Marketing & Betriebsführung

Der Fahrplan zur Nachfolge

Portrait_of_three_men_standing_and_discuss_in_furniture_factory
Die Staffelübergabe an einen Nachfolger ist ein langer Prozess voller Chancen und Risiken. Professionelle Unterstützung hilft oft weiter. Foto: Boggy, AdobeStock
Der Übergabeprozess birgt Chancen und Risiken für Unternehmer, Nachfolger und den Betrieb. Hilfestellung bietet ein Nachfolgefahrplan.

Jede Unternehmensnachfolge ist ein individueller Prozess, jede Ausgangssituation ist eine andere. Gibt es in der Familie potenzielle Nachfolger? Haben Mitarbeiter Interesse bekundet? Steht ein Verkauf an oder soll vererbt werden? Für alle möglichen Szenarien gilt: Durch systematische Gestaltung und einen sorgfältig ausgearbeiteten Nachfolgefahrplan lassen sich folgenschwere Fehler vermeiden.

Der richtige Zeitpunkt

Wichtig ist eine frühzeitige Planung der Übergabe, denn der Nachfolgeprozess dauert mindestens drei bis fünf Jahre oder länger. Der Grund: Neben den vielen Entscheidungen, die getroffen werden müssen, soll auch das Unternehmen selbst möglichst »fit« für die Übergabe sein.

Auf der Nachfolgerseite ist Zeit ein wichtiger Faktor: Gerade in der strategischen Ausrichtung eines Unternehmens oder in der betriebswirtschaftlichen Führungspraxis haben Nachfolger häufig noch Erfahrungsdefizite, die nicht von heute auf morgen zu beseitigen sind. Ein Unternehmer-Coaching kann hier Abhilfe schaffen.

Generell gilt: Unternehmer sind Profis in ihrem Geschäft, die Regelung der Unternehmensübergabe hingegen ist Neuland, das viel Zeit und Kraft kostet. Der Prozess einer Unternehmensübergabe gliedert sich in vier entscheidende Phasen:

Phase 1: Bestandsaufnahme

Der erste Schritt ist eine detaillierte Bestandsaufnahme der Ist-Situation im Unternehmen, bei den Firmeninhabern und ihren Familien sowie bei den potenziellen Nachfolgern. Dabei muss sich die abgebende Generation Klarheit verschaffen: Reicht die Altersvorsorge aus, wer soll was erhalten?

Das Unternehmen muss übergabefähig sein:Ist
die Abhängigkeit von den bisherigen Inhabern zu groß, muss zunächst umstrukturiert werden. Sind die Potenziale des Unternehmens nicht belegbar, müssen sie in den verbleibenden Jahren im Jahresabschluss dokumentiert werden, um einen adäquaten Kaufpreis zu realisieren.

Andere Dinge beschäftigen den oder die Nachfolger: Neue Wege erfordern neue Konzepte, finanzielle Spielräume und mitunter auch neue Köpfe. Ein Konsens zwischen diesen unterschiedlichen Standpunkten ist unverzichtbar. Ausführliche Gespräche müssen konfliktträchtige Fragen im Vorfeld klären.

Phase 2: Ziele und Strategie

Dauerhafte Nachfolgeregelungen verlangen einen Interessenausgleich zwischen dem beteiligten Unternehmen, den nachrückenden und den ausscheidenden Firmenchefs. Wenn es in der nächsten Generation mehrere Familienmitglieder gibt, muss
z. B. ein Ausgleich geschaffen werden. Oder der Unternehmer muss seine Altersvorsorge durch einen Verkauf des Unternehmens erst noch sichern, selbst wenn er aus dem Cash-flow nur schwer refinanziert werden kann.

Phase 3: Übergabefahrplan

Die Ziele und die bestehende Konstellation determinieren das weitere Vorgehen: die Übertragung des Eigentums und die Übertragung der Managementverantwortung im Nachfolgefahrplan. Dieser ist so individuell wie jedes mittelständische Unternehmen. Hier ist eine Unterstützung von Experten, die aus einem Fundus von Nachfolgefällen Lösungsszenarien heranziehen können, sinnvoll. Das Gesamtkonzept für die Unternehmensnachfolge muss steuerlichen und rechtlichen Überprüfungen standhalten. Es empfiehlt sich, den Generationswechsel ähnlich einer Investition durchzurechnen und auf Basis des Gesamtkonzepts einen Nachfolgefahrplan sowie ein Maßnahmenkatalog zu erstellen.

Phase 4: Umsetzung des Konzepts

Hier fängt die eigentliche Arbeit an: Denn erst in der Praxis wird es ernst, wenn der bisherige Unternehmenschef das Zepter aus der Hand geben muss. Ein Nachfolger erhält vielleicht nicht die notwendige Rückendeckung der Mitarbeiter, oder Familienmitglieder stellen sich in den Weg. In diesem Stadium der Unternehmensübergabe sind meist schon drei bis fünf Jahre vergangen – ein langer Atem und strukturierte Aufgaben erleichtern das Durchhalten bis zum erfolgreichen Abschluss. Das Controlling der einzelnen Schritte ist unverzichtbar.


Die Plattform www.nachfolge-in-deutschland.de bietet jede Menge Tipps

Online-Hilfe zur Betriebnachfolge geben die Tools und Instrumente aus dem Projekt »Innovativer Content zur Nachfolge (ICON)« des Instituts für Entrepreneurship, Mittelstand und Familienunternehmen der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin. Hier kann z. B. der Nachfolgefahrplan heruntergeladen werden, im Nachfolge-Wiki finden sich Informationen rund um die Nachfolge und mit dem KMU-Rechner kann der Wert eines Unternehmens berechnet werden. Alles anonym und kostenfrei, praxisnah und wissenschaftlich fundiert.

www.nachfolge-in-deutschland.de


Prof. Dr. Birgit Felden berät Unternehmen in strategischen und finanzwirtschaftlichen Themen sowie im Bereich Family Business Governance. Sie forscht seit fast 30 Jahren zu Familienunternehmen.

Aktuelles Heft

Titelbild dds - das magazin für möbel und ausbau 9
Aktuelle Ausgabe
09/2019

EINZELHEFT

ABO

MeistgelesenNeueste Artikel

dds-Zulieferforum

dds auf Facebook

dds auf YouTube

Im dds-Channel auf YouTube finden Sie:
– Videos zu Beiträgen aus dds
– Kollegen stellen sich vor
– Praxistipps-Videos
– Maschinen & Werkzeuge

Abonnieren Sie dds auf YouTube »