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Professionelles Netzwerken mit Instagram

Professionelles Netzwerken mit Instagram
Ohne Smartphone geht nichts

Instagram nutzen 27,8 Mio. Deutsche und verbringen dort durchschnittlich 30 Minuten täglich. Andrea Eigel zeigt, wie Handwerksunternehmen sich hier professionell vernetzen können.

Für Unternehmen, die Kunden oder Beschäftigte suchen, ist ein Engagement auf Instagram eine echte Chance. Längst sind digitale Medien für viele Menschen zur bevorzugten Nachrichtenquelle geworden – quer durch alle Generationen. Und so berichten auch viele Tischler und Schreiner, dass das Engagement auf einer oder zwei dieser Plattformen bei ihnen längst zum Marketing-Mix gehört.

Strategisch vorgehen

Instagram Johannes Rathmann
Johannes Rathmann nennt sich auf Instagram »Hannes der Tischlermeister«.

Am Anfang steht die Frage »Was möchten wir erreichen?« Geht es also um Neukundenakquise? Möchten Sie ein bestimmtes Image aufbauen und Ihre Marke schärfen? Oder ist es Ihnen wichtig, Ausbildungsinteressierte und Fachkräfte auf sich aufmerksam zu machen?

Dann sollten Sie sich für eine Plattform entscheiden. Instagram gewinnt augenblicklich Nutzer dazu und boomt vor allem bei etwas jüngeren Menschen – und eignet sich daher besonders, um Nachwuchskräfte zu erreichen. Beschäftigen Sie sich nun mit den Regeln und Möglichkeiten: Bei Instagram stehen Bilder und kurze Videos stark im Vordergrund. Dafür gibt es unterschiedliche Präsentationsformen: Beiträge, Storys, Karussells oder Reels (kurze Videos). Reels tragen erfahrungsgemäß besonders dazu bei, die Reichweite zu erhöhen. Wie sichtbar Ihr Kanal und Ihre Beiträge für andere Teilnehmer sind, hängt stark von der Interaktion ab.

Je stärker Nutzer auf einen Beitrag reagieren, indem sie ihn liken, speichern, teilen oder kommentieren, desto öfter wird dieser Beitrag auch anderen Nutzern angezeigt. Viele Posts fordern daher mit einem „Call to action“ zu einer Handlung auf: »Was meinst du dazu?« oder »Welche Erfahrungen hast du gemacht?« Interaktion bedeutet für die Unternehmen auch, auf Kommentare zu antworten, selbst anderen Kanälen zu folgen und auf deren Beiträge zu reagieren. So werden sie zum Teil der Community und machen andere auf ihr eigenes Profil aufmerksam.

Die Bio nutzen

Er plant öffentlich seinen neuen Showroom …

Auf Instagram ist die »Bio« die Visitenkarte Ihres Unternehmens – und wird leider oft vernachlässigt. Idealerweise enthält sie eine Übersicht über die wichtigsten Leistungen, die Vorteile und Mehrwerte, die Ihre Tischlerei/Schreinerei bietet, sowie Kontaktdaten und einen Link zur Website. Es ist üblich, die Bio mit Zeilenumbrüchen und Emojis übersichtlich zu gestalten. So bekommen Interessierte Lust, tatsächlich Kontakt aufzunehmen.

Wie alle sozialen Medien lebt Instagram von den Inhalten, die die Nutzer selbst erzeugen. Fachbeiträge erwartet hier daher niemand. Wer sich die Postings anschaut, freut sich in der Regel auf persönlichen, authentischen, emotionalen, unterhaltenden und informativen Content. Gut ist es zum Beispiel, Geschichten zu erzählen. Das gelingt auch bildlich: zum Beispiel mit einem Video oder einer Abfolge von Fotos in einem Karussell. Für mehr Infos integrieren viele Anwender Textelemente in die Bilder. Auch einzelne Fotos lassen sich mit einem kurzen Textteil näher erläutern und zu einer Story aufwerten.

Content generieren

… präsentiert aktuelle Projekte wie diese Treppe …

Tischler/Schreiner haben Glück: Sie verfügen über eine Vielzahl an Möglichkeiten, ihre Arbeit ins rechte Licht zu rücken und spannende Geschichten zu erzählen. Viele denken dabei vor allem an die Produkte, die sie herstellen und die Aufträge, die sie erfolgreich abgeschlossen haben. Beeindruckende Einbauschränke, Türen oder Küchen zieren ihre Instagram-Accounts. Möchten Sie mit Ihrem Social-Media-Engagement Beschäftigte gewinnen, könnten Sie weiterdenken. Das Team, die Unternehmenswerte und das Betriebsklima sowie der Arbeitsalltag in Werkstatt und Büro sowie die Arbeit beim Kunden, besondere Maschinen und Ihre Fahrzeuge interessierten Berufseinsteiger und Bewerber besonders.

Werte vermitteln

… sucht Tischler (m/w/d), die »Bock auf eine coole Firma haben«, …

Die Beiträge wirken am besten, wenn sie authentisch und persönlich rüberkommen. »Hannes der Tischlermeister« aus Saarburg in Rheinland-Pfalz (#johannes_rathmann) oder »Dock Zwo – Die Tischlerlei« aus Emden (#dockzwo) machen vor, wie es geht. Johannes Rathmann ist mit seinen 16 000 Followern auf Instagram inzwischen zum Influencer geworden. Dock Zwo konnte bislang rund 3 000 Abonnenten für sich gewinnen. Wie haben sie das geschafft? Sie transportieren Emotionen, setzen sich selbst ins Bild, zeigen, was ihnen wichtig ist und wofür sie stehen.

Wie viel ist genug?

… und gibt viel von sich als Mensch preis.

Social-Media-Engagement wirkt auf langer Strecke und benötigt kontinuierlichen Einsatz. Einsteiger planen oft etwa zwei Postings und drei bis vier Storys pro Woche. Wer mehr erreichen möchte, sollte die Schlagzahl erhöhen und außerdem unterschiedliche Darstellungsformen einbeziehen. Sie sollten dann posten, wenn ihre Zielgruppe online ist. In den »Insights« gibt es Auswertungen, die über Ihre Follower Auskunft geben.

Die im Unternehmen für den Social-Media-Account zuständige Person sollte ausreichend Zeit für diese Aufgabe haben und eine Affinität zum Medium mitbringen. Auch vom übrigen Team ist Einsatz gefragt. Jeder sollte interessante Themen melden und Fotos sowie Videos beisteuern und die Story dahinter erklären. Gerade diese notwendige Zuarbeit ist oft das Nadelöhr. Wer im Team gemeinsam einen Redaktionsplan ausarbeitet, kommt auf viele gute Inhaltsideen und kann direkt Aufgaben vergeben. Außerdem hilft eine Planung dabei, sich nicht nur von aktuellen Themen leiten zu lassen, sondern regelmäßig Beiträge zu posten, die andere wichtige Aspekte bedienen. So kann auch das Team enger zusammenwachsen. Schließlich beschäftigt es sich immer wieder mit der Frage, was es besonders macht, und trägt diese Erkenntnisse nach außen.

Immer gut vorbereitet

Wer sich für ein Social-Media-Engagement entscheidet, sollte richtig rangehen, dafür Arbeitszeit freischaufeln oder jemanden zur Unterstützung anheuern. Durch Postings, die sich frühzeitig planen und erstellen lassen, ist der Social-Media-Beauftragte selbst dann handlungsfähig, wenn’s im Unternehmen mal brennt und die Beschäftigten nicht zuarbeiten können. Fotos, die aktuell nicht zum Einsatz kommen, sollten in einer Bilddatenbank abgelegt werden. Sie leisten eventuell später gute Dienste. Außerdem empfiehlt sich eine Hashtag-Liste, um nicht immer aufs Neue auf die Suche nach passenden Hashtags (mit # gekennzeichnete Schlagworte) zu gehen. Viele Hashtags erhöhen die Chance, bei Instagram gefunden zu werden. Maximal 30 Stück sind erlaubt. Die verwendeten Schlagworte sollten zum Inhalt passen und in ihrer Zusammenstellung für jeden Post variiert werden.

Tischler und Influencer

Hannes zeigt seine lichtdurchflutete Werkstatt, plant seinen neuen Showroom, führt einen Tisch mit patenter Ausziehmethode vor, packt zu Weihnachten Geschenke für Kinder in SOS-Kinderdörfern und sucht Tischler (m/w/d), die »Bock auf eine coole Firma haben«. Und: Er berichtet auch von Fehlschlägen. Dazu sagt er: »Wer Scheiße baut, baut zweimal!« Jeder versteht’s und jeder findet’s sympathisch – auch seine Kunden. Sie wussten seinen Umgang mit der Herausforderung zu würdigen und empfahlen ihn, wie er schreibt, weiter.

Instagramm-Account von DockZwo

Dock Zwo – Die Tischlerei ist die Adresse für Upcycling-Projekte. Das Team um Matti Behrmann präsentiert einen Gartentisch, der aus dem Holz eines alten Stegs entstand, einen beeindruckenden Schubladenschrank im Shabby-Chic-Look oder einen Waschtisch aus einer ehemaligen Werkbank. »Wir lieben es, alten Dingen ein zweites Leben zu geben«, schreiben sie. Über 400 Menschen beteiligten sich an ihrem Gewinnspiel, bei dem es Blumentopfständer, ein Schneidebrett und ein Beistelltischchen zu gewinnen gab.

Eri zeigt ihr Gesellinnenstück, eine kleine Kommode. Matti bearbeitet Eichendielen. »Wir finden das Ergebnis echt toll«, heißt es dazu. »Was sagt ihr zu der Oberfläche?«, fragen sie die Nutzer und rufen damit zum Austausch auf.


Andrea_Eigel_(3).jpgAndrea Eigel hat sich als Beraterin, Rednerin und Seminarleiterin auf die Themen (Social-Media-)Marketing, Positionierung, Markenbildung, Kommunikation, Mitarbeiterführung und Verkauf im Handwerk spezialisiert.
www.andreaeigel.de


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