Ausbildung

Projekt Rollende Küche

Schule hilft Schule: Ravensburger Meisterschüler entwarfen und bauten mobile Küchen für die Hauswirtschaftsklassen einer benachbarten Schule.

Jonathan Argast, Meisterschüler

Die Hauswirtschaftslehrerinnen der St.-Martinus-Schule in Ravensburg waren auf der Suche nach mobilen Küchen, die sich von einem Klassenzimmer ins andere schieben ließen. Zur gleichen Zeit hielten die Meisterschüler der Gewerblichen Schule Ravensburg Ausschau nach einer Chance, ihre Kenntnisse praktisch umzusetzen. So kam das Projekt „Rollende Küche“ zustande.
Eine Abordnung der angehenden Schreinermeister nahm alle Wünsche der Lehrerinnen auf. Die alten Einbauschränke sollten durch eine Kombination aus Schrank und Arbeitsplatte mit integriertem Kochfeld ersetzt werden. Es musste genügend Stauraum für Töpfe, Pfannen, Besteck u.a. zur Verfügung stehen. Die Höhe der Arbeitsplatten war auf das Alter der Schüler (6 bis 19 Jahre) abzustimmen, die Kochflächen gegen Verbrennung durch Berühren zu sichern.
18 Meisterschüler machten sich daran, nach diesen Vorgaben einen Küchenwagen mit Detailvorschlägen zu entwerfen, inklusive Vorkalkulation. Ihre Ergebnisse präsentierten sie dann den Lehrerinnen und Lehrern der St.-Martinus-Schule, und die hatten die Qual der Wahl . Das Rennen machten schließlich die drei Entwürfe Zitrone, Baldachin und Märchen.
• Zitrone. Das auffällige Gelb-Grün des Zitronendesigns will die Kinder spielerisch an das Kochen heranführen. Mit seinen automatischen Schubladenschnappverschlüssen, der kompletten Kochfeldabdeckung und einem Arbeitsplattensicherungsschloss wurde dieser Entwurf allerdings für die Erbauer zu einer echten Herausforderung.
• Baldachin erhielt seinen Namen von dem weit ausragenden Lichtbrett, das mit seinen Halogenlampen über der Küche zu schweben scheint. Baldachin ist eine raffinierte Lösung im Spannungsfeld zwischen modernen Materialien und handgezinkten Korpussen.
• Märchen. Grundform dieses Entwurfs ist ein Ausschnitt aus einem Ring, der sich durch Aufklappen auf das Doppelte vergrößert und dabei die Kochplatten freilegt. Dank moderner Gestaltung und einfacher Bedienung erfüllt er weitreichende Anforderungen.
Jetzt konnten die drei Teams endlich darangehen, ihre Ideen in der Werkstatt umzusetzen. An einer CNC-Fräsmaschine fertigten sie die Schablonen für die gebogenen Formen. Formverleimt wurde in einem Vakuumsack. Eine besondere Arbeit war das Handzinken von ca. 6 m Ahorn-Korpussen. Um die Berührungssicherheit zu gewährleisten, wurden Induktionskochfelder eingebaut. Dank intensiver Teamarbeit und wertvoller Tipps der Werkstattlehrer waren die mobilen Küchen in vier Tagen fertig gestellt. Am 3. März 2005 übergaben die drei Teams ihre Erzeugnisse an den Auftraggeber. Die Kinder schoben die rollenden Küchen begeistert in ihre Klassenzimmer, um sie auszuprobieren.
Mit dem Projekt Rollende Küche lösten zwei Schulen gegenseitig ein Problem. Schulleiter Richard Schick (Gewerbliche Schule Ravensburg) brachte es auf den Punkt: „Schule hilft Schule“.

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