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Schreiner unter der Lupe

Marketing & Betriebsführung
Schreiner unter der Lupe

Welches Messestandkonzept zieht an, macht neugierig und motiviert zum Verweilen? Möbelliebhaberin und Architektin Bettina Rühm machte sich für dds auf den Weg, um Eindrücke zu sammeln. Die Handwerksmesse in München kam da gerade recht.

Riesige Hallen, unzählige Stände, Menschenmengen, hektisches Treiben, eine Flut an Exponaten – Messeatmosphäre. Angesichts der vielen Reize stellt sich die Frage: Wie inszeniert eine Schreinerei hier ihre Möbel so, dass der vorbeiflanierende Besucher neugierig wird? Und wie lautet dabei die Botschaft des ausstellenden Schreiners?

Um einen Überblick zu gewinnen möchte ich die Hallen erst einmal durchstreifen, die Atmosphäre in mich aufnehmen. Doch weit komme ich nicht. Einer der ersten Stände zieht mich in seinen Bann, nach wenigen Schritten der nächste. So entsteht die Auswahl der hier vorgestellten Messestände – nach dem Sog, den sie entfalten.
Die Macher der Schreinerei Würzburger gliedern ihren Inselstand mit einer Holzrahmenkonstruktion in vier Kojenbereiche. Das Gehäuse ohne Seitenwände bietet Einblicke und Durchblicke – Schaufensterbummel. Doch nicht lange, denn es zieht mich in die Wohnräume hinein, erreicht, durch gekonnt beleuchtete Möbelarrangements.
Kompakter präsentiert sich die Schreinerei Liedl. An dem Eckstand, einem umschlossenen Raum mit Holzdecke und -boden, läuft man im Strom der Menschen nicht vorbei. Er wirkt exklusiv durch die stimmige Beleuchtung und zieht die Messebesucher an. Auch ich bleibe an diesem Stand, einem vollmöblierten Zimmer, neugierig stehen – Betreten nicht nur erlaubt, sondern erwünscht. Auch wenn ich kein klassischer »Zirbelkunde« bin und sein werde, die Liedls verstehen es in ihrer herzlichen Art, mich für ihr Produkt und ihre Schreinerkompetenz zu faszinieren.
Nach diesem Eintauchen in einen fiktiven Privatbereich schweift mein Blick ins Weite, hin zu einem quaderförmigen Messestand – die Vorarlberger Holzbaukunst lässt grüßen, auch wenn die Schreinerei Voit aus dem Landkreis Freising kommt. Der Stand und die ausgestellten Exponate – in der Mehrzahl prägnante Küchen, mal aus Beton, mal rustikal kombiniert – zeugen von perfekter Planung und handwerklicher Umsetzung. Vielleicht ein Hauch zu perfekt? Eine gewisse Distanz bleibt.
Fast wäre ich an dem winzigen Eckstand vorbeigelaufen, doch da wecken farbenfrohe, originell arrangierte Module eines Stecksystems meine Aufmerksamkeit – Ausstellungsstücke und Standbegrenzung der Schreinerei Eichenfrau. Unkonventionelles Design für ein zeitgeistiges Thema: Onlineversand von Schreinermöbeln.
Auf dem Weg zurück bremst mich ein ungewöhnliches Konzept: Eine Bauernstube im Kompaktformat – kombiniert mit offener Stellfläche nebenan für die Präsentation modernerer Exponate. Zwei Generationen der Schreinerei Gröbner zeigen ihre Möbel – Tradition pur plus moderne augenzwinkernde Weiterentwicklung des Möbelgenres. Die Botschaft, die hinter der Entwicklung des Betriebes steckt, erschließt sich allerdings erst durch das spannende Gespräch mit Josef Gröbner.
Ein Nachmittag reicht nicht aus, um alle Schreiner zu besuchen. Tolle Stände, mit Kompetenz und Herzblut geplant und gefertigt, habe ich gesehen. Doch eines wurde auch deutlich: Ein Messeauftritt ist mehr als nur ein perfekter Stand – ohne angemessene Kommunikation geht nichts. Stimmt beides – ist der Messeerfolg garantiert.
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