Marketing & Betriebsführung

»Der Mikrokosmos reicht nicht mehr«

Die Schreinerei Gebert aus Neuenstein leistet sich einen Showroom im Stuttgarter Stilwerk, einer neuen exklusiven Einkaufsetage in den Königsbau-Passagen. Wir sprachen mit Schreinermeister und Gestalter Stefan König über das Konzept.

Seit April 2006 hat Gebert eine Dependance im Stilwerk: »Räume 711«. Wie ist die Resonanz?

In den ersten Wochen war es wie auf der Kölner Messe: Viele kommen und schauen. Dann war WM und dann kam das Sommerloch. Inzwischen haben wir wieder Normalbetrieb. Für die Werbeumlage, die wir an das Stilwerk zahlen, passiert mir allerdings noch zu wenig.
Die Leute kommen also nicht von selbst zu Ihnen?
Stuttgart ist nicht Hamburg oder Berlin. Das Stilwerk liegt in zweiter Reihe hinter dem Königsbau, wir sind in der dritten Etage. Ich kann mich also nicht selber auf die Königsstraße stellen und die Leute ansprechen! Der Bau an sich ist gut, die Adresse ist gut. Das Stilwerk muss nur bekannter werden, und daran arbeiten wir.
Wollen Sie denn die Stuttgarter Laufkundschaft ansprechen?
Von der zufälligen Kundschaft können wir nicht leben. Wir sind darauf angewiesen, dass Architekten hochkarätige Klienten zu uns schicken. Die kommen natürlich nicht in die Schreinerei nach Neuenstein. Der Mikrokosmos reicht nicht mehr!
Welche Leistungen bieten Sie?
Innenarchitektur, Schreinerleistungen und hochwertige Handelsware. Beratung, Planung und Kalkulation. Stilistisch zeigen wir Zeitgeistiges und Experimentelles, wir heben uns mit Unikaten von dem ab, was die Leute im Möbelhaus sehen.
Sind Ihre Kunden bereit, sich auf Neues einzulassen?
Die Alten sind im Kopf manchmal die Jüngeren und Dritteinrichter mutiger als 30-Jährige. Entscheidend ist, dass wir keine Massenware anbieten. Der Mehrwert muss nachgewiesen werden, die Beratung muss stimmen.
Was kostet Dieter Gebert dieser Schritt in die Öffentlichkeit?
Wir mieten 190 m2. Mit Werbeumlage und Nebenkosten landen wir schnell bei einem mittleren vierstelligen Betrag im Monat. Dazu kommt mindestens eine volle Personalstelle. Wir haben 60 Stunden in der Woche offen, dann gibt es Schausonntage, die lange Einkaufsnacht … Da sind schon auch viele Gucker unterwegs, die uns nichts bringen. Aber Sie sehen den Leuten das heute nicht mehr an.
Könnten Sie hier nicht auch mit Aushilfen arbeiten?
Schwierig. Die Kunden setzen Ihre Fachkenntnis voraus. »Das kann man vielleicht machen, da muss ich mal nachfragen«, können Sie vergessen. Inkompetenz funktioniert nicht. Und Sie müssen manchmal Auskunft geben, ohne zu viel zu verraten. Das ist ja ein großes Manko in der Ausbildung: Der Umgang mit dem Kunden wird nicht vermittelt.
Wie kam es zu der Entscheidung, ins Stilwerk zu gehen?
Am Anfang stand der Mut, Neues zu wagen. Dieter Gebert kannte das Stilwerk in Hamburg und hat früh von der geplanten Gründung in Stuttgart erfahren. Dann war klar, dass er hier dabei sein will. Interview: JN

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