Meisterstück von Christoph Kaiser: Geschirrschrank in Räuchereiche und Kirschbaum

Sakraler Ausdruck

Der Geschirrschrank in Kirschbaum und Räuchereiche von Christoph Kaiser ist von einer ausdrucksstarken Schlichtheit, die an japanische Vorbilder erinnert.

Wie ein japanischer Schrein thront der Korpus auf dem 500 mm hohen, gespreizten Gestell in massiver Räuchereiche. Mehrfach trapezförmig nach vorne und zur Seite ist das Gestell so konstruiert, dass es den aufliegenden Korpus trägt und dennoch grazil erscheint. Sichtbare Zinken und Gratungen prägen den teilmassiven Brettbau. Das Furnier könnte eine Waldkirsche sein, es ist gerade gestreift mit leichtem Grünstich und gestürzt zusammengesetzt mit feinen Kernholzstreifen. Räuchereiche ist als Kontrastholz sehr gut gewählt, sie wirkt nicht so hart wie schwarz gebeizte oder schwarz lackierte Hölzer, die häufiger zum Einsatz kommen. Der Korpus wirkt durch den Flächenanteil der Koffertüren weniger tief, als er mit 520 mm angegeben ist. Durch den Abstand der Türen von 25 mm ist kein Griff erforderlich, als Schattenfuge ausgebildet, gliedert er die horizontal von Ober- und Unterboden eingefasste Front in der Vertikalen.

Die Koffertüren öffnen sich um 180° und geben Raum für hängende und stehende Gläser. Ohnehin scheint die schöne Innenaufteilung mit ungefähr sechs gleichen Stauräumen mit Breite von 380 mm, Tiefe 350 mm und Höhe von etwa 350 mm sowie dem niederen Fach von 230 mm links der Schubladen eher für einen Barschrank als für Geschirr geplant: Nur Platzteller passen in ein Fach, Essteller, Suppenteller und weitere Teller können gar nicht nebeneinander gestellt werden, weil die Mittelseite im Weg steht. Zwölf Teller benötigen übereinander gestellt nicht mehr als 250 mm Höhe, Tassen und Untertassen noch weniger. Ein besonderer Schmuck sind die Schubkästen mit ihren sichtbaren Holzkulissen aus Räuchereiche und einer in Kirschbaum abgesetzten Mittelleiste. Als Stoppvorrichtung und Mitnehmer dienen beidseitig Madenschrauben, die an einen in die Auszüge gefrästen Holzzapfen anschlagen. Eine Magnetwippe unter dem mit schwarzem Velourleder belegten Schubkastenboden dient als Schloss. Ein wunderschönes Möbel in aparter Holzauswahl!

Frontalschnitt: Offene Zinkung und Gratverbindungen sind das Konstruktionsprinzip des Korpus im Brettbau
Vertikalschnitt: Koffertüren erschließen den Stauraum in zwei Ebenen

Ursula Maier, Stuttgart, Maître Ébéniste und Innenarchitektin BDIA. Die Unternehmerin hat ihren Betrieb um ein Einrichtungshaus sowie ein Büro für Innenarchitektur erweitert und 2007 an die vierte Generation übergeben.