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Arbeitgebermarke: Vorteile und Zukunftschancen kommunizieren

Vorteile und Zukunftschancen kommunizieren
Attraktiv als Arbeitgebermarke

Wie gelingt es, für neue und – ganz wichtig – für die bisherigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter attraktiv zu sein. Matthias Brack, Schreinermeister im Allgäu, befasst sich intensiv damit.

Matthias Brack, Schreinermeister,
Betriebswirt und Holztechniker

Hand auf´s Herz! Wer kann spontan fünf überzeugende Alleinstellungsmerkmale nennen, warum ein Schreinergeselle in ungekündigtem Arbeitsverhältnis seinen langjährigen und sicheren Job aufgeben und bei mir als neuem Arbeitgeber anfangen soll? Wer diese Frage spontan und ohne groß nachzudenken beantworten kann, der ist dem Thema Arbeitgebermarke schon sehr nahegekommen!

Jetzt kann man als Chef natürlich den Kopf hängen lassen und sagen, was soll ich noch alles machen, die täglichen Aufgaben wachsen mir eh schon über den Kopf und jetzt auch noch Arbeitgebermarke. Aber ich bin überzeugt davon, dass zukünftig mehr denn je die Verfügbarkeit der richtigen und guten Mitarbeiter einer der Wettbewerbsvorteile sein wird, wenn nicht sogar überlebenswichtig für den Betrieb. Gerade wenn der Chef mehr am als im Unternehmen arbeiten möchte, braucht er gute Leute. Wo es bisher vor allem die vollen Auftragsbücher waren, sind es heute die richtigen und überhaupt vorhandenen Mitarbeiter, die über den Erfolg und die Zukunftsaussichten eines Unternehmens entscheiden.

Es muss uns im Handwerk gelingen, dass wir die Vorteile gegenüber anderen Branchen, die Vorteile unseres Betriebes und die Zukunftschancen im Handwerk klar benennen und aktiv am Markt kommunizieren. Das Handwerk hat im Gegensatz zu vielen anderen Branchen einen Blumenstrauß an Vorteilen und Alleinstellungsmerkmalen, ganz besonders das Schreiner- und Tischlerhandwerk. Unser Marketingauftritt muss nicht nur für Kunden attraktiv sein, sondern auch für zukünftige Bewerber. Auch Mitarbeiter müssen sich von Ihrem »Traumunternehmen« magisch angezogen fühlen und wenn die eigenen Mitarbeiter nach außen tragen, wie dankbar und zufrieden sie im Schreinerhandwerk und in ihrem Betrieb sind, dann ist das die perfekte Grundlage für neue Talente und wechselwillige Kollegen.

Emotionales Storytelling

Aber wie schaffe ich das? Die »neue Währung« ist meiner Ansicht nach ganz klar Content, sprich Geschichten aus dem Unternehmen. Es reicht nicht mehr, übrigens auch genau wie in der Kundenwerbung, nur zu schreiben »Komm zu uns, wir sind die Besten«, sondern man muss Erfolgsgeschichten, Alltagssituationen, Teamevents etc. in kleine Storys packen und nach außen tragen, damit interessierte Facharbeiter und die Öffentlichkeit, die dem Unternehmen folgen, einen Eindruck bekommen und die Firma als attraktiven Arbeitgeber wahrnehmen. Einmal eine Anzeige schalten, wenn gerade Personal gesucht wird, ist leider schon lange nicht mehr ausreichend, sondern es gilt, ein dauerhaftes »Grundrauschen« zu erzeugen. Und gerade hier sind natürlich Kanäle wie Facebook, Instagram, TikTok oder YouTube ideal. Diese aber regelmäßig mit Content zu bespielen, braucht vor allem Zeit und gute Ideen.

Idealerweise binden Sie die Mitarbeiter selbst ein und machen diese zu Botschaftern Ihres Unternehmens und zu Botschaftern für neue Kolleginnen und Kollegen. Wer könnte besser und authentischer aus dem Unternehmen berichten als die Mitarbeiter, die tagtäglich im Unternehmen arbeiten. Hinzu kommt, dass gerade die jungen Mitarbeiter oft besser mit den Medien umgehen können und auch gerne bereit sind, diese vertrauensvolle Aufgabe zu übernehmen. Natürlich müssen Sie als Chef im Vorfeld die »Leitplanken«“ für solch einen Kanal festlegen, damit keine vertraulichen oder sogar negativen Beiträge im Netz landen. Aber viel falsch machen kann man nicht, wenn die Spielregeln klar sind. Nichts zu machen ist definitiv die schlechteste aller Alternativen.

Der Alltag ist die Herausforderung

Aber natürlich gehört zu einer Arbeitgebermarke nicht nur der Außenauftritt, sondern vor allem auch, dass das nach außen dargestellte Bild auch im Alltag gelebt wird. Das stellt m. E. die noch größere Herausforderung dar. Es bringt ja nichts, wenn ich einen neuen Mitarbeiter gewinne und er mit einem völlig falschen Bild vom Unternehmen bei diesem beginnt. Hier wird die Zusammenarbeit sicherlich nicht nachhaltig und langfristig sein, sondern sich ziemlich schnell Enttäuschung und Frust breitmachen. Insofern muss ich mir auch hier Gedanken dazu machen, wie ich das Arbeitsumfeld meines Unternehmens möglichst attraktiv gestalten kann. Dazu zählen genauso Selbstverständlichkeiten wie gute Bezahlung, eigene Ausrüstung und Werkzeug, Tankgutscheine, Getränke, Fahrtkostenerstattungen, Weiterbildung usw., aber vor allem auch ein gutes Team, Spaß bei der Arbeit, Eigenverantwortung, Entscheidungsfreiheit und das Gefühl, einen wichtigen Beitrag zur Mission des Unternehmens beizusteuern. Denn genau diese Punkte sind viel wichtiger, als den Mitarbeiter mit Goodies zu überschütten. Aber genau diese weichen Faktoren benötigen ein klares Werteverständnis, eine Unternehmensmission und Spielregeln im Umgang miteinander als Grundlage des unternehmerischen Handelns. Und hier kommen wir dann eben von der Pflicht zur Kür.

Aber genau dort setzt das Thema Arbeitgebermarke an. Es ist Ihre Aufgabe als Chef, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass jeder dort seinen Platz im Unternehmen findet, wo er seine Stärken einsetzen und somit sein Bestes geben kann. Das kommt natürlich nicht von heute auf morgen, sondern setzt ein innerbetriebliches Konzept aus Mitarbeitergesprächen, Zielvereinbarungen, Verbesserungsvorschlägen und Maßnahmenplänen zur Umsetzung voraus. Sie fördern mit der Arbeitgebermarke gleichzeitig den kontinuierlichen betrieblichen Verbesserungsprozess und somit auch die Zufriedenheit und den Erfolg im Unternehmen. Wie fast immer hängt alles mit allem zusammen.

Wichtig ist es, damit anzufangen und sich kontinuierlich weiterzuentwickeln, dann bin ich mir sicher, dass wir auch im Handwerk die passenden Mitarbeiter finden und das Handwerk auch in der öffentlichen Wahrnehmung den Stellenwert bekommt, den es schon lange verdient, sowohl in der Wahrnehmung wie auch im Geldbeutel.


»Nichts zu machen ist definitiv die schlechteste Alternative. Wer die Spielregeln kennt, kann mit überschaubarem Aufwand viel erreichen!«

Matthias Brack, Schreinermeister


Steckbrief

Schreinermeister Matthias Brack ist erfolgreicher Wintergartenbauer. Er engagiert sich in Innung, Landesverband und in unterschiedlichen Formaten an der Hochschule Kempten – damit das Handwerk zukunftsfähig aufgestellt ist.

Brack Wintergarten GmbH & Co. KG
Tannenweg 1
87452 Altusried
www.brack-wintergarten.de

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