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Es läuft gut

Marketing & Betriebsführung
Es läuft gut

Der Bundesbetriebsvergleich 2010 für das Tischler- und Schreinerhandwerk liegt vor. Manfred Neue fasst für dds die wichtigsten Veränderungen zusammen und bewertet die aktuellen Zahlen.

Manfred Neue, Geschäftsführer HKH Mecklenburg-Vorpommern

Die Finanz- und Wirtschaftskrise spiegelt sich im Tischlerhandwerk kaum wider, die Konjunkturprogramme wirken. Das zeigen nicht nur die gegenüber 2008 nahezu unveränderte Zahl der Beschäftigten in den Unternehmen, sondern auch viele betriebswirtschaftliche Kennzahlen des Bundesbetriebsvergleiches 2010.
Die Eigenkapitalanteil steigt
Die Eigenkapitalanteil der Betriebe hat sich verbessert und beträgt 2010 im Durchschnitt 33,2 %. Die kritische 20-%-Grenze wird überschritten. In allen Größenklassen konnte das Eigenkapital weiter erhöht werden. Erfreulich ist die positive Entwicklung v.a. in der Größenklasse I. Um den Auswirkungen der Krise zu begegnen, haben die Tischler- und Schreinerbetriebe in den vergangenen Jahren ihre Betriebsstrukturen den Rahmenbedingungen angepasst. Verbesserungen in der Technologie und der Organisation sowie die leistungsbezogene Bezahlung führten zu einer höheren Effektivität.
Eigenkapitalrentabilität. Im Durchschnitt aller Betriebe wird eine ausreichende Rendite (12,3 %) des eingesetzten Eigenkapitals erreicht.
Die Gesamtkapitalrentabilität sollte über dem marktüblichen Kreditzins liegen, damit die Kreditfinanzierungskosten gedeckt sind. Dies wurde im Gesamtdurchschnitt mit 6,8 % nicht immer für alle Kreditgeschäfte erreicht. Die hohe Gesamtkapitalrentabilität der vorausgegangenen Betriebsvergleiche konnte nicht gehalten werden. Eine ausreichende Rendite des eingesetzten Kapitals wird jedoch erreicht. Bei steigenden Kapitalmarktzinsen wird sich die Situation allerdings verschlechtern. Kritisch ist zu sehen, dass die Größenklasse I bei beiden Kennzahlen im negativen Bereich bleibt. Das Bild fällt jedoch besser aus als 2008.
Kapitalstruktur in Ordnung
Der Deckungsgrad I ist das Verhältnis von Eigenkapital zum Anlagevermögen in Prozent. Der Deckungsgrad II ist das Verhältnis von Eigen- und langfristigem Fremdkapital zum Anlagevermögen. Die Bilanzregel besagt, dass das Anlagevermögen (Maschinen, Anlagen, Grundstücke etc.) durch Eigenkapital und langfristiges Kapital (Darlehen mit Laufzeiten über fünf Jahren) zu finanzieren ist. Hierbei ist in Abhängigkeit von der allgemeinen Zinsentwicklung auf die Festschreibung der Zinskonditionen zu achten. Es gilt, das Unternehmen durch langfristige Finanzdispositionen vor der Gefahr des unkontrollierten Entzugs von Kapital zu schützen
Der Durchschnitt beider Deckungsgrade ist gestiegen. Die Unternehmen haben weniger Fremdkapital aufgenommen. Das führt zu einer positiven Veränderung der Kapitalstruktur zu Gunsten des Eigenkapitals. Es zeigt sich jedoch auch das veränderte Finanzierungsverhalten der Banken gegenüber kleinen und mittleren Handwerksbetrieben. Langfristig müssen sich die Handwerksunternehmen auf andere Finanzierungsmodelle einstellen. Dabei ist jedoch die aktuelle Zinsentwicklung am Kapitalmarkt zu betrachten.
Wertschöpfung geht zurück
Die Gesamtumsätze haben sich in den Größenklassen unterschiedlich entwickelt. Dies gilt auch für den Rohgewinn. Der Rohgewinn oder die Wertschöpfung I ergibt sich nach der Bereinigung der Umsatzzahlen durch die Materialeinsätze. Hieraus werden die wichtigen Kennzahlen »Betriebsleistung je Beschäftigten«, »Wertschöpfung je Beschäftigten« und »Wertschöpfung je direkt verrechenbarer Stunde« abgeleitet.
Die Betriebsleistung je Beschäftigten liegt im Gesamtdurchschnitt bei 105546 Euro. Die Bandbreite reicht hier von 91206 Euro für die Größenklasse I bis 111819 Euro für die Größenklasse IV.
Die Wertschöpfung je Beschäftigten hat sich etwas verringert. Sie liegt im Durchschnitt bei ca. 58.396 Euro. Die Wertschöpfung je Fertigungslohnstunde liegt damit bei 46,30 Euro. Das ist die eigentliche Vergleichszahl für den Stundenverrechnungssatz. Während der Stundenverrechnungssatz die Kalkulationsgrundlage ist, ist die Wertschöpfung je Fertigungslohnstunde das tatsächlich realisierte Verkaufsergebnis einer Stunde. Die Abweichung zeigt den Gewinn oder Verlust pro Stunde.
Die Veränderung der Wertschöpfungskennzahlen ist auf das Halten des Personals in Krisenzeiten zurückzuführen. Je höher die Wertschöpfung je Beschäftigten bzw. je Fertigungsstunde, um so rationeller wird die menschliche Arbeitskraft eingesetzt. Durch die flexible Gestaltung der Arbeitszeiten ist eine bessere Anpassung an die Auftragsanforderungen erreicht worden.
Um sicherzugehen, dass kein Verlust gemacht wird, muss die Wertschöpfung je Fertigungsstunde höher liegen als der Bruttostundenlohn plus Gemeinkostenzuschlagsatz (=Stundenverrechnungssatz).
Kalkulatorische Kosten drin
Erfreulich ist das für den Durchschnitt aller Betriebe erneut positive kalkulatorische Betriebsergebnis. Der positive Wert bedeutet, dass es den Betrieben auch 2010 gelungen ist, die kalkulatorischen Kosten (Unternehmerentgelt, Eigenkapitalverzinsung, kalkulatorische Miete) komplett zu erwirtschaften. Mit einem Durchschnittswert von 1,7 % ist allerdings ein Rückgang von 0,6 % Prozent gegenüber 2008 zu verzeichnen. Der Wert war von 1996 bis 2004 durchgehend negativ, 2006 wurde dieser negative Trend erstmals durchbrochen.
Differenzierter wird das Bild, wenn man die einzelnen Betriebsgrößenklassen betrachtet. Die Unternehmen mit weniger als fünf Mitarbeitern (=Betriebsgrößenklasse I) verharren weiterhin im negativen Bereich. Das betriebswirtschaftliche Ergebnis liegt hier bei –4,8 %. In dieser Größenklasse deckt das tatsächlich erwirtschaftete Betriebsergebnis die kalkulatorischen Kosten nicht. Die Betriebsgrößenklasse II liegt mit 1,6 % im positiven Bereich, erreicht aber nicht die Werte der Größenklassen III mit 2,1 % und IV mit 4,8 %.
Die Kostenstruktur
Der Stundenverrechnungssatz liegt im Schnitt über der 45-Euro-Grenze.
Der Gemeinkostensatz ist im Durchschnitt auf nunmehr 235,8 % gefallen. Die in den Betrieben durchgeführten Rationalisierungsmaßnahmen und Einsparungsstrategien konnten die Kostenerhöhungen kompensieren.
Werden auf das Material und die Fremdleistungen bereits Gemeinkosten aufgeschlagen, verringern sich die Gemeinkostenzuschlagssätze, die auf die Fertigungslöhne aufzuschlagen sind. Im diesjährigen Bundesbetriebsvergleich wurde ein durchschnittlicher Materialgemeinkostenzuschlagssatz von 17,0% und ein durchschnittlicher Fremdleistungsgemeinkostenzuschlagssatz von 12,0% ermittelt.
Die reduzierten Stundenverrechnungssätze sollten allerdings für Kalkulationszwecke nicht ungeprüft übernommen werden. Jeder Verwender von reduzierten Verrechnungssätzen muss dabei für sein Unternehmen entscheiden, inwieweit er über Zuschläge auf Material und Fremdleistungen seine Stundenverrechnungssätze verbilligen will. Darüber hinaus sollte er sich immer verdeutlichen, wie viel der echten Kosten durch die Material- und Fremdleistungszuschläge abgedeckt werden sollen und um wie viel er dabei seinen Stundenverrechnungssatz – in Abkehr vom Kostenverursachungsprinzip – marktorientiert verbilligen will.
Die für den einzelnen Betrieb echten Gemeinkostenzuschlagssätze können nur über die Ermittlung in einer Betriebsabrechnung auf Kostenstellenbasis festgestellt werden (z.B. Betriebsabrechnungsbogen). Über den gleichen Weg sind auch die differenzierten Stundensätze für Maschinenstunden, Bankraumstunden oder Montagestunden zu ermitteln. Hier sollte die Hilfe der Betriebsberatungsstellen der Fachverbände des Tischler- und Schreinerhandwerks in Anspruch genommen werden.
Mit der Kennzahl erweiterter Cash-flow oder der Ertragskraft wird die Eigenfinanzierungskraft des Unternehmens bezogen auf die Betriebsleistung bezeichnet. Die Kennziffer gibt den Prozentsatz an, über den ein Unternehmen zur Deckung des Kapitaldienstes, zur Selbstfinanzierung oder zur Gewinnausschüttung aus der Betriebsleistung verfügen kann. Im Durchschnitt hat sich diese Kennzahl leicht verschlechtert, sie liegt jetzt bei 7,3 %.
Für die Beurteilung des eigenen Betriebes liefert der Betriebsvergleich weitere Kennzahlen, wie z. B. die Debitoren- und Kreditorenumschlagdauer (29,6 und 26,6 Tage) oder die Vorleistungsdauer (53,1 Tage). Diese Angaben sind für die Finanzierungsplanung wichtig.
Nicht unkritisch übernehmen
Die ermittelten Kennzahlen sollten nicht unkritisch auf den eigenen Betrieb übertragen werden. Der Vergleich der eigenen Werte mit dem Branchendurchschnitt kann jedoch unternehmerische Entscheidungen im eigenen Betrieb unterstützen. Diese erste Auswertung bezieht sich auf die Durchschnittsdaten aller teilnehmenden Betriebe aus dem gesamten Bundesgebiet. Regionale Unterschiede sind nicht berücksichtigt.

Service

Am Bundesbetriebsvergleich 2010 im Tischler- und Schreinerhandwerk haben in diesem Jahr 205 Unternehmen teilgenommen. Die Branchendaten werden alle zwei Jahre von Tischler Schreiner Deutschland erhoben und in einer 20-seitigen Broschüre zusammengefasst. Sie ist so gestaltet, dass eigene Daten eingesetzt und damit eigene betriebliche Kennzahlen ermittelt werden können. Bestellung unter Tel.: (030) 308823-90 oder info@tischler-schreiner.de
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