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Wege zur guten Form - dds – Das Magazin für Möbel und Ausbau

Meisterstücke
Wege zur guten Form

Viele Auszubildende des Tischler- und Schreinerhandwerks sind auf sich allein gestellt, wenn es daran geht, ein Gesellenstück zu entwerfen. In der Innung Fulda begleitet Masin Idriss, Tischler und Möbeldesigner, die oftmals ersten eigenen Schritte auf dem Weg zur Gestaltungskompetenz. Er erinnert sich, wie es dazu kam.

Die sogenannte »Gute Form« ist in der formalen Beurteilung von Gesellenstücken ein Begriff. Der gleichnamige, auf Innungs-, Landes- und Bundesebene ausgetragene Wettbewerb soll Auszubildende im Tischler- und Schreinerhandwerk dazu anregen, sich intensiv mit der zeitgemäßen Gestaltung ihres Gesellenstücks zu befassen. Dabei brauchen sie in der Regel Hilfestellung, die aber nur in den wenigsten Betrieben gegeben wird. In der Tischlerinnung Fulda hat man früh auf dieses Problem reagiert. Seit dem Jahr 2002 findet hier ein Gestaltungskurs für Auszubildende statt. Federführend war der damalige Obermeister Norbert Jehn, der erkannt hat, dass Anforderungen der Kunden nach guter Gestaltung in zunehmender Weise das Berufsbild des Tischlers und Schreiners bestimmen werden. Dieser Entwicklung muss eine verantwortungsvolle Ausbildung Rechnung tragen: »Die betriebliche und schulische Ausbildung kann die gestalterischen Grundlagen aus zeitlichen und anderen Gründen meist nicht vermitteln, also müssen wir uns das entsprechende Bildungsangebot von außen holen«, so Jehn. Auf dieser Erkenntnis gründet sich meine Arbeit in der Tischlerinnung Fulda.

Aus eigener Erfahrung konnte ich bestätigen, wie nachhaltig sich gerade beim Entwurf des Gesellenstücks eine professionelle Betreuung auswirken kann. In drei Jahren Lehrzeit hatte ich gelernt, fachgerecht zu konstruieren, doch die gestalterische Ausbildung war bis auf zwei Stunden Stilkunde komplett auf der Strecke geblieben. Das Thema Gestaltung gab es einfach nicht. Von uns Auszubildenden wurde aber gleichzeitig im Entwurf der Gesellenstücke eine gute Gestaltung erwartet. Ein Widerspruch in sich!
Gestaltung braucht Vorbilder
Dass mich der Innenarchitekt meines damaligen Ausbildungsbetriebes in dem Entwurf meines Gesellenstücks betreut hat, war für mich Glück und Wegweiser zugleich. Was ich in den fünf Terminen Möbelgestaltung gelernt habe, erschien mir damals wie eine Lehre in der Lehre. Die Eindrücke wirkten so nachhaltig, dass ich selbst Möbeldesign studierte.
Aus der Initiative von Norbert Jehn und meiner Erfahrung als ehemaligem Auszubildenden und späteren Designer entstand das Konzept eines vierteiligen Gestaltungskurses, in dem Teilnehmer in der Entwicklung der Gesellenstücke professionell betreut werden. Um das zu gewährleisten, hat jede Gruppe in der Regel nicht mehr als sechs Teilnehmer. So bin ich in Fulda seit acht Jahren selbst zum »Innenarchitekten« geworden, der die Entwurfsbetreuung übernimmt. In Zusammenarbeit mit dem heutigen Obermeister Eugen Schramm und den beiden Berufsschullehrern Küster und Guthmann haben wir bisher nahezu 100 Auszubildenden im Tischlerhandwerk Möbelentwurf und Gestaltung näher- gebracht. Der Kurs hat sich zur festen Größe in der Ausbildung etabliert.Die Auszubildenden kommen jedes Jahr mit hohen Erwartungen. Und sie erkennen schnell, dass sie über die Betreuung des Entwurfsprozesses zum Gesellenstück hinaus Wesentliches für ihr Berufsleben mitnehmen. Masin Idriss
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