Startseite » Betrieb » Marketing & Betriebsführung »

Weiterbildung im Handwerk

Weiterbildung im Handwerk als Voraussetzung für gute Ergebnisse
Lebenslanges Lernen

Der kurze Wissenszyklus und die permanente Entwicklung bei der Holzverarbeitung erfordern eine ständige Aktualisierung des Wissens. Auch für erfahrene Mitarbeiter/-innen gilt daher: Weiterbildung muss akzeptieret werden!

Dipl.-Betriebswirt Rolf Leicher, Heidelberg

Im Handwerk ist es wie im Sport: Regelmäßiges Training ist die Voraussetzung für gute Ergebnisse. Auch im Beruf sind die einmal erworbenen Kenntnisse nach einiger Zeit nicht mehr voll anwendbar.

Hindernisse überwinden

Seit einiger Zeit macht sich eine gewisse Gleichgültigkeit breit. Wissen aneignen ist mühsam und zeitaufwendig, und die Generation Z hat ja gerade erst »die Schulbank gedrückt« und daher erst mal genug vom Lernen. Wer ehrgeizig und motiviert ist, wird sich der permanenten Weiterbildung nicht verschließen. Mangelndes Interesse an Fortbildung liegt bei Mitarbeitern über 30 Jahren gelegentlich an Selbstüberschätzung der eigenen Fähigkeiten.

Die Meinung, man weiß doch (fast) alles, ist ein echter Seminarkiller. »Es beklagt sich ja niemand über mich«, heißt es dann häufig. Hinzu kommt der Umstand mit Anreise und Übernachtung oder später Rückkehr vom Seminar. Wem das alles zu viel ist, hat nicht die nötige Motivation zur Weiterbildung und findet schnell ein Argument, weshalb er sich verweigert. Wichtig ist die richtige Einstellung zum Lernen im gesamten Unternehmen! Teilnehmergebühren dürfen nicht im Mittelpunkt der Überlegungen stehen, denn das Seminarergebnis ist wichtiger als die Kosten.

Weiterbildung langfristig planen

Bildung durch Seminarbesuche misst sich an der Zukunft, nicht an der Gegenwart. Fortschrittliche Betriebe recherchieren daher, welche Seminarinhalte für die jeweiligen Kompetenzen zukünftig wichtig werden könnten. Welche Seminarinhalte sind schon jetzt wichtig sind – und welche vielleicht dringend?

Je näher neu zu lernende Kenntnisse an der Schnittstelle zum Nichtwissen liegen, desto leichter und schneller können sie in die Praxis integriert werden.

Wissen anzunehmen verlangt vom Teilnehmer eine ausgeprägte Lernbereitschaft und den nötigen Veränderungswillen. Was viel kostet, schafft auch berechtigte Erwartungen, man verpflichtet sich selbst zu Ergebnissen. Je höher die eigene innere Motivation, desto größer ist die Chance auf eine erfolgreiche Teilnahme.

Webinar als Alternative?

Durch die Digitalisierung wurde schon vor Jahren das Webseminar entwickelt. Durch die Pandemie ist es aus dem Dornröschenschlaf erwacht und steht nun im Wettbewerb mit Präsenzveranstaltungen. Die Vorteile des digitalen Seminars werden immer wieder betont (siehe Tabelle). Zudem lässt sich unter bestimmten Randbedingungen ein Webinar aufzeichnen, sodass die Teilnehmer später noch mal zuschauen können.

Lässt sich das herkömmliche (Weiter-)Bildungssystem also ersetzen? Im Vergleich zu den Präsenzseminaren bieten Seminare im Netz sowohl Vorteile als auch Nachteile. Bei Befragungen haben sich über die Hälfte der Webinar-Teilnehmer zunächst noch skeptisch geäußert und nur eine Seminardauer von zwei bis drei Stunden täglich für sinnvoll gehalten. Teilnehmer müssen bei Online-Seminaren diszipliniert auf Bewegungen achten und Hintergrundgeräusche vermeiden.

Je mehr Personen an einer Schulung teilnehmen, desto kleiner ist der Bildausschnitt. Webinare sind gewöhnungsbedürftig, es fehlt die Tuchfühlung zu anderen Teilnehmern. Der Erfahrungsaustausch, insbesondere während der Pausen, ist kaum möglich. Dabei werden gerade diese Gespräche untereinander, der Erfahrungsaustausch mit Gleichgesinnten, die Gruppendynamik und das Get-together nach der Veranstaltung von den Teilnehmern sehr geschätzt. Digitale Seminare erschweren den Erfahrungsaustausch in der Gruppe.

Für die Teilnehmer bedeuten Präsenzseminare einen »Tapetenwechsel« und eine geschützte Lernatmosphäre. Das ist für die Wissensaufnahme eine Chance. Es ist auch ein Ausdruck der Wertschätzung, wenn der Arbeitgeber die Kosten für Reise und Übernachtung übernimmt und nicht nur die Ersparnis durch Webinare in den Vordergrund stellt.


Geld vom Staat

Für Weiterbildung gibt es auch Geld vom Staat. Zudem bieten die einzelnen Bundesländer unterschiedliche Unterstützung an. Ziel der verschiedenen Fördermaßnahmen ist es entweder, bestehende Mitarbeiter/-innen weiter zu qualifizieren, oder besondere Personenkreise zu unterstützen. Förderungswürdig sind beispielsweise Menschen, die älter als 45 Jahre sind und noch keinen Berufsabschluss haben.

Die Agenturen für Arbeit übernehmen hier bis zu 75 Prozent der Seminargebühren, bei jüngeren Beschäftigen sind es 50 Prozent. Förderfähige Maßnahmen dauern in der Regel mehrere Wochen und werden von einem zertifizierten, externen Anbieter durchgeführt. Handwerkskammern und Berufsverbände geben Auskunft. Eine erste Orientierung bieten folgende Internetseiten:

www.foerderland.de
www.iwwb.de
www.bildungsscheck.com


Weitere Beiträge von Dipl. Betriebswirt Rolf Leicher

Aktuelles Heft
Titelbild dds - das magazin für möbel und ausbau 9
Aktuelle Ausgabe
09/2022
EINZELHEFT
ABO
dds-Zulieferforum
Tischlerhandwerk in Zahlen

Zahl der Betriebe im Tischlerhandwerk

dds auf Facebook


dds auf YouTube

Im dds-Channel auf YouTube finden Sie:
– Videos zu Beiträgen aus dds
– Kollegen stellen sich vor
– Praxistipps-Videos
– Maschinen & Werkzeuge

Abonnieren Sie dds auf YouTube »

[class^="wpforms-"]
[class^="wpforms-"]
[class^="wpforms-"]
[class^="wpforms-"]