Marketing & Betriebsführung

Im Werkraum die Zukunft sichern

Handwerker haben sich im Bregenzerwald, einer kleinen Region im österreichischen Vorarlberg, zu einem ungewöhnlichen Branchenbündnis zusammengeschlossen.

Claudia Schwartz

Berge, Wiesen, weite Täler – der Bregenzerwald zwischen östlichem Bodensee und Großem Walsertal ist ein Urlaubsparadies par excellence. Die Kehrseite der Medaille: Rund 30000 Einwohner verteilen sich auf 24 Gemeinden. Tagsüber sind die Dörfer meist ausgestorben, weil immer mehr Menschen zur Arbeit ins Rheintal pendeln. Nicht zuletzt das Handwerk litt zusehends unter Auszehrung und Substanzverlust. Um etwas dagegen zu unternehmen, schlossen sich 1999 rund hundert Handwerksbetriebe – unter ihnen ein Drittel Schreiner und andere Vertreter des holzverarbeitenden Gewerbes – zum Verein Werkraum Bregenzerwald zusammen.
Ein Geschichte mit Vorgeschichte: Bereits 1991 riefen Bregenzerwälder Handwerker einen gestalterischen Wettbewerb ins Leben, um sich Inspiration von außen zu holen. Dazu tat sich jeweils ein Handwerker mit einem Gestalter zusammen, um einen Prototyp herzustellen, der handwerklich und in Sachen Formgebung höchste Ansprüche erfüllen sollte.
Die so entstandenen Möbel und Alltagsobjekte ließ man von einer professionellen Jury beurteilen und präsentierte sie unter dem Titel »Handwerk und Form« in einer gemeinsamen Leistungsschau. Der Erfolg des Wettbewerbs in der Öffentlichkeit und beim Fachpublikum förderte die Einsicht, dass eine gemeinsame Präsentationsplattform der Handwerker wünschenswert sei, und bildete einen Auslöser für die Gründung des Vereins Werkraum Bregenzerwald, der seit 1999 alle drei Jahre »Handwerk in Form« organisiert. Die Attraktivität des Designwettbewerbs ist dabei weniger ökonomisch begründet, sie liegt vielmehr im Ansporn, Neues zu entwickeln und formal weiterzukommen.
Weitere Tätigkeitsschwerpunkte der Kooperation sind die jährlich erscheinende Vereinszeitung »Werkraum Bregenzerwald« und die »Lernwerkstatt«, die Lehrlingen das alte handwerkliche Wissen in zeitgemäßer Ausführung vermitteln soll. Eine wichtige Plattform bildet der Internetauftritt (www.werkraum.at) mit Ratgeberseiten, Diskussionsforen, Veranstaltungshinweisen, Lehrstellenbörse sowie Mitgliederlisten und Links zu den einzelnen Firmen-Homepages. Regelmäßig durchgeführte Vorträge und Diskussionen beschäftigen sich mit betriebsrechtlichen, strukturellen und fachübergreifenden Themen. Mittelfristig geplant ist die Konzeption einer Dauerausstellung über die Vorarlberger Barockbaumeister. Unterstützt wird der Verein durch eine wirtschaftspolitische Initiative zur Stärkung der Region. So sicherten Mittel der EU und des Landes Vorarlberg zu einem guten Teil den Start und die laufenden Aktivitäten.
Zu den wichtigen Erkenntnissen des Projekts gehört, dass es gelingt, den Schwächen des Handwerks (fehlende gestalterische Impulse, mangelndes Know-how in der Öffentlichkeitsarbeit) entgegenzuwirken. Zudem fördert der Werkraum Bregenzerwald das Bewusstsein, dass ein gemeinsamer Branchenauftritt möglich ist, ohne die Selbstständigkeit der Unternehmen zu tangieren und die Entfaltung individueller Unternehmensphilosophien zu behindern.

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