Der Werkraum Bregenzerwald im Porträt

Mehr als ein Aushängeschild

Der Werkraum Bregenzerwald widmet sich als gewerkeübergreifende Kooperation von rund 100 Handwerks- und Gewerbebetrieben der Förderung regionaler Handwerkskultur. Ein Fokus liegt auf den Themen Formgebung und Nachwuchsgewinnung.

Der Werkraum Bregenzerwald wurde 1999 als Verein gegründet und ist inzwischen weit über die Region hinaus als Vorbild für gewerkeübergreifende Zusammenarbeit im Handwerk bekannt. Gemeinsam organisieren die Mitglieder ihre Öffentlichkeitsarbeit, haben mit der Werkraumschule in Zusammenarbeit mit den Bezauer Wirtschaftsschulen ein fünfjähriges Ausbildungsmodell entwickelt und widmen sich der Verbindung von Produkt-, Arbeits- und Lebensqualität. Nur Betriebe mit Standort im Bregenzerwald können Mitglied werden, genau 97 sind es bereits.

Die Sparte Gewerbe und Handwerk ist der größte Arbeitgeber im Bregenzerwald: Rund 2400 Menschen sind in dieser Branche beschäftigt, 40 Prozent aller Erwerbstätigen. In den Werkraumbetrieben arbeiten rund 900 Mitarbeiter. Umgelegt auf Erwerbstätige schaffen die Unternehmen knapp 1000 Arbeitsplätze im Bregenzerwald. Die Betriebe sind mehrheitlich klein- und mittelstrukturiert, nur wenige zählen mehr als zwölf Beschäftigte. Rund 40 Prozent verarbeiten Holz: Tischler und Zimmerer, Küfer, Bodenleger und Bootsbauer. Knapp 60 Prozent der Mitglieder kommen aus Baugewerbe und Bauhandwerk, sind Sanitär- und Elektrounternehmen oder verarbeiten Glas, Metall, Textil, Leder und Stein. Garten- und Landschaftsbau, Goldschmiede, Lebensmittelhandwerk, Grafikdesign und andere Dienstleistungsunternehmen runden das breite berufliche Spektrum im Handwerk ab.

Handwerk und Form

In dem bereits seit 1991 als Triennale durchgeführten Wettbewerb Handwerk + Form finden handwerkliche Fertigkeiten und ästhetischer Entwurf zusammen. Für die Bregenzerwälder Handwerkskultur ist dieser Wettbewerb mittlerweile prägend: Rund um das zeitgemäße Bauen und Wohnen entwickeln interne und externe Architekten und Designer gemeinsam mit den Bregenzerwälder Handwerksbetrieben Objekte des täglichen Gebrauchs. Dabei arbeiten auch Handwerker verschiedener Branchen gemeinsam an einem Werkstück. Die Exponate werden von einer Jury bewertet und in einem Rundgang durch Andelsbuch in ehemaligen Werkstätten und an weiteren besonderen Orten gezeigt – in einem spannungsvollen Dialog mit Tradition und Geschichte. Aus diesem Austausch haben sich schon langjährige Arbeitsbeziehungen mit internationaler Reichweite ergeben.

Im Jahr 2008 erhielt der Schweizer Architekt Peter Zumthor den Auftrag zum Entwurf eines Hauses für den Werkraum. Er hatte Handwerker aus dem Bregenzerwald 1990 bis 1997 beim Bau des Kunsthauses Bregenz kennen und schätzen gelernt und arbeitet seither eng mit Betrieben der Talschaft zusammen. So wurde er im Jahr 2006 auch als Juryvorsitzender des Wettbewerbs Handwerk + Form gefragt. Mit dem Kunsthaus Bregenz hat Zumthor in Vorarlberg einen Ort für die zeitgenössische Kunst geschaffen, der weltweit Anerkennung findet. Für die Kultur des Handwerks setzt er mit dem Werkraumhaus ein markantes Zeichen im Bregenzerwald. Der Entwurf beruht auf zwei Grundgedanken: Das Gebäude ist Versammlungsort und gleichzeitig eine große Vitrine als Schaufenster zur Handwerkskultur im Bregenzerwald. Ausdruck dieser Idee sind ein weit ausladendes Dach aus Holz und eine Glasfassade. Die Trennung zwischen innen und außen ist aufgehoben, die Landschaft fließt durch das Haus hindurch. Das Gebäude wurde von den Werkraum-Handwerkern gebaut und ist nun eine Bühne für das Handwerk mit vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten. Die offene, flexibel bespielbare Halle bietet auf 700 m2 Fläche ausreichend Platz für Ausstellungen und Veranstaltungen.

Gut gerüstet in die Zukunft

Durch vielseitige Aktivitäten schafft der Verein die Rahmenbedingungen für Kooperationen und Netzwerke mit Institutionen. Auch unter den Mitgliedern bilden sich Arbeitskooperationen. Um Kindern und Jugendlichen die Bedeutung regional verwurzelter Handwerkskultur näherzubringen und nicht zuletzt um zu verhindern, dass qualifizierter Nachwuchs in das Rheintal und an die höheren Schulen abwandert, arbeitet der Werkraum Bregenzerwald mit Schulen im Bregenzerwald zusammen. Seit 2016 betreibt er zusammen mit den Bezauer Wirtschaftsschulen die Werkraumschule Bregenzerwald für den Nachwuchs im Handwerk und setzt damit ein starkes Zeichen der gesellschaftlichen Verantwortung für das langfristige Überleben des Handwerks als wichtiger Wirtschaftszweig in der Region. –JN


Steckbrief

Der Werkraum Bregenzerwald wurde 1999 als Verein gegründet. Die rund 100 Mitgliedsbetriebe haben sich mit dem Werkraumhaus eine weithin sichtbare Plattform geschaffen. Sie wirkt nach außen mit Ausstellungen, Wettbewerben und Vorträgen, nach innen mit Entwicklungsarbeit und Nachwuchspflege.

www.werkraum.at

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