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Skizze einer Idee - dds – Das Magazin für Möbel und Ausbau

Meisterstücke
Skizze einer Idee

Holger Wiechert hat mit seinem Meisterstück einen Ort geschaffen, der seine Kreativität beflügelt. In einem begleitenden Text beantwortet er die Frage, warum ein Möbel wie dieses auf dem Papier und nicht am Bildschirm geboren wird.

Holger Wiechert, Schulen für Holz und Gestaltung Garmisch-Partenkirchen

Der Computer spielt in unserem Beruf schon lange die zentrale Rolle bei der Bearbeitung von Kundenaufträgen und Projekten. Vieles ist standardisiert und genormt, somit geht die Individualität des Einzelnen häufig verloren. In der fortlaufenden Entwicklung eines Entwurfs ist ein Zeichenprogramm sicherlich unentbehrlich geworden – die persönliche Handschrift, die ein Produkt tragen sollte, entsteht aber schon viel früher. Der erste Schritt hin zu einem guten Entwurf geht immer über eine Skizze: Ideen und Gedanken werden aufgefangen und zu Papier ge-bracht. Mein Möbelstück soll mir einen Rückzugsort bieten, um meiner Kreativität freien Lauf zu lassen. Sich intensiv die Zeit dafür zu nehmen, ist nicht mehr selbstverständlich – dabei sind genau solche Entwürfe beispielhaft für die Kreativität unseres Handwerks und ein Indiz für Qualität und Können.
Klassische Elemente verbinden sich bei diesem Möbelstück mit klaren Linien und modernen Formen, so etwa bei den stark ausgestellten, sich verjüngenden Beinen. Durch den starken Kontrast der schlichten, hellen Esche zum Linoleum in Anthrazit entsteht hohe Lebendigkeit und Spannung. Einen Akzent setzen die ebenfalls dunklen Stahlstreben an den Beinen. So entsteht ein formbetontes und filigranes Möbelstück. Bei meinem Meisterstück handelt es sich um einen Schreib- und Zeichentisch in geöltem Eschenholz. Die Arbeitsfläche mit ihren seitlichen Abkantungen besteht aus MDF mit profilierten Massivholzkanten und Linoleum als Deckfläche.
Im Gestell sind an den Innenseiten der gekröpften Füße Verstärkungen aus 6 mm Edelstahl eingenutet. Der Tisch ist 760 mm hoch. Der Arbeitsbereich bietet mit 1500 mm Länge und 750 mm Tiefe ausreichend Platz zur Entfaltung. Die Tischplatte ist als Haube ausgebildet, die sich zu beiden Seiten verschieben lässt. So wird ein Teil des Innenraums freigegeben. Ein weiteres Ziehen am klassisch geführten Schubkasten öffnet das großzügige Papierfach.
Die Führungsschienen der Haube sind in der Grundplatte aus 19 mm Multiplex eingelassen und führen die Tischplatte über speziell angefertigte Eisenwinkel. Dieser Mechanismus ermöglicht dem Nutzer einen schnellen Zugriff auf den vorderen Bereich der Lade, in dem Stifte und Lineale aufbewahrt werden. Um den Umgang mit den Zeichenutensilien zu vereinfachen, können drei flache Tabletts herausgenommen werden. In der Lade sind sie verschiebbar in zwei Ebenen angeordnet, so ist der Zugriff auch im Korpus gewährleistet.
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