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Platz gibt es nie genug

Meisterstücke
Platz gibt es nie genug

Der Nähtisch von Christian Eulitz gibt sich durch formale und funktionale Zitate sofort als solcher zu erkennen. Ursula Maier hat sich mit dem Meisterstück besonders im Hinblick auf das Thema Stauraum auseinander gesetzt.

Ursula Maier, Markgröningen, Maître Ébéniste, Innenarchitektin BDIA

Jedes Mal bin ich gespannt, was mir die Redaktion für ein Möbel zur Besprechung senden wird. Beim Öffnen des Briefes habe ich das Meisterstück von Christian Eulitz sofort als Nähtisch identifizieren können, selbst das helle Grün des Linoleums führt mich in die Nähstunden in der Schule zurück! Gelungen ist die geschwungene Front, die an den Ausleger der Nähmaschine erinnert. Dahinter ist Platz für Fächer in verschiedener Höhe. Übersichtlich alles zu verstauen ist die halbe Arbeit – als begeisterte Hobbyschneiderin habe ich mir immer so einen Tisch gewünscht!
Die ausgestellten Füße, Reminiszenz an die 1960er-Jahre, versprechen eine gute Standfestigkeit. Da heute aber kein Schneider mehr auf seinem Tisch sitzt, stelle ich die gewichtige Statik in Frage: Bei einer Gesamttiefe von 600 mm ist die mittlere Zarge entbehrlich! Sie lässt nur 350 mm Tiefe für die Schubladen. Die Kulissenauszüge stehlen Platz in der Breite, es bleiben nur je 140 mm übrig. Dabei gibt es in einem Nähtisch so viel Kleinteiliges unterzubringen! Der Raum hinter der schmalen Blende bleibt völlig ungenutzt. Eine breite Schublade hätte hier zusammen mit der rechts daneben liegenden eine ideale Größe ergeben für Schnittmuster, Schablonen, Entwürfe … Schade um den vergeudeten Stauraum! Es wäre fast doppelt so viel möglich.
Der aufklappbare Korpus mit seinen kleinen Fächern ist in Anlehnung an den traditionellen Nähkasten gestaltet. Der selbst kreierte Beschlag mit originellem Anschlag im ausgefrästen Massivholz ist ein gelungenes technisches Detail, funktional und schmückend. Allerdings befürchte ich, dass die jeweils nur von zwei Schrauben gehaltenen Beschläge dem schweren Korpus nicht lange Stand halten werden. Die feinporige Hainbuche ist passend gewählt: sie ist angenehm geschmeidig, so dass feine Stoffe keinen Schaden leiden!
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