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Möbelbau mit Augenzwinkern: Garderobe mit optischen Anleihen an klassische Turngeräte.

Möbelbau mit Augenzwinkern
Turnen leider verboten

Zitate im Möbelbau sind angesagt: Felix Böhmert hat eine Garderobe mit optischen Anleihen an klassische Turngeräte gestaltet. Die einstigen Funktionen von Kasten und Sprossenwand beizubehalten, wäre dabei durchaus eine Option gewesen.

Die Kunst des Zitierens hat in den 1980ern eine ganze Stilepoche geprägt: In der Postmoderne wurde formal Altbekanntes neu interpretiert. Oftmals mit ironischen Gegenständen – einem geschäumten Hocker mit grünen Stacheln zum Beispiel, der dann als Riesen-Rasen »Pratone« daherkam oder einem Sessel in Form eines Einkaufswagens mit zur Seite geklappten Gitterwänden.

Möglicherweise ist dieses Meisterstück ja davon inspiriert – glaubt man den Buschtrommeln, so sind die 1980er-Jahre des letzten Jahrhunderts wieder im Kommen. Jedoch argumentiert Felix Böhmert in der Beschreibung des Möbels derart bierernst, dass man in Zweifel gerät und sich fragt, warum denn dieses schöne, gut riechende vegetabil gegerbte Leder auf der Kommode nur gepolstert aussieht wie bei einem Turngerät, tatsächlich aber hart ist? Es könnte doch mit Augenzwinkern dazu animieren, sich bisweilen darauf zu schwingen, wie einst im Turnunterricht, wenn der Lehrer gerade mal nicht herschaute. Wäre das nicht verlockender als eine ebene Abstellfläche? Und wäre es nicht schön, die zu einer Garderobe ertüchtigte Sprossenwand könnte darüber hinaus noch als solche fungieren, damit der vom Rasten ein wenig gerostete Mitmensch sich gelegentlich daran ein paar Minuten abhängen kann, um dem Körper Regeneration zu verschaffen?
Aber diese Fragen gehen vielleicht doch zu weit – denn der frischgebackene Meister hat eine beherzte formale Entscheidung getroffen, die zu akzeptieren ist. Der Spiegel allerdings, den Felix Böhmert seinem Ensemble als »Raumvergrößerer« hinzukomponiert, ist eher suboptimal: Als solcher würde er nämlich nur dann überzeugend funktionieren, wenn er eine der Raumkanten unmittelbar verlängert. Dazu müsste er entweder größer oder einfach anders angebracht sein. Dennoch dient er seinem Nutzer, um vor dem Verlassen des Hauses die Frisur oder das Make-up zu kontrollieren – was auch nicht zu unterschätzen ist!

Prof. Axel Müller-Schöll lehrt an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle Innenarchitektur und Ausbaukonstruktion. dds und dem Tischlerhandwerk ist er seit vielen Jahren beratend und als Autor verbunden.
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