Meisterstück Geschirrschrank von Florian Pechtl

Zeichenhafter Blickfang

Ein den Korpus scheinbar schneidendes Stahlgestell, der flächige Farb- und Materialkontrast sowie eine unkonventionelle Erschließung des Stauraums verleihen dem asymmetrisch aufgebauten Geschirrschrank von Florian Pechtl seine einprägsame Gestalt.

Ein geschwärztes Flachstahlgestell teilt den außen in Tanne furnierten, innen mit türkisfarbenem Linoleum beschichteten Korpus in zwei einseitig um 70° abgeschrägte, konstruktiv eigenständige Quader. Diese Teilung bedingt die unkonventionelle, vielfältig nutzbare Aufteilung des Stauraums: Frontale Fächer und Schubkästen haben die volle Korpustiefe von 358 mm. Sie nehmen links des Gestells in der Breite von oben nach unten ab, rechts davon bilden sie ein schmales Parallelogramm. Die stirnseitigen Fächer rechts zeigen eine von oben nach unten zunehmende Tiefe bei gleichbleibender Breite. Die türkise, flächige Linoleumauskleidung des Innenraumes ist nicht nur zweckdienlich für die Aufbewahrung verschiedener Geschirrteile, sie ist auch im Kontrast zur schlichten, weißlich-hellen Oberfläche der Tanne gut gewählt.

Unkonventionell ist der Stauraum über Drehtüren und eine Schiebetüre erschlossen. Das Platzangebot hinter der letztgenannten sowie in den unterflur auf Holzkulissen geführten Schubkästen ist aufgrund der Dimensionierung reduziert und nur eingeschränkt nutzbar. Die linke Drehtür hat oben, der Schräge des Gestells folgend, eine beachtliche Ausladung! Beide Fronten sind allseits leicht überstehend abgefast als Griffe nutzbar. Ihr Furnierverlauf orientiert sich an der jeweiligen Richtung des Anschlags vertikal oder horizontal und gibt mit diesem Gestaltungsmerkmal einen subtilen, benutzerfreundlichen Hinweis auf den Öffnungsweg. Der Wechsel der Furnierrichtung wird aber ebenso bestimmt durch die Gestaltung der Verbindung von Korpus und Stahlgestell: Die rechte Hälfte des Korpus sattelt auf dem gekröpften Gestell auf, während die linke Hälfte eigentlich an dessen schiefer Ebene abrutschen müsste – wäre sie dort nicht lösbar über verdeckt montierte Bettbeschläge und Schrauben in Rampa-Muffen eingehängt.

Florian Pechtl stellt ein spannungsreiches Möbel in unprätentiöser Zeichenhaftigkeit vor, die kleinere funktionale Kompromisse rechtfertigen kann.

Frontalschnitt: Das Gestell verbindet zwei eigenständige Korpushälften
Frontalschnitt: Schmale, unterflur auf Holzkulissen geführte Schubkästen hinter der Schiebetür
Vertikalschnitt: Schiebetürführung mit Accuride Teleskopschienen

Eckhard Heyelmann, Garmisch-Partenkirchen, Innenarchitekt und Dipl.-Designer. Von 1990
bis 2001 hat er als Leiter der Schulen für Holz und Gestaltung in Garmisch-Partenkirchen auch die Entwicklung der Meisterstücke betreut.