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Meisterstück von Johanna Deml in der Kritik

Meisterstück von Johanna Deml in der Kritik
Doppelte Fronten

Johanna Deml möchte in ihrem Meisterstück alles unterbringen, was sie zum Nähen braucht. Die doppelte Frontausbildung des schlichten Stollenbaus hat nicht nur Vorteile.

Schreinermeisterin Johanna Deml hat sich einen Arbeitsplatz für ihr Hobby eingerichtet. Was sie zum Nähen benötigt, findet Platz in einem schlichten Schrank in Amerikanischem Nussbaum. Die Ansicht ist durch Stollen viergeteilt. Hinter einer Drehtür oben links befindet sich ein ausklappbarer Tisch, auf den die Nähmaschine in gleicher Höhe aus ihrem Depot geschoben wird. Das Kabel findet in der Rückwand eine Steckdose. Beim Nähen staut sich der Stoff nicht auf dem Tisch, sondern kann dahinter abrutschen.

Praktisch erscheint auch der Rollladen oben rechts, denn für das Öffnen einer Türe wäre auf dieser Seite des Möbels während des Arbeitens kein Platz. Dem steht allerdings entgegen, den Stauraum dahinter über nach vorn öffnende Schubläden zu erschließen, die dafür ebenfalls eine Verkehrsfläche benötigen! Ich könnte mir stattdessen besser vorstellen, Schubladen in unterschiedlicher lichter Höhe seitlich aus dem Korpus zu ziehen. Diese sollten so tief angeordnet sein, dass man sie im Sitzen bedienen und einsehen kann und könnten beim Nähen sogar offen bleiben. Ein Tablarauszug könnte eine zusätzliche Ablage bieten.

Doppelte Fronten brauchen Platz

Nachvollziehen kann ich den Gestaltungsimpuls, die Front des Möbels durch die Stollen asymmetrisch aufzuteilen und die Furnierrichtung am Verlauf der Rollladenleisten auszurichten. Die beiden doppelten Fronten schaffen dabei allerdings aus meiner Sicht mehr Probleme, als sie lösen. Um den hinter der Tür verborgenen Tisch auszuklappen, muss die 600 mm breite Tür im rechten Winkel zur Korpusseite stehen. Dieser Platz muss beim Standort eingeplant werden. Auch dies könnte dafür sprechen, auf die Türe ganz zu verzichten und das schön detaillierte Fußgestell in die Klappenfront zu integrieren. Es könnte in seiner besonderen Gestaltung die Ansicht bereichern.

Ein weiterer Aspekt, der gegen die doppelte Front spricht, ist der hohe Platzbedarf im Möbelinneren: Die doppelte Rückwand für die Kabelführung und der Rollladen im rechten Teil des 450 mm tiefen Schranks reduzieren die Fachböden auf weniger als 300 mm Tiefe. Insgesamt betrachtet erfüllt das handwerklich akkurat gefertigte Möbel den beabsichtigten Zweck: Nähmaschine samt Stromkabel und Fußpedal, Stoffe, Schnittmuster und kleinteilige Utensilien finden dem Blick entzogen ihren Platz , alle wichtigen Funktionen wurden bedacht, einschließlich der übersichtlichen Aufbewahrung des Nähgarns!


Ursula Maier, Maître Ébéniste und Innenarchitektin BDIA, beschäftigte sich für dds mit dem Meisterstück von Johanna Deml. Die Unternehmerin aus Stuttgart hat ihren Betrieb um ein Einrichtungshaus sowie ein Büro für Innenarchitektur erweitert und 2007 an die vierte Generation übergeben.

 

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