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Entwicklung eines Prototyps - dds – Das Magazin für Möbel und Ausbau

Meisterstücke
Entwicklung eines Prototyps

Aus Magnetschichtstoff gefertigte Kanten und flexible Fachböden mit eingelassenen Magneten definieren an beliebiger Stelle Flächen in einer filigranen zerlegbaren Struktur: Sarah Kamender stellt bei ihrem Meisterstück Standardprodukte in einen neuen Kontext.

Kantenbänder aus einer Magnethaftplatte von Homapal, 450 Neodym-Magnete und 80 induktionsgesteuerte Invis-Verbinder von Lamello sind neben dem massiven Eschenholz die technische Grundlage dieses ingenieurmäßig anmutenden Meisterstücks. Mit nur wenigen Handgriffen erlaubt es das Möbel, eine einst gewählte Ordnung der Dinge auf den Kopf zu stellen: Durch die flexiblen magnetisch haftenden Fachböden können Flächen an fast beliebiger Stelle entstehen. Angeschrägte Leisten mit einer Mittellage aus Heftgaze und kleinen, unsichtbar eingelassenen Neodym-Magneten bilden die beidseitig aufrollbaren Fachböden, die an Kantenbändern aus HPL mit deren Mittellage aus einer weichen Stahllegierung haften. Diese geben auch den mit Domino-Verbindern aus Esche-Segmenten verleimten Rahmen zusätzlichen Zusammenhalt. Die in Länge und Breite erweiterbare zerlegbare Struktur setzt sich aus fünf verschiedenen Teilen zusammen, die jeweils durch Invis-Verbinder verbunden sind: Ein Induktionsfeld versetzt hierbei eine Gewindeachse so in Rotation, dass sie präzise in ein Gegenstück mit Gewindemuffe greift. So lassen sich formschlüssig gestoßene Segmente unsichtbar kraftschlüssig verbinden und wieder lösen, ohne dass die Verbindung einem Verschleiß unterliegt.

Die filigrane Regalstruktur kann auf klemmbaren Stahlfüßen horizontal im Raum ausgerichtet werden. Sarah Kamender hat bereits für ihr Gesellenstück mit einer flexiblen Fläche aus Leisten gearbeitet. Anders als beim Meisterstück waren sie jedoch einseitig mit einer Lederhaut verbunden. Die Platte passte sich durch ihr Gewicht an die Kontur des Untergestells an. Für das Meisterstück lag allein in der Fertigung des Kantenbandes aus einer Magnetschichtstoffplatte die ungleich höhere Herausforderung: An der Kreissäge, wegen des Funkenflugs ohne Absaugung geschnitten, zeigte das hartmetallbestückte Sägeblatt wegen der in das Laminat eingebetteten Eisenfolie einen deutlich erhöhten Verschleiß. Die bekanteten Werkstücke zu kalibrieren war nicht möglich, weil das Schleifband Schaden nahm. Also galt es, die Kanten auf Fertigmaß zu sägen und von Hand mit Weißleim und Zwingen exakt zu positionieren. Besonders an den abgesetzten Konterprofilen der Verbindungen wird anschaulich, in welcher Güte das gelungen ist. –JN

Steckbrief

Für die Entwicklung ihres Meisterstücks »Bubbles« ist Sarah Kamender von der Jury des Gestalterpreises im Tischlerhandwerk an der Meisterschule Berlin 2016 mit einem Sonderpreis ausgezeichnet worden.
Magnetschichtstoff von Homapal sowie Invis-Verbinder von Lamello wurden innovativ und entwurfsprägend eingesetzt.
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