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»Da simmer dabei«

Marketing & Betriebsführung
»Da simmer dabei«

Handwerk, selbstständig, Innung – für den Kölner Obermeister Hans Krauß gehören diese Begriffe unverrückbar zusammen. Er schätzt das Sammelsurium ganz eigener Köpfe, die jedoch gemeinsam stark sein wollen.

Herr Krauß, welcher Typ passt in die Innung, welcher nicht?

Da passt jeder rein. Gerade unter den Tischlern gibt es die verrücktesten Paradiesvögel, ganz viele eigene Köpfe, ganz viele schräge Persönlichkeiten – trotzdem oder vielleicht gerade deswegen kommen wir alle gut miteinander zurecht. Uns verbindet ein Gemeinsinn und die Überzeugung, dass sich unsere Interessen gemeinsam besser durchsetzen lassen.
Kann und möchte die Kölner Schreinerinnung auch den Einzelkämpfer mit einem attraktiven Leistungskatalog gewinnen?
Lange, bevor es in den Verbänden angesagt war, vor vielleicht zwölf oder sogar 15 Jahren, haben wir uns bereits für die B-Betriebe geöffnet. Das hat zwar kaum ein Montagebetrieb für sich in Anspruch genommen, aber trotzdem ist jeder willkommen. In Köln haben wir 103 Innungsbetriebe aber gut 250 B-Betriebe. Wie viele nicht organisierte A-Betriebe es hier gibt, weiß ich nicht. Vor vielen Jahren hatten wir mal einen von der Kreishandwerkerschaft vermittelten Außendienstler eingestellt, um Mitglieder zu werben. Das hat aber nicht funktioniert.
Wünschen sich die Mitglieder mehr Gemeinsinn, also Stammtisch, Ausflüge, Betriebsbesichtigungen …, oder weniger?
Da haben wir für meinen Geschmack genau die richtige Mischung. Wir haben ein sehr aktives Innungsleben, die Veranstaltungen sind immer gerne und gut besucht. Nach Schluss der Versammlung sitzen noch viele ein, zwei Stündchen da und trinken ein, zwei Bierchen zusammen. Dann gibt es noch den kleineren Kreis. Früher hieß er der Kreis junger Meister und hat sich jetzt zum Tischlerkreis Köln umbenannt. Hier öffnet in unregelmäßigen Abständen etwa alle acht Wochen irgendein Innungsbetrieb seine Werkstatt für alle, für Innungsmitglieder und Nichtinnungsmitglieder, für Chefs, Mitarbeiter, Gesellen und Lehrlinge. Dabei geht es um interessante Fragen: Wie ist der Betrieb aufgestellt? Wie ist er organisiert? Gibt es technische Besonderheiten, eine Ausstellung oder eine außergewöhnliche Vermarktungsidee? Dazu gibt es ein kleines Kölsches Büfett* und einen von der Innung organisierten Fachbeitrag, etwa ein Vortrag von einem Lackhersteller. Daneben treffen sich weitere aktive Gruppierungen, beispielsweise eine Motorradgruppe. Außerdem haben wir noch unseren Karnevalsverein »Die fidelen Holzwürmer«, der mehrere Feste im Jahr organisiert. Wir hatten überlegt, dass Innungsleben noch stärker aufleben zu lassen, wie es mal früher war. Da gab es Programm für die ganze Familie: eine Innungssommerfahrt oder eine Innungsbootstour. Das findet jedoch heute keinen Anklang mehr, die Leute haben zu viel um die Ohren.
Tragen die Gruppierungen zur Verjüngung der Innung bei?
Ja, ich denke schon. Den demografischen Wandel nehmen wir schon seit vielen Jahren sowohl auf Verbands- als auch auf Innungsebene sehr ernst. Wir versuchen immer junge Leute aufzunehmen, was uns nicht immer leicht fällt. Seit vielleicht zehn oder zwölf Jahren haben wir jedoch ein ausgewogenes Verhältnis zwischen altersbedingt Ausgeschiedenen und jungen Neuzugängen. Jedes Jahr tauschen sich so etwa zwei Mitglieder aus.
Wie hoch liegt das Durchschnittsalter im Vorstand?
Das ist ein leidiges Thema. Vor anderthalb Jahren hatten wie Neuwahlen gehabt, da sind zwei Vorstände altershalber ausgeschieden, dafür sind zwei neue, junge gewählt worden. Einer ist unter 40, der andere Mitte bis Ende 40. Ich würde gerne langsam aber sicher zwei, drei weitere jüngere in den Vorstand bekommen. Die Jungen als Innungsmitglied zu gewinnen funktioniert gut, sie für den Vorstand zu gewinnen ist jedoch wahnsinnig schwer.
Seit wann sind Sie in der Innung?
Ich habe mich von 20 Jahren selbstständig gemacht, habe mein Gewerbe angemeldet, bin zur Handwerkskammer gegangen und einen Tag später zur Innung. Für mich war das ganz klar: Handwerk, selbstständig, Innung. Da habe ich gar nicht drüber nachgedacht. Zunächst war ich acht Jahre lang normales Mitglied und bin erst dann in den Vorstand eingetreten. Seit siebeneinhalb Jahren bin ich jetzt Obermeister. Meine Vorgänger, Rainer Söntgerath und Rudi Rook, haben das Amt jeweils zwölf Jahre lang ausgeübt.
Wie sieht die Rolle des Obermeisters aus?
Ich vergleiche diese Rolle gerne mit der eines Regierungspräsidenten, die vor allen Dingen auch repräsentativ ist. Ich habe eine Menge Befugnisse und muss auch viel entscheiden. Jede Entscheidung stimmt der Vorstand mit mir zusammen ab. Ob das sein muss, weiß ich gar nicht, wir machen es so. Genauso entscheide ich auch nichts ohne meinen Vorstand. Auch wenn beispielsweise eine Arbeitsgruppe etwas erarbeitet hat, entscheiden wir darüber gemeinsam, das ist ein ungeschriebenes Gesetz. Meine Aufgabe ist hier mehr das Repräsentative. Ich bin auch viel handwerkspolitisch unterwegs.
Was ist die wichtigste Aufgabe der Innung?
Vor allem müssen wir unsere Mitglieder mit den Informationen zeitnah versorgen, die wichtig sind für ihre Betriebsführung, seien es Tarifabschlüsse oder irgendwelche grundlegenden Gesetze, die zu beachten sind. Wir bekommen aus allen möglichen Richtungen Informationen, filtern das Wichtige heraus und geben es weiter.
Woran erkennt man denn eine gute Innung?
Das ist schwierig zu beantworten. Uns, den Kölnern, sagt man nach, dass wir eine interessante, aktive und gut besuchte Innung seien. Da ich bisher noch nichts anderes kennengelernt habe, fehlt mir der Vergleich. Wir profitieren hier von einem unglaublich aktiven Vorstand, in dem jeder sein Ressort hat und es auch ausfüllt. Das sind alles eigene Köpfe, ganz verschiedene Charaktere. Wir diskutieren sehr kontrovers. Manchmal wollen die Sitzungen auch nach vier Stunden nicht aufhören. Dennoch nehmen wir nichts auf die leichte Schulter und bemühen uns immer, besser zu sein.
Das Interview führte dds-Redakteur Georg Molinski

Die Kölner Tischlerinnung
Die Tischler-Innung Köln bietet ihren 103 Mitgliedern nicht nur eine Informations- und Austauschplattform sondern auch rechtliche und betriebliche Beratung. Auch tischlernahe Montagebetriebe sind willkommen. www.tischlerkoeln.org
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