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Lasst sie mitdenken

Marketing & Betriebsführung
Lasst sie mitdenken

Bei der Nachkalkulation stellt sich immer wieder heraus, dass die Montage den erhofften Gewinn aufgefressen hat. Die Baustellensituation erweist sich nach wie vor als unkalkulierbares Risiko. Stefan Tomann weiß, wie sich mit mitdenkenden Mitarbeitern dennoch Planungssicherheit erzielen lässt.

Nur in wenigen Betrieben gibt es einen Einsatzplan. Die Mehrheit scheut die Kapazitätsplanung, weil sich oft bereits zum Wochenbeginn mit dem ersten Telefonat alle bisherigen Pläne als hinfällig erweisen. Ein Mitarbeiter ist krank, es steht ein Eilauftrag an oder der Kunde verschiebt den Termin. Viele Betriebe haben es aufgegeben, trotz der widrigen Umstände gründlich weiterzuplanen.

Übergabegespräch. Stehen Montagetermine an, erfolgt das Übergabegespräch meistens zu Arbeitsbeginn. Viele Mitarbeiter wünschen sich zwei bis drei Tage vorher zu wissen, wo sie hinmüssen, um sich auf die Montage einzustellen. Sie wollen bei der Vorbereitung mitdenken.
Rechtzeitige Information
Die Übergabe beschränkt sich oft auf nur ein Gespräch, eine schriftliche Zusammenfassung fehlt. Manchmal sind die Montageunterlagen jedoch so umfangreich, dass die Monteure sie nicht mehr lesen. Fassen Sie daher das Wichtigste auf einem Notizblatt zusammen. Zudem markieren Sie mit einem Textmarker wichtige Informationen in der Auftragsbeschreibung, Maße in Zeichnungen oder Anfahrtsrouten auf Kartenausdrucken. Die Monteure wissen oft nichts über die Baustellensituation. Wie lässt sich die Baustelle anfahren? Wie funktioniert der Transport auf der Baustelle? Gibt es Fahrstühle? Wie sind Durchgänge, Türen oder Treppen dimensioniert? Sind Fußböden, Möbel oder Wände abzudecken? Wer Aufmaß nimmt, sollte auf solche Dinge achten und das Wichtige dokumentieren. Letztendlich bestimmt die Arbeitsvorbereitung den Vorfertigungsgrad. Wer hier aufmerksam ist, kann vermeiden, dass Elemente zulasten der Montagezeit wegen zu enger Durchgänge wieder demontiert werden müssen.
Fahrzeugbeladung. Wie schnell die Fahrzeugbeladung vonstattengeht, hängt neben der Anzahl der zu beladenden Elemente von der Lagerhaltung im Betrieb ab. Das Montagelager mit Werkzeugen und Verbrauchsstoffen sollte in der Nähe der Fahrzeugbeladung ebenso wie das Fertiglager sein. Besonders kleine Betriebe verfügen oft nicht über ein Fertiglager.
Liste erleichtert das Beladen
Unabhängig davon sollte es eine Ladeliste geben. Als erstes sollte der Arbeitsvorbereiter seine Positionen eintragen, weil er den Vormontagegrad bestimmt und genau weiß, welche Elemente zu montieren sind. Die Kollegen in der Werkstatt ergänzen die Liste dann um Kleinteile, Wandanschlussleisten und Werkzeug.
Rollenverteilung während der Fahrt. Bei vielen Betrieben führt der beste Geselle das Übergabegespräch, organisiert das Beladen des Fahrzeugs und lenkt es. Bei der Baustelle angekommen, führt er unter Hilfestellung der anderen die Montage aus und fährt natürlich auch wieder zurück. Der Führerschein (Klasse BE – Pkw mit Anhänger und C1, CE oder C1E – Lkw 3,5 bis 7,5 t mit oder ohne Anhänger) weist diese Rollenverteilung zu. Junge Auszubildende oder Gesellen investieren nicht in eine Erweiterung der Qualifikation. Beruflich gesehen kommen sie jedoch nicht drum herum. Eine Führerscheinerweiterung kostet etwa 500 Euro. Sitzt der beste Geselle auf dem Beifahrersitz, kann er sich entspannen und in die Baustelle hineinversetzen, die Montageunterlagen studieren und sich eine Viertelstunde vor der Ankunft beim Kunden ankündigen, sodass es ohne Verzögerung losgehen kann.
Der Alphageselle als Beifahrer
Auf der Rückfahrt kann er alles dokumentieren. Welche Restarbeiten sind zu erledigen, welche Abstimmungen sind zu treffen oder allgemein wie lange die Montage gedauert hat. Viele Betriebe führen eine Nachkalkulation durch. Aber nur wenige können bezogen auf einzelne Positionen des Auftrags eine Nachkalkulation durchführen. Daher ist es wünschenswert, wenn die Gesamtzeit der Montage in die verschiedenen Teilaufträge wie z. B. Fenster 1, Fenster 2, Innentür 1 oder Sockelleisten aufgeteilt ist. Das erlaubt Rückschlüsse, wie lange die Montage von beispielsweise einem Meter Sockelleiste dauert.
Baurecht. Monteure bekommen in der Regel alles montiert. Inwieweit es ihre Aufgabe war, ob hier Behinderungen oder Bedenken in der Ausführung bestanden, wird kaum berücksichtigt. Auch der Sicherheitsaspekt ist in vielen Fällen infrage zu stellen. Behinderungen des Baufortschritts durch andere Gewerke nehmen die Monteure in Kauf. Das Unternehmen vermeidet eine Anzeige, um die Beziehung zum Kunden oder Architekten nicht zu stören. Dennoch ist es wichtig, dass die Monteure kritische Situationen erkennen und ihrem Unternehmen melden. Betriebe tun also Gutes, ihre Monteure besonders neben Weiterbildungen im Bereich der Montagetechnik auch im Bereich Bauvertragsrecht weiterbilden zu lassen.
Die Einsatzplanung lohnt sich
Mitarbeiter wollen mitdenken. Dazu müssen sie rechtzeitig informiert werden, was wiederum Organisation in der Einsatzplanung und beim Übergabegespräch erfordert. Für die Fahrzeugbeladung sollten Ladelisten eingeführt werden, welche von der AV erstellt und von der Fertigung weitergepflegt werden. Schließlich sollte auch die Rollenverteilung und Aufgaben während der Fahrt koordiniert werden. Die Investition in Führerscheinerweiterungen lohnt sich sowohl für Mitarbeiter wie auch für den Betrieb. Zudem sollten Monteure im Bereich des Bauvertragsrechts intensiver ausgebildet werden. Stefan Tomann
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