Luftiger Kleiderschrank in Tanne – Meisterstück von Jonas Eiling

Mobiles Minimalgewicht

Aufgrund seiner konstruktionsbedingten Leichtigkeit ist dieses Schrankmöbel von Jonas Eiling tatsächlich mobil – und damit ein praktisches Instrument, um kleine Grundrisse flexibel zu zonieren. Die schlichte Weißtanne unterstreicht dieses Konzept.

Aus einfachen Zutaten ein Meisterwerk zu komponieren, das mag im Zusammenhang mit einer Meisterprüfung üblich klingen – dabei gehört es zum Diffizilsten im Handwerk überhaupt: beim Kochen, in der Mode und ebenso im Möbelbau. Das schlicht mit »Kleiderschrank in Tanne« bezeichnete Meisterstück von Jonas Eiling bringt seine Idee bereits im Namen auf den Punkt. Die Adelung und Wertschätzung des einfachen Holzes sehe ich dabei als einen sekundären Aspekt – im Vordergrund steht der poetische Duktus.

Das Objekt hat die Behandlung der Grundform zum Thema: ein Behältermöbel für Kleidung, interpretiert als Nutzvolumen, feingliedrig, getragen, ja behutsam umfasst von einem filigranen Gestell.

Dieser erzählende Ansatz wird ohne Pathos, eher mit augenzwinkerndem rhetorischem Seitenhieb auf die Tragwerksingenieure vorgetragen. Der Behälter selbst ist mit Fächern, Hängestange und englischen Zügen gut konzipiert. Durch eine um 90° gedrehte Kleiderstange umgeht der junge Meister geschickt die

übliche Mindesttiefe für Schränke von 580 mm. Es ist
am Ende ein zierlicher, harmonisch proportionierter Quader entstanden, dessen geteilte Frontfläche sich zwar auf die Innenaufteilung bezieht, durch ihre Asymmetrie aber vor allem eine raffinierte Spannung mit zwei unterschiedlichen Formaten aufbaut, die von einem eleganten Flechtwerk ausgefacht sind.

Was dieses Objekt aber am signifikantesten von seinesgleichen unterscheidet, ist die Tatsache, dass es aufgrund seines Minimalgewichtes tatsächlich einen

mobil wirksamen Gegenstand darstellt, was man nur von wenigen Schränken sagen kann. Für das immer stärker geforderte Wohnen auf kleiner Fläche ist das eine ideale Eigenschaft, um Wohnbereiche flexibel zu vergrößern oder zu verkleinern.

Frontalschnitt: fein dimensionierte Wangen
Vertikalschnitt: Rahmen mit Füllungen aus selbst gefertigtem Flechtwerk