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Schreibtisch von Stefan Berndlmaier als Meisterstück: Wie aus der Zeit gefallen

Meisterstück: Schreibtisch von Stefan Berndlmaier
Wie aus der Zeit gefallen

Stefan Berndlmaier ist es gelungen, einen fast vergessenen Schreibtischtypus neu zu beleben und die charakteristische Zweiteilung funktional in die Gegenwart zu transformieren.

Dieser Schreibtisch wirkt im 21. Jahrhundert wie aus der Zeit gefallen – gleichwohl zeichnen ihn seine außergewöhnliche Haltung und Gestaltungssprache in besonderer Weise aus: kein leichtfüßiges Ensemble mit mobilem Schubladencontainer! Auf der rechten Seite steht hier massiv und bodenständig der Schubladenkorpus in Plattenbauweise. Gekonnt verjüngt die Trapezform den Block nach unten, was die Wuchtigkeit des Volumens mildert. Daneben eine leichte Rahmenstruktur mit aufliegender Platte. Die vollflächig mit Linoleum belegte Schreiboberfläche unterstreicht die Zweiteilung, die Komponenten sind getrennt und doch vereint. Man fühlt sich erinnert an Schreibmaschinenarbeitsplätze, wie sie in Büros bis in die 1960er-Jahre hinein verbreitet waren.

Stefan Berndlmaier verfeinert diesen Typus mit zeitgemäßen Ergänzungen: Vollauszüge optimieren den Zugriff auf die Schubkästen, ein Tablarauszug ist für das Arbeiten am Laptop ausgelegt. Anschlüsse und Kabel sind unsichtbar. Die Schreibtischplatte ist optisch und funktional zweigeteilt: Der mit Linoleum belegte Teil ist um 150 mm nach vorn verschiebbar und gibt im hinteren Bereich eine Stiftablage frei. Er ist auf Accuride-Auszügen geführt und durch eine Magnetwippe gesichert. Kugelschnäpper fixieren die Position. Der rechte Teil ist furniert und als Klappe angeschlagen. Darunter ist Platz für den Laptop. Steckdosen und USB-Charger sind abgeteilt.

Das horizontale Furnierbild, auf Gehrung gefügte Kanten und die furnierte, sich nach oben öffnende Klappe unterstreichen die blockhafte Anmutung des Schubkastenkorpus. Auch die Schubkästen sind dem Konstruktionsgedanken folgend auf Gehrung mit Fremdfedern ausgeführt. Aus der Reihe tanzt hinter dem hohen Doppel des untersten Schubkastens ein niedriger, halbverdeckt gezinkter und auf Nutleisten geführter Auszug – die Handwerklichkeit des Möbels mit der feinen Holzauswahl und den konstruktiven Details spricht auch ohne diese Referenz für sich!


Prof. Peter Litzelbauer, Architekt, Innenarchitekt und Tischlermeister, hat bis Sommer 2017 Grundlagen des Konstruierens/Raum, Möbel, Material an der Staatl. Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart gelehrt.

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