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Wenn Möbel Kopf stehen

Ausbildung
Wenn Möbel Kopf stehen

Das Schreibplatz von Georg Scheuerer zeigt sportliche Qualitäten – doch wie ist es um den praktischen Nutzen bestellt?

Ursula Maier, Markgröningen, Maître Ébéniste, Innenarchitektin BDIA

Nussbaumrahmen mit sichtbaren Doppelzapfen bilden eine offene Skelettarchitektur, die mit weiß lackierten Flächen ergänzt wird; Platte und Korpus sind mit Nextel-Effektlack beschichtet. Unter dem Holzgestell ist ein Flachmetallrahmen mit Stellfüßen eingelassen, der auch zur Aussteifung dient. Das ist auch nötig, denn der kleine Korpus mit dem runden Schubkasten kann schwindelfrei turnen: Durch einen zwangsgeführten Aufschwung entsteht ein Steharbeitsplatz. Der Schubkasten richtet sich dabei durch einen drehbaren Metallkäfig so aus, dass die Öffnung immer oben bleibt – eine ausgeklügelte Spielerei mit Aha-Effekt. Trotzdem will mir das sportliche Objekt nicht wirklich praktisch erscheinen: Hinsichtlich der Verwendung »kurzfristige Schreibarbeiten im Stehen und im Sitzen« stellt der heruntergeklappte Korpus für sitzendes Arbeiten durch mangelnde Kniefreiheit ein Hindernis dar, das den Benutzer an das kurze Ende der Platte verbannt. Im Korpusfach abgelegte Dinge werden auf den Kopf gestellt.
Das Möbel hat gute Proportionen, aber Schwächen in der Statik – sonst hätten sich Füllungen im Fußbereich erübrigt. Die Glasflächen stören optisch, dazu praktisch durch nicht vorhandene Fußfreiheit. Sie verhindern auch, dass die Platte mit dem seitlich auskragenden Korpusteil mittig gelagert werden kann, um in jeder Position bündig mit dem Gestell abzuschließen.
Wäre der Rahmen durch weitere, ehrlich sichtbare Metallteile verstärkt worden, hätten sich die Glasplatten vielleicht erübrigt. Auch die Belastbarkeit der Arbeitsflächen mit den fein ausgetüftelten Beschlägen ist mir nicht ganz geheuer – insbesondere, wenn auf dem Aufsatz oder an der nach links überstehenden Platte gearbeitet wird. Der an sich witzige Entwurf scheint mir noch nicht ganz zu Ende gedacht zu sein.
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