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Tischler und Schreiner tagen online

Bundesverband TSD tagt und vertagt
Tischler und Schreiner trafen sich im Dezember online

Heiße Themen und viele Dauerbrenner wurden von den Delegierten der Tischler- udn Schreinerverbände am Bildschirm angeschnitten. Entscheidungen sollen später in Präsenzform folgen.

Aufgrund der stark gestiegenen Covid-19-Fallzahlen in Deutschland hat das TSD-Präsidium (Tischler Schreiner Deutschland) zehn Tage vor Beginn beschlossen, die in Präsenzform geplante Mitgliederversammlung kurzfristig und verkürzt am 26.11.2021 online stattfinden zu lassen. Mit 41 Stimmen war die Versammlung beschlussfähig.

Nach Thomas Radermachers Blick auf die allgemeine wirtschaftliche und politische Lage mit neuer Koalition in Berlin resümiert der TSD-Präsident: »Die Reform der Sozialsysteme ist wieder nicht geplant, aber dringend überfällig.« Und Hauptgeschäftsführer Martin Paukner ergänzt: »Der Koalitionsvertrag entfaltet unterm Strich noch nicht die erhoffte Aufbruchstimmung, signalisiert aber die positiven Absichten. Im Prinzip geht die Arbeit jetzt erst richtig los.«

Richtig los geht die Arbeit auch für die Mitglieder, die sich hauptberuflich oder ehrenamtlich in den verschiedenen TSD-Gremien engagieren. So standen viele Fachthemen im Mittelpunkt der Berichte, Vorträge und Diskussionen.

Ist die Tischler-Ausbildung zukunftssicher?

Viel Raum wurde Ausbildungsthemen gegeben: »Das Handwerk als Fachkräfteschmiede stärker zu fördern, ist alternativlos«, postulierte Thomas Radermacher. Zur konkreten Umsetzung gibt es Ideen in vielfältige Richtungen. Wird der Montageschreiner/-tischler als Ausbildungsgang gebraucht, wie es einzelne Akteure schon seit über zehn Jahren fordern, und wozu sich immer mehr Fürsprecher einfinden – oder schwächt gerade dies den klassischen, vielfältigen Ausbildungsberuf, wie es Dr. Christian Wenzler vom Fachverband Schreinerhandwerk Bayern befürchtet. Er forderte: »Der Schreiner darf nicht zum Erfüllungsgehilfen der Industrie werden – dann werden uns branchenfremde Montagetrupps überrennen. Ein Schreiner muss in der Lage sein, selbst zu produzieren!« Jürgen Heller und Arne Bretschneider erläuterten ein Diskussionsergebnis des Bundes- und Arbeitsausschusses zur Erstausbildung. Sie berichteten von einem Realitäts-Check der Ausbildungsordnung, in der sich Fensterbaubetriebe zuletzt nicht genügend repräsentiert sahen. Umfangreiche Analysen im Rahmen einer Masterarbeit bestätigten dies nicht, sodass es für diese Spezialisierung keinen weiteren Ausbildungszweig braucht.

Kritische Themen erst in Präsenzform

Unbestritten gibt es im Tischlerhandwerk insgesamt einen höheren Automatisierungsgrad, aber handwerkliche Kenntnisse sind für Einzel- und Sonderfertigungen weiterhin relevant. Die Diskussion wird im Frühjahr zur Strategietagung fortgesetzt. Ebenso vertagten die Deligierten der Tischle rund Schreiner die bundesweite Einführung einer App als digitales Berichtsheft, wie es teilweise schon gelebte Praxis ist. Widersprüchliche Reaktionen rief ein Vorschlag von Claudia Klemm aus Niedersachsen hervor, die sich für die Aufnahme von Regelungen zum Gendern in der Neufassung des TSD-Styleguides aussprach.

Asbest beim Arbeiten im Bestand

Bei Arbeiten im Bestand ergeben sich immer wieder Kontakte zu dem gesundheitsgefährdenden Baustoff Asbest. Über 3000 (!) verschiedene Bauprodukte sind inzwischen bekannt, in denen Asbestfasern enthalten sein können. Dazu zählen Parkett- und Fliesenkleber, Putze und Spachtelmassen, alte Eternit-Fassaden und -Dächer oder Kit, in denen die Fasern zwar vergleichsweise gut gebunden sind, beim Bohren, Schleifen oder Demontieren dennoch in erheblichen Mengen freigesetzt werden. Noch gefährlicher sind schwach gebundene Fasern, wie sie in Spritzasbest oder in textilen Dichtungsschnüren und ähnlichen Produkten immer noch zu finden sind. Betroffen sein können grundsätzlich alle Gebäude in Deutschland, die bis zum Inkrafttreten des Verarbeitungsverbotes am 31. Oktober 1993 errichtet, umgebaut oder modernisiert worden sind.

Dem Tischler/Schreiner vor Ort fehlen aber oftmals die Kenntnis für ein adäquates Vorgehen, wenn er auf solche Baustoffe stößt. Damit gefährden sie nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Kundschaft. Die Organe der Handwerker haben diese Problematik erkannt und mit einem neuen Leitfaden erste Empfehlungen erarbeitet. Auch wenn die bei der Berufsgenossenschaft erhältliche Broschüre «Branchenlösung – Asbest beim Bauen im Bestand: Handlungshilfe für Tätigkeiten an asbesthaltigen Putzen, Spachtelmassen und Fliesenklebern» zunächst nicht die typischen Arbeiten des holzverarbeitenden Handwerks im Fokus hat, so bietet sie doch wertvolle, grundsätzliche Informationen und rechtssichere Vorgehensweisen. TSD ist mit im Team der Herausgeber und kümmert sich nun verstärkt um weitere Ergänzungen. Priorisiert wird nun ein Regelwerk für den Fenstertausch bearbeitet.

Die für 2021 geplanten Neuwahlen werden bis zur nächsten Mitgliederversammlung am 24. und 25. Juni 2022 verschoben, in der Hoffnung, diese dann in Präsenzform durchführen zu können.


Ausblick

Asbest bei Tischler- / Schreinerarbeiten – dieses brisante Thema macht dds zum Titel einer neuen Serie, die im Februar 2022 startet.

Unter dem Top-Thema Staubklasse M finden Sie Beiträge zum staubarmen Arbeiten – was aber für Asbest nicht ausreichend ist.

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