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Schlichter und zeitgemäßer Schreibtisch: Meisterstück von Merlin Bally

Schlichter und zeitgemäßer Schreibtisch: Meisterstück von Merlin Bally
Auf den Punkt gebracht

Lesen, Schreiben, Skizzieren und mit einem Laptop arbeiten: Merlin Bally integriert zeitgemäße Anforderungen an einen Schreibtisch in ein bestechend schlichtes Möbel.

Durch eine reduzierte Ansichtsfläche der nach unten verjüngten Tischbeine und eine zum flachen Korpus mit drei Schubkästen erweiterten Platte entsteht eine offene, leichte und transparente Anmutung des Schreibtisches, der mit ausgestellten Beinen seinen festen Stand behauptet. Allein durch die Linienführung erahnt man die Funktion hinter den zurückgesetzten Fronten. Die Mittelseiten sind als Gratleisten ausgeführt und nehmen Nutleisten für die Schubkastenführung auf. Der Verzicht auf eine Unterflurführung ermöglicht die flache Bauweise der Schubkästen. Die beiden äußeren bieten genügend Platz für Papier, die mittlere für Schreibutensilien. Die bei allen drei Schubkästen vorgesetzten Hinterstücke lassen den Eindruck von Vollauszügen entstehen, das jeweils anschließende Fach bleibt verborgen, solange die Schubkästen in ihrer Führung sind. So entstehen Geheimfächer, die durch Magnetschlösser als Sperre gesichert sind. Der hintere Bereich der Tischplatte ist als dreigeteiltes Fach mit durchgehender Klappe und integrierten Steckdosen ausgebildet. Geschlossen hat die unten angeschrägte Klappe einen Abstand zur Platte. Dieser Schlitz dient als unauffälliger Griff wie zur Durchführung von Kabeln.

Handwerkliche Verbindungen sind bis ins kleinste Detail durchdacht: Die massive Schreibtischplatte ist in die Querfriese eingezapft und zusätzlich durch Gratleisten gesichert. Die Tischbeine sind mit einer konischen Schlitz- und Zapfenverbindung mit den Querfriesen verbunden. Ein sehr ästhetisches Detail, das die schlank auslaufenden Beine gegen Torsion sichert. Führt man die Linien des konischen Zapfens nach oben weiter und die der verjüngten Tischfüße nach unten, entstehen zwei Fluchtpunkte, zwischen denen sich das Möbel aufspannt. Ob gestalterische Absicht dahintersteht oder ob sich der Betrachter zu diesem Gedankenspiel anregen ließ, bleibt offen!

Formale Reduktion und eine klare handwerkliche Formensprache bestimmen den gesamten Entwurf, der in massiver Esche mit einer ruhigen Maserung und türkisfarbenem Linoleum als Akzentmaterial auch in der Zuweisung der Materialien in großer Stimmigkeit ausgeführt ist.

Alternatives Konzept: ein weiterer Schreibtisch aus der Meisterschule München


Kevin Gerstmeier ist Tischlermeister und Raum- und Objektdesigner. Er arbeitet sowohl selbstständig wie als Head of Design in der Schreinerei Baur und als Gastdozent an verschiedenen Berufsschulen.

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