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»Spiegel der Seele«

Meisterstück Barschrank
»Spiegel der Seele«

Wenn seine Interpretation auch etwas überhöht erscheint – der Barschrank von Leon Strosche ist ein handwerklich hervorragend gearbeiteter Eyecatcher mit verblüffender Wirkung!

Ausdrucksstark steht dieses originelle Möbel mit seiner als Gesicht stilisierten Front im Raum. Es leuchtet in verschiedenen Farben und könnte auf den ersten Blick als Spielzeug konzipiert sein! Bei näherer Betrachtung und nach der Lektüre der Beschreibung des Meisterstücks entpuppt es sich als Barschrank, der neben der Lebensfreude des Gestalters auf zwei Motive zurückgeht: Afrikanische Masken im Kontext indigener Trinkzeremonien und eine Anlehnung des Möbeldesigns an das Bauhaus. Das Möbelgesicht wird von einem filigranen Gerüst getragen – sinnbildlich schafft der Meister einen Bezug zur Zerbrechlichkeit des Lebens und weist im Kontext des Barschranks auf Laster und Gelüste hin, die oft maskiert auftreten.

Der Schrank besteht aus fein gestreifter Tanne und in Tanne furnierter Stäbchenplatte. Die linke Tür und Durchbrüche der rechten Tür bestehen aus ESG, das mit Farbfolie belegt ist. Durch Intarsien am rechten Ohr und dem durch Querfurnier gezeichneten Mund verstärkt sich der Eindruck des Gesichts. Die Nase wird modelliert durch eine feine Kurvenlinie mittig der beiden Türen. Unterhalb des Glasbodens ist im Halsbereich eine Fliege angedeutet. Geöffnet stehen die Türen im rechten Winkel zum Schrank. Die im unteren Bereich nach außen gestellten Füße erhöhen die Standfestigkeit ebenso wie das doppelte Material für die Blenden der indirekten Beleuchtung auf der Rückwand. Die Holzverbindungen an Gestell und Schubladen sind traditionell gearbeitet und liebevoll ausgeführt, insbesondere die quadratischen Griffe, die in einer Mulde versenkt greifbar sind.

Geschlossen ist der Schrank ein Lichtobjekt mit Variationen: Der verschiebbare blaue Spiegel wird zwischen den Fachböden in Nuten geführt. Als Auge verstanden, erscheint er durch die Glastür betrachtet als voller Kreis. Die indirekte Beleuchtung wird durch einen Bewegungsmelder im Raum gesteuert.


Ursula Maier, Stuttgart, Maître Ébéniste und
Innenarchitektin BDIA. Die Unternehmerin hat
ihren Betrieb um ein Einrichtungshaus sowie ein Büro für Innenarchitektur erweitert und 2007
an die vierte Generation übergeben.

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