Meisterstück Waschtisch von Christoph Märtl

Gelungener Empfang

Anders als mancher Solitär stellt sich dieser Waschtisch in massiver Ulme durch seine festgelegte Einbausituation einer komplexen Anforderung aus dem Innenausbau.

So ein schmuckes Möbel wünschte ich mir in jedem Eingangsbereich: Heimkommen, Schlüssel ablegen, Hände waschen – leider sind Waschbecken aber meist nur im Bad zu finden, auch hier deutet der Fliesenspiegel darauf hin. Durchlaufende Maserung und warme Farbe bringen das kostbare Rüsterholz wunderbar zur Geltung. Das Handtuch hängt unter dem Waschbecken hier etwas zu tief – eine Lösung für das Trocknen der Hände zu finden, durch welche die Gesamtansicht nicht gestört wird, ist anspruchsvoll! Da das Becken sehr niedrig ist, muss mit dem Wasser sorgfältig hantiert werden – auch nasse Hände sollten keine Spuren auf der Holzplatte hinterlassen. Klug ausgesucht wurde diese Armatur, weil sie über dem Becken bedient werden kann. Sinnvoll ist auch das vorgesetzte Rückwandpaneel, das die Anschlüsse von Siphon und wandseitiger Armatur verdeckt. Wichtig ist, die Armatur so zu platzieren, dass der mittig auf den Beckenboden auftreffende Wasserstrahl nicht spritzt. Das sollte vor der Installation von Becken und Armatur getestet werden. Ein Schmuckstück ist das handgefertigte Aluminiumbecken! Vielleicht könnte aber der Abstand zum Wandpaneel etwas größer sein. Spritzwasser sollte unverzüglich aufgenommen und die Oberfläche regelmäßig geölt werden.

Ab Unterkante Spiegel ist die Schattenfuge zur Wand mit einem LED-Band beleuchtet. Der Spiegel umgreift das aufrechte Wandpaneel auch seitlich. Um Wasserinstallation und LED-Band warten zu können, ist die Front in Abschnitten aushängbar ausgeführt worden. Die Proportionen des Möbels sind stimmig und die Schattenfugen konsequent gesetzt. Schöner wäre, auf die seitlichen Passleisten zu verzichten und das Möbel an Metallkonsolen aufzuhängen – es ist grundsätzlich vorteilhaft, wenn sich unterschiedliche Materialien, hier Fliesen und Holz, durch Abstand Respekt zollen! Die Schubladen sind von dem Falz des Korpus umrahmt, die Kulissen fachgerecht in die massiven Korpusseiten gegratet. Ein schönes Detail!

Frontalschnitt: Zwischenwände und Kulissenauszüge sind fachgerecht in die massiven Korpusseiten eingegratet. Verdeckte Wandmontage mit Passleiste
Horizontalschnitte des vertikalen Wandpaneels oberhalb, innerhalb und unterhalb des Spiegels (von oben)
Horizontale Schnittebenen in der Seitenansicht

Ursula Maier, Stuttgart, Maître Ébéniste und
Innenarchitektin BDIA. Die Unternehmerin hat
ihren Betrieb um ein Einrichtungshaus sowie ein Büro für Innenarchitektur erweitert und 2007
an die vierte Generation übergeben.