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Ohr und Antwort

Marketing & Betriebsführung
Ohr und Antwort

Vor zehn Jahren ist Uwe Meyer als Obermeister und Verjünger der Schreinerinnung Heidelberg angetreten. Sein Credo ist kein Leistungskatalog, sondern das An-einem-Strang-Ziehen. Bald möchte er den Stab an einen Jüngeren weiterreichen.

Ob ihn ein Organisationsgrad von 50 Prozent zufriedenstellt, weiß der Obermeister Uwe Meyer der Schreinerinnung Heidelberg nicht, es interessiert ihn auch eigentlich nicht. Für ihn geht es um die gemeinsamen Interessen der Schreiner, und zwar zunächst einmal im Raum Heidelberg und danach darüber hinaus auf Landes- und Bundesebene. Dafür setzt er sich ein. 80 Schreinereien gibt es im Rhein-Neckar-Kreis, etwa 15 Kilometer rund um Heidelberg herum. 39 von ihnen sind in der Innung. Jeder Schreinerkollege – ob organisiert oder nicht –, der etwas dazu beiträgt, ist ihm willkommen. »Wer nicht will, muss nicht dabei sein, dennoch informieren wir alle Betriebe im Kreis – Mitglieder und Nichtmitglieder gleichermaßen – über unsere Aktivitäten, Termine und über das, was wichtig ist«, sagt Uwe Meyer.

Nichtmitglieder willkommen
Auch bei den Innungsveranstaltungen sind die Nichtmitglieder willkommen. Immer mal wieder tritt auf diesem Weg ein neues Mitglied in die Innung ein.
Vor zehn Jahren war bei der Heidelberger Schreinerinnung ein altersbedingter Führungswechsel fällig. Die Mitglieder wählten auf ihrer Hauptversammlung einen komplett neuen Vorstand und Uwe Meyer zum Obermeister. Er und der siebenköpfige Vorstand haben nicht nahtlos die Arbeit ihrer Vorgänger fortgesetzt, sondern die Innung von Grund auf neu und zeitgemäß aufgestellt. Sie gaben sich eine neue Satzung, öffneten ihre Runde für B-Betriebe und ließen auch Nicht-Schreinereien als Gastmitglied zu, wenn es sich um Personen, Firmen oder Einrichtungen handelt, die eng mit dem Gewerk verbunden sind, beispielsweise Architekten. Außerdem änderten sie den Namen von »Fachinnung Holz, Kunststoff, Innenausbau« in »Schreinerinnung Heidelberg«. Darüber hinaus erarbeiteten sie eine neue Geschäftsordnung.
Die Innung Heidelberg hat die Geschäftsführung nicht wie üblich der Kreishandwerkerschaft vor Ort überlassen, sondern ihrem Obermeister. Der Geschäftssitz der Innung liegt in seinem Dreimannbetrieb in Wiesloch. Für die Arbeit als Obermeister benötigt Uwe Meyer im Monat etwa einen Tag. Dafür erhält er ebenso wie für die Geschäftsführung eine Aufwandsentschädigung. Auch die weiteren Vorstände erhalten gemäß der Geschäftsordnung ebenfalls eine Aufwandsentschädigung.
Helfer bei Fragen und Nöten
Auf die Frage, was denn gute Innungsarbeit ausmacht, antwortet Uwe Meyer: »Entscheidend ist, dass alle Schreiner einen Ansprechpartner für ihre Fragen, Anregungen, Wünsche und Nöte haben. Dieser Ansprechpartner muss sich mit dem, was an ihn herangetragen wird, ernsthaft befassen und gegebenenfalls Kollegen aus dem Vorstand oder der Mitgliederschaft für die Lösung miteinbeziehen. Es geht um Information, Austausch und vor allem um das An-einem-Strang-Ziehen.« Einen Leistungskatalog, wie bei einer Versicherung, lehnt er für die Innungsarbeit ab. Für Meyer geht es nicht um einklagbare Leistungen, sondern um konstruktiven Teamgeist. Innungsmitglieder unterstützt er, wenn sie Fragen haben oder Probleme mit Kunden, Mitarbeitern oder Auszubildenden zu lösen sind. Die Form der Hilfe hängt von der Situation ab. Oft reicht ein Gespräch mit den Betroffenen, manchmal zieht er einen Mediator oder einen Sachverständigen aus den eigenen Reihen hinzu. Bei hartnäckigen Problemen mit Auszubildenden ist es sogar schon vorgekommen, dass sich im Kreis der Innungsmitglieder ein Betrieb gefunden hat, der den Lehrling übernimmt. Kommt ein Mitglied mit seinem Kunden überhaupt nicht mehr zurecht, springt ein Kollege ein, sodass sich der Auftrag trotzdem noch abschließen lässt.
Die Innung Heidelberg sieht sich jedoch nicht nur als Informationsdienst und Problemlöser, sondern auch als Austauschforum. Hier finden sich auch Partnerschaften, etwa um große Aufträge gemeinsam zu bewältigen.
Ort der Begegnung
Innungsarbeit heißt natürlich auch Begegnung: Einmal im Jahr gibt es eine Mitgliederversammlung in einem Heidelberger Lokal, fünf- bis sechsmal jährlich gibt es ein Mitgliedertreffen, meistens in einem Mitgliedsbetrieb, manchmal aber auch bei anderen interessanten Zielen, wie kürzlich die Besichtigung des Heidelberger Theaters. Der Vorstand triff sich an jedem zweiten Mittwoch im Monat.
Für Meyer wirkt die Innung in erster Linie nach innen, also in Richtung der Mitglieder. Dennoch spielt die Außenwirkung natürlich eine Rolle. Die Mitgliedsbetriebe sollen über das Logo »Tischler, Schreiner, Baden-Württemberg« nach außen kundtun, dass sie organisiert sind. Das soll die Qualität der Leistung unterstreichen und gegebenenfalls einen höheren Preis rechtfertigen.
Unterstützung von außen
Unterstützung für seine Arbeit findet der Obermeister zunächst in den eigenen Reihen. Geht es jedoch um rechtliche Fragen der Geschäftsführung, wendet er sich an die Kreishandwerkerschaft als Zusammenschluss der ortsansässigen Innungen oder auch direkt an das zuständige Aufsichtsorgan, die Handwerkskammer. Die Inhalte, also das wofür sich die Innung einsetzt, bestimmen die Mitglieder und schreiben es in der Satzung fest, ob und wie sich das rechtskonform realisieren lässt, weiß die Handwerkskammer. Bei schwierigen oder übergeordneten schreinerfachlichen Fragen unterstützt der Landesfachverband die Innung, und damit gegebenenfalls sogar den einzelnen Betrieb.
Mehrere Mitglieder der Innung Heidelberg bringen sich in die Verbandsarbeit auf Landes- oder Bundesebene ein, etwa im Ausschuss Technik im Landesverband in Stuttgart, oder den Marketinggemeinschaften »Entspannt Modernisieren« und »Creatis«.
Gestaffelte Beitragssätze
Wie sich die Mitgliedsbeiträge berechnen, möchte Uwe Meyer nicht preisgeben. Er setzt sich zusammen, aus einem lohnsummenabhängigen Anteil für den Landesverband, und dem Teil für die Innung selbst. Für kleine Betriebe mit einer Lohnsumme bis 15 000 Euro gibt es einen relativ niedrigen Grundbeitrag. Darüber staffeln sich die Beiträge so, dass jedes Mitgliedsunternehmen etwa den gleichen Betrag in die Innungskasse einspielt. Mit diesem Modell kann die Innung auch größere Betriebe mit hohen Lohnsummen halten. Ein typischer Zwei- bis Dreimannbetrieb aus der Innung Heidelberg zahlt einen Jahresbeitrag von vielleicht 700 Euro.
Im Juni fand die Hauptversammlung statt, da hätten die Mitglieder eigentlich einen neuen Obermeister wählen sollen. Um eine Überalterung zu verhindern, strebt die Innung eine Neuwahl des Obermeisters an, wenn dieser das 60. Lebensjahr erreicht. Zu diesem ersten Versuch einer Neuwahl hatte sich noch kein Kandidat gefunden. Der Vorstand und Uwe Meyer sind sich sicher, dass sich bald ein Kandidat findet. GM

Zur Geschichte Die Schreinerinnung Heidelberg
1899 gründeten in Heidelberg 30 Meister die »Freie Innung für das Schreinerhandwerk«. Sie tagten an jedem ersten Mittwoch eines Monats. Unentschuldigtes Fehlen kostetet 50 Pfennige Strafe. Der Jahresbeitrag betrug 4 Mark, ein Neueintritt kostete 2 Mark. 1907 gab es die ersten Kontakte zum Landesverband nach Freiburg. Heute gibt es 39 Mitglieder, das Innungsgebiet erstreckt sich über den Rhein-Neckar-Kreis.
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