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Positive Perspektiven fürs Handwerk

Wie Chefinnen und Chefs an ihre Ressourcen anknüpfen können
Stark in unsicheren Zeiten

Unkalkulierbar! Das scheint das neue »Normal« zu sein. Das wird zur Herausforderung, besonders für Menschen, die einen Betrieb leiten. Wie kann es gelingen, trotz Verunsicherung und widriger Rahmenbedingungen neue Kraft zu schöpfen und positive Perspektiven für sich und das Handwerksunternehmen zu entwickeln?

Erst kam die Pandemie, nun folgen steigende Energie- und schwankende Holzpreise, unsichere Liefersituationen und – der Dauerbrenner – zu wenig Personal. »Jetzt reicht’s aber«, sagen viele Unternehmerinnen und Unternehmer. Sie fühlen sich überfordert. Ihre Stimmung ist auf einem Tiefpunkt, die Motivation im Keller. Sie wünschen sich »normale« Zeiten zurück und warten auf ein Patentrezept, das sie dorthin führt.

Doch eigentlich wissen sie, dass es äußerst unwahrscheinlich ist, dass Wirtschaft und Gesellschaft plötzlich sicher und stabil dastehen und sich Scharen von Bewerbern um ihre offene Stellen reißen. Das Koordinatensystem, in dem wir uns bewegen, scheint sich immer schneller zu verschieben.

Als Einzelpersonen können wir wenig an diesen Rahmenbedingungen verändern. Das frustriert uns und raubt uns Kraft. Dabei benötigen wir gerade jetzt positive Perspektiven, unser volles Potenzial, unseren Ideenreichtum und unsere Zuversicht.

Aus der Negativspirale ausbrechen

Wir Menschen sind evolutionär auf Gefahrenabwehr »programmiert«. Dadurch fokussieren wir uns vielfach auf die negativen Aspekte des Lebens: Wir regen uns über widrige Rahmenbedingungen auf und schimpfen über Dinge, die nicht gut laufen. Damit manövrieren wir uns in eine Negativspirale hinein. Es ist eine Herausforderung, aber möglich, aus dieser Gewohnheit auszubrechen.

Wir können uns darauf besinnen, wo unsere Spielräume liegen, uns auf die Dinge konzentrieren, die wir selbst verändern können. Ganz konkret hilft es, sich abends zu überlegen, welche positiven Aspekte der Tag gebracht hat, was man geleistet hat und was gut gelaufen ist. Dadurch verwandeln wir uns vom ohnmächtigen »Opfer« zum Gestalter unseres (Arbeits-)Lebens.

Um den Blick auf die eigenen Erfolge zur Gewohnheit werden zu lassen, müssen wir regelrecht trainieren. Denn unser Hirn nutzt am liebsten ausgetretene Pfade. Themen, die dort verknüpft sind, bleiben es auch. Um aus Deutungsmustern auszubrechen, sagt die Sprachforscherin Elisabeth Wehling, seien neue Muster nötig, die jedoch lange Zeit und viele Wiederholungen benötigten, bis sie kräftig genug seien, um die alten in den Hintergrund treten zu lassen. Neue und vor allem positve Perspektiven erfordern also Training wie ein Muskel.

Unternehmerische Grundideen

Wichtig, um mentale Stärke wiederzugewinnen, ist eine Rückbesinnung: »Erinnern Sie sich an die unternehmerische Idee, mit der Sie Ihren Betrieb eröffnet oder übernommen haben!« Wer sich damals über diese Frage wenig Gedanken gemacht hat, könnte es jetzt nachholen: Warum tue ich das was ich tue? Welche Idee verbinde ich mit meinem Betrieb? Welche Vision gibt uns eine Richtung?

Es lohnt sich, ganz grundsätzlich darüber nachzudenken und aktuelle Widrigkeiten außen vorzulassen. Die Antworten sind in der Regel wichtige Bausteine für die eigene Motivation und stellen die persönlichen Stärken und die eigenen Ideale in den Vordergrund. Sie geben eine Richtung vor und setzen damit neue Energie frei.

Ein Netzwerk aufbauen

Gemeinsam sind wir stark. Wer seine Gestaltungskraft als Chefin oder Chef entwickeln oder erhalten möchte, profitiert auch vom Austausch mit Gleichgesinnten. In Erfa-Gruppen erleben wir, wie motivierend und inspirierend der Austausch wirkt. Während unsere Gespräche und Workshops sich früher um Verkauf, Marketing oder Mitarbeitergewinnung drehten, stehen heute oft Fragen der Persönlichkeitsentwicklung im Zentrum.

Manchen Unternehmern/-innen liegt die große Runde nicht. Gut vernetzt zu sein, bedeutet für sie, eine Sparringspartnerin oder einen Sparringspartner zu haben und sich in regelmäßigen Telefonaten oder Videokonferenzen zu besprechen und unternehmerische Herausforderungen sowie mögliche Lösungen zu diskutieren. Je schwieriger die Situation, desto wichtiger ist es, ein Netzwerk und gute Gesprächsmöglichkeiten zu haben. Das bestätigt auch die Resilienzforschung, die untersucht, was Menschen in Krisensituationen widerstandsfähig macht. Ein unterstützendes soziales Umfeld spielt dabei eine zentrale Rolle.

Positive Perspektiven

Chefinnen und Chefs sind Leitfiguren. Ihre Persönlichkeit prägt die Unternehmenskultur. Sie überzeugen Kundinnen und Kunden und motivieren Beschäftigte. Sie sind der Motor des Betriebs. Doch was passiert, wenn ihre Antriebskraft flöten geht? Indem sie den Perspektivwechsel üben, ihre unternehmerische Grundidee herausarbeiten und daraus ihre Vision ableiten, können sie neue Energie und Motivation gewinnen. Ein Netzwerk aus Gleichgesinnten unterstützt sie auf ihrem Weg.


Andrea_Eigel_(3).jpgAndrea Eigel hat sich als Beraterin, Rednerin und Seminarleiterin auf die Themen Mentale Stärke, Mitarbeiterführung, Positionierung, Marketing, Kommunikation und Verkauf im Handwerk spezialisiert. www.andreaeigel.de


Umsetzungstipp

Nach dem Wozu fragen

So fördern Sie den Perspektivwechsel im betrieblichen Alltag: Läuft etwas nicht nach Plan, stellen fast alle Menschen spontan die Fragen: Warum ist das passiert? Warum gerade mir? Und fast alle haben bereits die Erfahrung gemacht: Die Antworten auf Warum-Fragen befriedigen nicht. Meist fokussieren sie sich darauf, einen Schuldigen auszumachen.

Denn Warum-Fragen richten sich immer auf die Vergangenheit. Zumeist erweist sich eine andere Fragestellung als viel produktiver. Das ist die Frage nach dem Wozu. Wozu ist das passiert? Diese Frage öffnet den Blick in die Zukunft und macht deutlich, dass aus einem Misserfolg etwas Neues entstehen kann. Er bietet zum Beispiel die Möglichkeit, daraus zu lernen, und die Aufgabe in Zukunft anders anzugehen.


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