrößenklassen1 III und IV erwirtschaften zwei Drittel der Umsätze, tätigen 73 % der Maschineninvestitionen und über 80 % der Investitionen in CNC-Technik. Die Konzentration wird sich weiter fortsetzen, sowohl in Bezug auf die Betriebsanzahl und die Betriebsgrößen als auch auf die Tätigkeitsschwerpunkte.
Tätigkeitsschwerpunkte. Der »kunden-/objektspezifische Möbel- und Innenausbau« steht bei den Tätigkeitsschwerpunkten an erster Stelle. Die Umfrage ergab, dass mit einer weiteren Zunahme dieses Bereichs gerechnet werden muss.
Auftraggeber. Fast 60 % des Umsatzes wird mit privaten Haushalten generiert, die damit als wichtigste Auftraggeber weit vor dem Gewerbe und den öffentlichen Auftraggebern rangieren. Im Zuge der Wirtschaftskrise werden – zumindest in 2010 – die Aufträge aus dem Gewerbe zurückgehen und diejenigen aus dem öffentlichen Sektor dank staatlicher Konjunkturprogramme zunehmen.
Wettbewerber/Montagebetriebe
Den Montagebetrieben wird der mit Abstand größte Einfluss auf das eigene Unternehmen beigemessen. In ihrer Bedeutung als Wettbewerber stehen die Montagebetriebe damit weit vor den konkurrierenden Tischlereien sowie der Industriefertigung und selbst die Schwarzarbeit, die in früheren Umfragen ganz vorne stand, ist deutlich in den Hintergrund gerückt. Die Auswirkungen der Montagebetriebe auf die Wettbewerbssituation in der Branche haben somit bemerkenswert zugenommen.
B-Betriebe: keine Zunahme
Die Montagebetriebe haben solide Marktanteile aus den Bereichen Montage, Service/Reparatur/Wartung, Trockenbau besetzt und werden diese mit großer Wahrscheinlichkeit halten. Mit einem Wachstum, wie in den letzten zehn Jahren, ist derzeit nicht zu rechnen, da einige Tischlereien entsprechend auf die neue »Konkurrenz« reagieren. Trotzdem wird es die Möglichkeit geben, dass die B-Betriebe – insbesondere bei privaten Auftraggebern – weitere Marktanteile besetzen können.
Einsatz montagefertiger Elemente. Der Einkaufsanteil montagefertiger Elemente (z. B. Fenster, Türen etc.) am gesamten Einkaufswert liegt im Durchschnitt aller an der Umfrage beteiligten Betriebe bei knapp 30 %. Bei den kleineren Betrieben liegt der Anteil höher, bei den großen Betrieben deutlich niedriger (BGK IV: 12 %). Gefragt nach der zukünftigen Entwicklung, beabsichtigen die Betriebe der BGK I und II sowie insbesondere die Spezialisten »Möbel/Innenausbau« und die Universalisten unter dem Strich eine weitere Steigerung der montagefertigen Zukaufelemente.
Arbeitsschwerpunkte. Für die zukünftige Entwicklung der Arbeitsschwerpunkte wird ein Rückgang der Fertigung, insbesondere bei den kleineren Betrieben, prognostiziert. Eindeutiger Gewinner ist der Arbeitsschwerpunkt »Gestaltung, Planung, Verkauf«, auf den sich über die Hälfte der befragten Betriebe stärker konzentrieren wollen.
Wertschöpfung. Der Wertschöpfungsanteil an den Erlösen aus der Fertigung hat besonders bei den Betrieben der BGK III und IV zwischen 2004 und 2008 über fünf Prozent abgenommen. Die Ursachen hierfür reichen vom verstärkten Einsatz von Halbfabrikaten, dem hohen Beschlägeeinsatz und -anteil an den Erlösen bis hin zum Materialmix mit Nicht-Holzmaterialien.
Innovationsbedarf. Beim Innovationsbedarf stehen auf den ersten drei Plätzen folgende Bereiche:
  • neue Produkte
  • eine computergestützte Planung und Fertigung
  • Energieeinsparung
Bei den kleineren Betriebseinheiten stehen »neue Produkte« mit Abstand an der Spitze – bei den größeren Betrieben die »durchgängige computergestützte Planung und Fertigung«.
Bedarf an Unterstützung
Insbesondere kleinere Unternehmen benötigen bei der Entwicklung von Produkten externe Unterstützung. Bei der »computergestützten Planung und Fertigung« erwarten die Betriebe u.a. eine »schlüsselfertige«, integrierte Gesamtlösung für eine durchgängige Prozesskette von der Produktgenerierung bis zur Auftragsabrechnung und der Nachkalkulation sowie der Einbindung der rechnergesteuerten Maschinen.
Strategien. Bei den Strategien und zukünftigen Maßnahmen ergibt sich folgende Rangfolge:
  • Spezialisierung
  • Verstärkung der Marketingaktivitäten
  • Erweiterung des Leistungs- und Produktangebots
Bei der Spezialisierung steht »Planung, Beratung, Verkauf« deutlich vor der »Spezialisierung auf ein bestimmtes Tätigkeitsfeld«. Hier setzt sich der »Möbel- und Innenausbau« gegenüber den »Bauelementen« und der »Renovierung/Sanierung« ab. Nur bei den großen Betrieben mit mehr als 20 Beschäftigten wird eine über dem Durchschnitt liegende weitere Spezialisierung in die »Fertigung« angestrebt. Dieses Ergebnis deckt sich mit dem Ergebnis zur zukünftigen Entwicklung der Arbeitsschwerpunkte.
Geschäftsklima. Die aktuelle Geschäftslage wird von den Betrieben durchaus positiv bewertet. 42 % bewerten diese mit gut, fast 47 % mit befriedigend. Nur etwa 12 % sprechen von einer schlechten Geschäftslage. Bei den Geschäftserwartungen für 2010 rechnen die Inhaber mit einer gleichbleibenden (66,3 %) oder besseren Geschäftsentwicklung (19,7 %), sodass unter dem Strich »nur« 14 % von einer schlechteren Geschäftsentwicklung für 2010 ausgehen.
Die Auftragslage ist gut
Bei der aktuellen Auftragslage sprechen über 90 % der Inhaber von einer guten bis befriedigenden Situation, nur knapp 10 % klagen über eine schlechte Auftragssituation. Die Zahl der Handwerks-betriebe, die neue Mitarbeiter einstellen, nimmt grundsätzlich wieder zu. Bei der Umfrage gehen fast 12 % der Inhaber davon aus, dass die Zahl ihrer Mitarbeiter ansteigen wird, über 82 % wollen den Personalbestand halten und »nur« 6,2 % gehen davon aus, dass sie Stellen abbauen müssen. HJG

ProWood-Studie
Die rund 130 Seiten starke Studie mit dem Titel »Untersuchung zur Situation und zukünftigen Entwicklung im Tischlerhandwerk« kann bei der ProWood-Stiftung bezogen werden: info@prowood.org

B-Betriebe Selbstbewusste Partner des Vollhandwerks

Ein besonderes Augenmerk richtet die ProWood-Studie auf die Situation der Montagebetriebe.
Mit dem »Einbau von genormten Baufertigteilen« beschäftigen sich in Deutschland 2008 rund 47000 Betriebe mit etwa 113000 Beschäftigten. Der Umsatz in diesem Sektor beträgt 6,9 Mrd. Euro, die durchschnittliche Anzahl der Beschäftigten pro Betrieb liegt bei 2,4.
Der Studie zufolge hat die Zahl der Betriebe im Zeitraum 2002 bis 2008 erheblich zugenommen, 2009 ist sie jedoch leicht gesunken. Neben dem Einbau von Fenstern und Türen beschäftigen sich die Unternehmen u. a. mit der Verlegung von Fußböden, mit Kundendienst-, Wartungs- und Reperaturarbeiten sowie dem Trockenbau. Bei den Auftraggebern liegen die privaten Haushalte mit über 50 % an der Spitze, mit großem Abstand folgen die A-Betriebe (19 %) aus dem Tischlerhandwerk. Die A-Betriebe des Tischlerhandwerks werden selbstbewusst als Partner und nicht als Wettbewerber gesehen.
Die aktuelle Geschäftslage schätzen die Montagebetriebe überaus positiv ein, nahezu alle Befragten rechnen 2010 mit mindestens gleichbleibenden Beschäftigtenzahlen. 16 % der Betriebsinhaber gehen sogar von einer Zunahme ihrer Mitarbeiterzahl aus.
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