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Lieferverzögerungen bei der Küche: Ein Königreich für ein Kochfeld

Marktsituation Küche
Ein Königreich für ein Kochfeld

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Hochwertige Küchen sind angesagt, hier z. B. die Serie Next125 von Schüller Symbolbild: Schüller Möbelwerk KG
Erfreulich, wenn die Kundschaft Schlange steht. Wären da nur nicht die Lieferanten, die mit Lieferverzögerungen und Preissteigerungen drohen. Stimmungsbild einer Branche im Spannungsfeld zwischen Nachfragehoch und Versorgungsengpässen.

Hans Graffé, Chefredakteur dds

Küche boomt. Selten lässt sich die Lage einer Branche mit so wenigen Worten so treffend beschreiben. Das Zuhause im Allgemeinen und die Küche im Besonderen hat in der Pandemie eine enorme Aufwertung erfahren. »Die Bedeutung des Home Cooking und die Bereitschaft zu Investitionen in die eigenen vier Wände sind in der Corona-Krise deutlich gestiegen« stellte z. B. Roland Hagenbucher, Vorstandssprecher der Arbeitsgemeinschaft Die Moderne Küche e. V. (AMK) Ende April fest. »Das Interesse und der Bedarf an individuell geplanten Einbauküchen haben spürbar zugelegt.«

Die Gesellschaft für Konsumforschung GfK hat ermittelt, dass ein Kunde im vergangenen Jahr im Fachhandel im Durchschnitt 9678 Euro für eine neue Küche ausgegeben hat, 425 Euro oder 4,6 Prozent mehr als 2019. »Nachgefragt wird eine immer hochwertigere Ausstattung der Küche im Hinblick auf die Materialien, die Funktionalitäten und die Elektrogeräte« heißt es dazu bei der AMK. Diesen Trend bestätigt auch Walter Greil, Geschäftsführer des Schreiner-Netzwerkes TopaTeam, das für seine Mitglieder den Einkauf von Küchen, Geräten und Zubehör organisiert: »Der Bereich Küchen ist bei uns in den letzten Monaten zweistellig gewachsen und wird nur noch von den Zuwächsen im Bereich Spa/Wellness übertroffen«. Marktbeobachter rechnen auch für das laufende Jahr und darüber hinaus mit einem Anhalten dieser guten Entwicklung.

Erfreuliche Aussichten also, wäre da nicht das Problem mit den Lieferengpässen. Wie man aus der Branche hört, sind derzeit vor allem Einbaugeräte wie Geschirrspüler und Backöfen, aber auch Spülen hie und da Mangelware. Bestimmte Modelle haben lange Lieferzeiten oder sind gar nicht zu bekommen. Walter Greil führt das auf mehrere Ursachen zurück. Zum einen hatten die großen Anbieter wie BSH, Miele usw. zeitweise die Produktion ausgesetzt, weil sie mit einem Einbruch des Marktes rechneten. Zum zweiten mussten Elektrogeräte wegen der Umstellung der Energieeffizienzklassen modifiziert werden, was zu Verzögerungen führte. Und zu guter Letzt ist eben die Nachfrage unerwartet hoch, was die Lage zusätzlich verschärft. Zu den Engpässen bei Elektrogeräten kommen teilweise massive Preissteigerungen und Lieferverzögerungen bei Beschlägen, Zulieferteilen und Komponenten. Hier kämpfen die Vorlieferanten mit Preisschwankungen von Rohmaterialien wie Stahl, Messing, Aluminium usw. Und auch die Engpässe im Bereich Holz und Holzwerkstoffe führen zu Problemen. In der Möbelindustrie z. B. berichteten laut einer Verbandsumfrage vom April mehr als zwei Drittel der Produktionsbetriebe von Problemen bei der Versorgung mit Holzwerkstoffen.

Wie soll man eine Küchenmontage planen, wenn für Materiallieferungen keine Termine mehr bestätigt werden? Wie kalkulieren, wenn sich Preise von heute auf morgen ändern? Sich mit diesen Verwerfungen zu arrangieren, wird jedoch eine der Herausforderungen der kommenden Zeit sein, eine kurzfristige Entspannung der Situation ist wohl eher nicht in Sicht.

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