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Dekorativ - dds – Das Magazin für Möbel und Ausbau

Meisterstücke
Dekorativ

Das für den klassischen Wellness-Bereich gestaltete Meisterstück von Gerd Meider ist sehr dekorativ. Überzeugt der Entwurf auch formal und funktional?

Eckhard Heyelmann

Das Meisterstück wirkt auf den Betrachter ausgesprochen dekorativ. Vor allem durch die ungewöhnliche Materialwahl, einen lebhaft braun bis schwarzbraun gemaserten Nussbaum, dessen Wirkung durch die geölte und gewachste Oberflächenveredlung noch betont wird. Erst aus der geschlossenen Ansicht in Zeichenebene lassen sich vollständig die harmonischen geome-trischen Beziehungen der aus zwei konzentrischen Kreisen abgeleiteten Formen erschließen: die Halbkreis- fläche des Spiegels und das zylindrische Segment des Unterschrankes und – diese in gut dimensioniertem Abstand horizontal durchdringend – das zylindrische Segment des Waschtisches. Darin liegt, nur durch eine 2-mm-Fuge getrennt, unten eingebettet und seitlich vollflächig aufliegend die Mulde des schichtverleimten Beckens. Dessen Rückwand unterstützt die horizontale Gliederung.
Die vorn eingeklebte Glasscheibe schafft Transparenz. Seitlich treffen zwei sehr unterschiedlich wirkende und schützende Holzoberflächenveredlungen unmittelbar aufeinander. Hier wären die klarere Abgrenzung und seitliche Verbreiterung der Ablagemöglichkeit im Nassbereich vor allem unter funktionalen Gesichtspunkten wünschenswert.
Die Nutzung der seitlichen Teile des Unterschranks, dessen Korpusecken aufwändig offen gezinkt und einseitig auf Gehrung abgesetzt sind, ist nur sehr begrenzt möglich. Der konstruktive und fertigungstechnische Aufwand für den weitgehend nicht nutzbaren Innenraum steht dazu in keinem Verhältnis.
Ehrlicher wäre ein seitlicher Bezug von senkrechten Korpusseiten und der Schubkastenbreite auf die maximal mögliche Öffnung der Schiebetüren. Die horizontalen Führungsschienen könnten von einem verstärkten Oberboden und eingerückten Zwischenboden aufgenommen werden.
Die durch Materialwahl und Dimensionierung dominanten Griffe sind aus zwei Kreisen entwickelt, deren Lage antizentrisch ist. Die Griffanordnung führt dazu, dass der Blick unwillkürlich auf dieses Zentrum abgleitet. Hier wäre eine zurückhaltendere Lösung besser. Die Funktion Ziehen oder Schieben wird aus Form und Anordnung der gleichartigen Griffe nicht deutlich.
Der Waschtisch ist für die alltägliche Nutzung im privaten Bad weniger gut geeignet – besser dagegen als eleganter Blickfang im öffentlichen Bereich, wie beispielsweise einem Wellness-Hotel. Das Möbel bietet eine interessante Auseinandersetzung mit der symbolträchtigen Grundform Kreis. Eine interessante Variante des Entwurfs bildet übrigens der 1995 mit dem begehrten „Design Plus Award“ ausgezeichnete Waschtisch „Gabbiano-GAB 350“ der Fa. Agape, zu sehen unter www.agapedesign.it
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