Marktübersicht Handwerkerplattformen

Portale zu neuen Kunden

Die Internetbranche hat das Handwerk wieder einmal als Geschäftsmodell entdeckt. Handwerkerportale schießen wie Pilze aus dem Boden. Welchen Aufwand erfordern sie vom Handwerker? Welchen Nutzen bringen sie ihm? Eine Marktübersicht.

Hier finden Sie die Marktübersicht Onlineplattformen zum Download

 

70 bis 80 Prozent der Online-Nutzer lassen sich auf der Suche nach Produkten und Dienstleistungen von Bewertungen beeinflussen, heißt es. Bewertungen schaffen Sicherheit und Orientierung. Im Internet begegnet man den fünf kleinen gelben Bewertungssternchen inzwischen überall. Haben Sie sich auch schon einmal gefragt, wo diese herkommen? Und haben Sie sich auch schon einmal darüber geärgert, warum gerade Ihr Unternehmen auf der Suchergebnisseite von Google völlig sternenlos erscheint? Nun, das lässt sich leicht ändern:

  • Richten Sie unter www.google.de/mybusiness ein Firmenprofil ein
  • Verknüpfen Sie das Profil mit der geografischen Adresse Ihres Standorts. Jetzt taucht Ihr Unternehmen in der lokalen Google-Suche auf
  • Bitten Sie nun Ihre Kunden und Geschäftspartner, eine Rezension (= Bewertung) zu schreiben. Fertig!

Sobald die ersten Bewertungen erfolgt sind, erscheinen die Sterne (hoffentlich alle fünf in Gelb) neben Ihrem Firmennamen; und zwar sowohl in der lokalen Suche als auch bei Google Maps. Womit auch schon die erste Frage, nämlich die nach der Herkunft der Sterne, zur Hälfte beantwortet wäre.

Woher kommt die Bewertung?

Bewertungen liefern natürlich auch die Bewertungsportale, von denen es in Deutschland 400 gibt. Die für Handwerkerleistungen relevanten Bewertungsportale sind in der Marktübersicht unten aufgelistet. Diese erfordern jedoch mehr Mühe und Aufwand als das Erstellen eines Mybusiness-Firmenprofils. Hier gilt es, vor allem mit Bildern zu punkten.

Online-Plattformen für Handwerker

Anfang der 2000er-Jahre hat die Online-Branche die Handwerkerdienstleistung für sich entdeckt. Ich schreibe absichtlich »Handwerkerdienstleistung« denn der Handwerker als Mensch blieb auf der Strecke. Bei den damaligen Handwerkerauktionshäusern waren seine Interessen nebensächlich: der Kunde stellte einen Auftrag ein, der billigste Bieter bekam den Auftrag. Das konnte nicht lange gutgehen, Stichwort: Selbstausbeutung.

Viele Handwerkerplattformen scheiterten, einige sind jedoch heute noch aktiv. Dazu gehören Blauarbeit, MyHammer und Undertool. Diese haben aus ihren Fehlern gelernt und im Laufe der Jahre das Geschäftsmodell an die Verbraucherwünsche angepasst. Ihr Angebot ist heute eine Mischung aus Vergabeplattform, Branchenverzeichnis und Online-Bewertungsportal. Zudem haben die Betreiber Qualitätsstandards eingeführt. »Vor der Freischaltung müssen die Betriebe alle Qualifikationsnachweise erbringen, die die geltende Handwerks- und Gewerbeordnung vorschreibt«, betont Natalya Nepomnyashcha von MyHammer und fügt stolz hinzu, »über 97 Prozent der Kundenbewertungen sind positiv.« Auch da dienen Bewertungen der Orientierung. Ein qualitätsbewusster Handwerker wird als solcher wahrgenommen. Trotzdem spielt bei Ausschreibungs- und Vergabeplattformen nach wie vor der Preis eine große Rolle. Ganz anders bei designorientierten Plattformen wie Houzz oder Homify. »Bei Houzz steht das Preisthema nicht im Fokus, sondern die Qualität«, sagt Markus Maus. Der 55-jährige Tischlermeister aus Hürth bei Köln muss es wissen. Seit 2016 ist er mit seinem Unternehmen »Maus Raumdesign und Schreinerei« auf der ursprünglich in den USA gegründeten Plattform vertreten. Rund zehn Prozent seines Umsatzes macht der Fünf-Mann-Betrieb mittlerweile online.

Design im Fokus

Über Houzz kamen Aufträge für Innenausbauten, Badumbauten und Küchen. »Die Auftragssummen liegen zwischen 5000 und 30 000 Euro.« Die Kunden bewerten Maus ausschließlich positiv. Umgekehrt lobt Maus das Houzz-Publikum. »Die Zahlungsmoral ist perfekt. Gute Arbeit wird hier wertgeschätzt.«

Auch Roberta Rösler hat diese Erfahrung gemacht. Sie ist Marketingleiterin von »Gantz einfach schön«. Das Berliner Unternehmen hat sich auf hochwertige, maßgefertigte Möbel spezialisiert. Die Entwürfe kommen von eigenen Designern. Die achten nicht nur auf die Form, sondern behalten auch die Funktion im Blick. »Unsere Stärke liegt darin, den Kunden ganzheitlich zu beraten. Mit unseren Entwürfen berücksichtigen wir die vorhandene Raumsituation. Zudem haben wir einen hohen funktionalen Anspruch an unsere Möbel.« Mit seinen Produkten bewege sich das Unternehmen im oberen Qualitätssegment, betont Rösler, was nicht zwangsläufig hohe Preise bedeute. Dass dafür auch online ein Markt existiert, dafür ist »Gantz einfach schön« der beste Beweis. »Wir setzen ausschließlich auf den Online-Verkauf. Das ist ein Megatrend, der nicht mehr aufzuhalten ist. Wir realisieren 100 Prozent unseres Umsatzes online.« Im Zentrum stehe dabei die eigene Website. Portale wie Houzz dienen eher als Marketingplattform, um die Reichweite und die Bekanntheit zu steigern.

Sichtbar bleiben

Die Handwerker-Plattformen betreiben intensives Suchmaschinenmarketing und bauen dadurch eine hohe Präsenz auf. Kunden, die online nach einem Produkt oder einer Dienstleistung suchen, landen immer öfters ihren Seiten. Probieren Sie es aus! Geben Sie probeweise bei Google »Schreiner Stuttgart« ein und es erscheinen auf den ersten beiden Plätzen zwei Portale aus unserer Marktübersicht. Es wird immer schwieriger, sich als kleiner oder mittlerer Handwerksbetrieb mit seiner Website vor diesen großen Anbietern zu platzieren. Sichtbar bleiben, im Gespräch bleiben – was in der Offline-Welt gilt, besitzt auch im Internet seine Gültigkeit. Der Unternehmer muss seinen Kunden folgen. Und wenn sie sich auf Online-Plattformen bewegen, muss er sich dort eben als Experte präsentieren. Doch welche Plattform ist die richtige? Welche Zielgruppen spricht diese an? Wichtig ist auch die Zusammenarbeit mit dem Plattformbetreiber. Versteht er sein Geschäft und – noch wichtiger – hat er Ahnung von meinem?

Marktübersicht

Mit unserer Marktübersicht möchten wir zeigen, welche Arten von Plattformen es gibt, und für wen diese vorrangig geeignet erscheinen. Die Bandbreite reicht vom Weltkonzern mit Milliarden Besuchern bis hin zum kleinen B2B-Startup-Unternehmen mit wenigen hundert Nutzern. Sie haben die Aufgabe, aber auch das Privileg, für sich entscheiden zu dürfen, welche Plattform Ihnen und Ihren Kunden den meisten Mehrwert bietet. Denn letztlich ist entscheidend, dass Angebot und Nachfrage zusammenpassen – da unterscheidet sich die virtuelle von der realen Welt in keinster Weise. Jeder hat die Kunden, die er verdient. –Josef Schneider

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