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Neue Aufgaben

Ausbildung
Neue Aufgaben

Bernd Joachim und Sebastian Hüwel entwickelten in ihrer Examensarbeit für das Lehramt an berufsbildenden Schulen Beispiele zur Umsetzung der neuen Ausbildungsverordnung in der betrieblichen Praxis.

Dipl.-Berufspädagogen Bernd Joachim und Sebastian Hüwel. Betreuung: Dipl.-Berufspädagoge Johannes Wolff

Angesichts des schon oft zitierten tiefgreifenden Strukturwandels gilt es, im Wettbewerb mit den Industrie- und B-Betrieben die klassischen Stärken des Tischler- und Schreinerhandwerks durch Intensivierung der Kundenorientierung, zeitgerechte Fertigung, Dienstleistungen und guten Service weiter auszubauen. Mehr denn je werden hierbei die Mitarbeiter zum Aushängeschild eines Betriebes. Das Verhalten bei Kunden, ein sicheres Auftreten, das Erfassen und zielstrebige Umsetzen der Kundenanforderungen sowie die Bereitschaft und Fähigkeit, ständig zu lernen, sind heute wichtige Bestandteile der beruflichen Kompetenz.
Die neue Ausbildungsverordnung für Tischler nimmt u. a. genau diese Anforderungen auf. Leitbild in der Ausbildung ist damit ein in hohem Maße selbständig arbeitender Geselle, der fachlich das nötige Rüstzeug besitzt und im Kundenkontakt handlungsfähig und kompetent ist. Dies hat für die Ausbildung methodische Konsequenzen.
Für die Vermittlung der notwendigen Handlungskompetenz sind in der betrieblichen Ausbildung grundsätzlich verschiedene Ausbildungsmethoden geeignet, welche aber die Spielräume und Möglichkeiten der beruflichen Praxis nicht überschreiten dürfen. Daher werden die etablierten Ausbildungsstrategien nicht grundsätzlich in Frage gestellt. Sie müssen ergänzt und für die Vermittlung von beruflicher Handlungskompetenz zugeschnitten werden.
Eine bewährte Methode
Die Vier-Stufen-Methode ist schon seit langem fester Bestandteil der beruflichen Ausbildung. Grundsätzlich basiert sie auf der traditionell im Handwerk praktizierten Ausbildungsweise des Vor- und Nachmachens. Dieses bewährte Prinzip hat selbstverständlich weiterhin seine Berechtigung. Wie auch sonst ist es möglich, die wichtigen Erfahrungen des Ausbilders gezielt weiterzugeben.
Die Vier-Stufen-Methode ist besonders geeignet, motorische Fähigkeiten innerhalb kürzester Zeit zielgerichtet zu vermitteln bzw. zu erlernen. Der Ausbilder verfügt über ausgeprägtes Vorwissen und Routine, die dem Auszubildenden langes Suchen nach dem richtigen Vorgehen und damit einhergehende Frustration, Verletzungen oder misslungene Arbeitsergebnisse ersparen.
Selbstständig lernen
Durch Vormachen, Nachmachen und Üben handelt der Auszubildende zwar phasenweise selbstständig, hat aber wenige Möglichkeiten, eigenständige Handlungs- und Lösungsstrategien zu entwickeln. Die berufliche Handlungsfähigkeit verlangt aber, dass der Auszubildende in der Lage ist, in seinem durch den Strukturwandel geprägten beruflichen Alltag nicht nur Arbeitsgänge zu wiederholen, sondern diese auch in kürzester Zeit neuen und komplizierteren Situationen anzupassen.
Das heißt, dass bewährte Methoden zwar weiterhin berücksichtigt und verwendet werden können, weiterführende handlungsbezogene Ausbildungsmethoden aber im Mittelpunkt der Ausbildung stehen müssen. Nur so können die Anforderungen der Zukunft erfüllt werden. Es gilt: So viel Selbstständigkeit wie möglich, so viel Lenkung wie nötig.
Nicht selten bietet sich in der betrieblichen Ausbildung die Möglichkeit, dem Auszubildenden einen zusammenhängenden Arbeitsauftrag zu übertragen. Zwar müssen – wohl mehr als bei anderen Lehrstrategien – Vorwissen und die Fähigkeiten des Auszubildenden berücksichtigt werden. Allerdings wird sich hier ein erheblicher Zugewinn an wichtigen Qualifikationen wie z. B. der Planungssicherheit, Teamfähigkeit, Professionalität im Umgang mit Kunden, aber auch ein höheres Maß an Motivation und Loyalität einstellen. Ohne Innovationen in der Ausbildung dürften Fachkräfte mit genau diesen wichtigen Eigenschaften in Zukunft auf dem Arbeitsmarkt knapp werden.
Praxisnah umsetzen
Selbstständiges Handeln und Lernen in der Ausbildung ist nur so lange realistisch, wie der Auszubildende nicht in Gefahr gerät und die Standards in Fertigung und Dienstleistung gewährleistet sind. In diesem Rahmen müssen die Unterweisungsmethoden miteinander verknüpft und je nach Ausbildungssituation und Fähigkeiten des Auszubildenden angepasst werden. So können die Stärken der Ausbildungsmethoden genutzt und Auszubildende erfolgreich für Zukunftsaufgaben qualifiziert werden.
Die wünschenswerte vollständig selbstständige Handlung (Grafik: Methode III) könnte so z. B. bei wichtigen Entscheidungen oder neuen, gefährlichen Arbeiten durch eine Unterweisung in vier Stufen unterbrochen werden. Diese gezielte Verknüpfung verschiedener Ausbildungsmethoden kommt den Umständen der betrieblichen Wirklichkeit und der »alltäglichen« Ausbildungspraxis sehr nahe. Damit kann ein optimaler Lernfortschritt und eine relative Zeitersparnis, gemessen am Aufwand des Ausbilders, erzielt werden.
Gegenwärtig haben Tischlereibetriebe viele Probleme und Aufgaben zu bewältigen, so dass die Nachwuchsqualifizierung nicht immer im Fokus des Handelns eines Unternehmers stehen kann. Allerdings darf ihre essentielle Wichtigkeit und ihre Qualität nicht außer Acht gelassen werden, um nicht an den Aufgaben der Zukunft zu scheitern. Vielmehr kann die Nachwuchsausbildung eine Chance bieten und auch als solche genutzt werden. Der Weg vom Auszubildenden zum Profi wird somit zur lohnenden Investition in die Zukunft eines erfolgreichen Betriebes.

Kontakt:
Leibniz Universität Hannover
Institut für Berufswissenschaften im Bauwesen (IBW)
Dipl.-Berufspäd. Johannes Wolff
30419 Hannover
Tel.: (0511) 762-19471 Fax: (0511) 762-3196
Das Institut für Berufswissenschaften im Bauwesen (IBW) gehört zur Fakultät für Architektur und Landschaft. Es ist zuständig für die fachwissenschaftliche und fachdidaktische Ausbildung in den Studiengängen Lehramt an berufsbildenden Schulen und Bachelor of Science in Technical Education.
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