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Jatoba statt Kirschbaum

Marketing & Betriebsführung
Jatoba statt Kirschbaum

Tischlermeister Johannes Farwick brennt das FSC-Logo in einen Blumenvasenhalter aus Arura vermelho FSC-Logo an einem Esstisch aus der Möbeltischlerei Farwick Ulrich Damm, Importeur tropischer Hölzer
Tischlermeister Johannes Farwick darf seine Erzeugnisse seit fast einem Jahr mit dem FSC-Siegel auszeichnen. Mittlerweile trägt ein Drittel der Produkte, die seine Werkstatt verlassen, diesen Nachhaltigkeitsnachweis.

Seit Januar 2003 betreiben Johannes Farwick und seine Frau Anja Wiesner mit zwei bis drei 400-Euro-Kräften im westfälischen Münster eine Möbeltischlerei, die vor allem Massivholzeinrichtungen für das Öko-Segment herstellt. Seit August letzten Jahres trägt „Die Möbeltischlerei Johannes Farwick“ das Chain-of-Custody-Zertifikat (Vertrauenskette) des Forest Stewardship Council (FSC), einer Organisation, die sich für die nachhaltige Waldbewirtschaftung einsetzt. Es besagt, dass die Tischlerei zertifizierte Hölzer zu FSC-Produkten weiterverarbeiten darf und dass sie die dafür notwendige Organisations- und Managementstruktur aufgebaut hat.

„Mein Motiv, den Betrieb zertifizieren zu lassen, ist in erster Linie ein politisches. Ich interessiere mich für Themen der Ökologie und der Nachhaltigkeit und verfolge seit langem das, was in der Forstwirtschaft geschieht. Die FSC-Idee, den kompletten Weg des Holzes vom Wald bis zum Endprodukt zu verfolgen und an jedem Glied dieser Kette die Nachhaltigkeit nachzuweisen und zu dokumentieren, hat mich überzeugt. Jetzt kann auch ich daran mitwirken.“
Einzug der Tropenhölzer
Mit dem Zertifikat sind bei Farwick die Tropenhölzer in die Werkstatt eingezogen; wenn sie jedoch nicht zertifiziert sind, boykottiert er sie weiterhin. Einem Kunden, der ein Möbelstück in Kirschbaum anfragt, empfiehlt Farwick Jatoba aus Südamerika. In den meisten Fällen kann er seine Kunden von der Schönheit und den hervorragenden Eigenschaften der tropischen Hölzer überzeugen, und das mit gutem Gewissen, denn er kann nachweisen, dass sie nicht aus skrupellosem Raubbau stammen. Obwohl Farwick eine eher wohlhabende Käuferschicht anspricht, bietet er bevorzugt solche Hölzer an, die nicht im Trend liegen oder wenig bekannt sind, was sich positiv auf den Preis auswirkt. Ein Möbelstück aus Jatoba, das optisch dem Teak ähnelt, ist – wenn auch auf hohem Niveau – preiswerter als beispielsweise eines aus Kirschbaum. So erweitere sich zum einen die Vielfalt der Hölzer, die uns umgeben, zum anderen wirke er im Geiste des FSC regulierend auf das Marktgeschehen. Auch heimische Hölzer sollten Verwendung finden, es sei denn, sie stammen nicht aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern.
Nach dem Entschluss, sich zertifizieren zu lassen, machte sich Farwick zunächst auf der FSC-Hompage kundig, wie die Zertifizierung grundsätzlich abläuft, und holte Angebote von vom FSC akkreditierten Zertifizierungsinstituten ein. „Unter den in Deutschland aktiven Instituten sind Imo aus Weinfelden, Schweiz, und Smart Wood aus Richmond, USA, gemeinnützig tätig, d.h. ein Teil der Einnahmen fließt in Umweltschutzprojekte zurück“, so Farwick, der schließlich Smart Wood mit der Auditierung beauftragte. Der ausgehandelte Preis lag bei 1500 Euro für das erste Audit und jeweils 1000 Euro für die jährlichen Zwischenaudits. Die Vertragsdauer beträgt fünf Jahre.
Farwick wünscht sich möglichst viele Kollegen, die sich ebenfalls zertifizieren lassen, und empfiehlt ihnen eine Gruppenzertfizierung, bei der man viel Geld sparen könne. Mit solchen Kollegenbetrieben böten sich zahlreiche Chancen für einen gemeinsamen Erfolg. Farwick: „Während der Produktion darf das Holz meine Werkstatt nicht verlassen, es sei denn, es geht an ein ebenfalls zertifiziertes Unternehmen. So darf ich beispielsweise kein Tischbein bei einem nicht zertifizierten Drechsler bearbeiten lassen.“
System zum Nachweis der Herkunft
Vor dem Audit waren jedoch noch Hausaufgaben zu machen, und zwar die Erstellung eines FSC-Handbuchs sowie das Anlegen entsprechender Organisations- und Managementstrukturen. In dem Handbuch dokumentieren FSC-Betriebe die Organisationsstruktur für den Nachweis, dass ihre Produkte mit dem FSC-Label auch aus dem entsprechendem Holz bestehen. Dazu führt Farwick z.B. die getrennte Lagerhaltung von zertifizierten und sonstigen Hölzern und eine lückenlose Dokumentation der Lagerzu- und -abgänge auf. In der Werkstatt gibt es ein Zwischenlager für die Massivholzabschnitte an der Kreissäge. Damit die Hölzer nicht vermischt werden, hat Farwick für die Massivholzreststücke ein Regalgestell gebaut, das mit farblich hervorgehobenen Fächern für FSC-Holz ausgestattet ist.
Die Erstellung des fünf Seiten umfassenden Handbuchs hat etwa einen Arbeitstag erfordert, die Umsetzung der entsprechenden Maßnahmen zwei weitere. Mitte Juni 2003 kam der Auditor für einen halben Tag. Er hatte nichts zu beanstanden, unterbreitete jedoch den einen oder anderen Verbesserungsvorschlag. Die Smart-Wood-Zentrale in Richmond wertete den Bericht des Auditors aus, und am 1. August 2003 wurde das Zertifikat vergeben.
Farwick pflegt enge Kontakte zu dem FSC-Holzimporteur Intecfor aus Bergheim bei Köln, der sich auf südamerikanische und mexikanische Hölzer spezialisiert hat. Ulrich Damm von Intecfor: „Ein großes Problem unseres Tropenholzsortimentes sind die Namen, die hierzulande befremdlich klingen, wie z.B. Massaranduba. Wir haben etwa fünf Jahre gebraucht, um diese Holzart als Bangkirai-Ersatz zu etablieren. Jeder Verbraucher verbindet etwas mit Namen wie Teak oder Buche, nicht jedoch mit Favinha oder Castanharana. Wir arbeiten daran, dies zu ändern und diese Hölzer zu etablieren.“
Der Holzimporteur wie auch die Öko-Tischlerei stoßen mit ihrem FSC-Angebot bei der ureigenen Kundschaft auf offene Ohren. Farwick meldet zunehmende Verkaufserfolge und will, wenn Beschaffungsmarkt und Nachfrage mitspielen, so schnell wie möglich seinen Betrieb zu 100 Prozent auf FSC umstellen. Dazu fehle auf der Beschaffungsseite bisher jedoch noch fast der gesamte Holzwerkstoffbereich, wo es nur sehr begrenzt FSC-Ware gäbe. Auch sei das Angebot an heimischen FSC-Hölzern noch sehr dünn. GM
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