Meisterstück: Kredenz von Bastian Buczynski

Bürgerlicher Stolz

Die Kredenz von Bastian Buczynski erinnert an die 1930er-Jahre, doch gemessen an der schwungvollen Üppigkeit »Gelsenkirchener Barocks« wirkt sie angenehm reduziert! Die wenig differenzierte Innenaufteilung erlaubt eine universelle Nutzung.

Die Kredenz in amerikanischem Nußbaum von Bastian Buczynski ist laut seiner Stückbeschreibung zur Aufbewahrung und Präsentation von Spirituosen gedacht, zeigt allerdings nichts Spezifisches in dieser Richtung. Die scharf gezeichnete Kontur erinnert an historisierende Anrichten aus den 1930er-Jahren, die in den 1950ern nochmals populär wurden und damit den heutigen sogenannten Retrostil prägten.

Zwei horizontal laufende Rollladen umfassen den Korpus auf einem filigranen Zargengestell mit schmal zulaufenden Füßen. Die umlaufende Front zeigt eine horizontal gestürzte Furnierblume, aufgeschnitten in vertikale Lamellen. Die beiden Rollläden lassen sich unabhängig voneinander bewegen. Die Beine greifen die Rundung des Korpus auf und setzen bogenförmig an der Zarge an. Der untere Korpusabschluss wirkt dadurch durchstoßen – hier wäre eine deutlichere Trennung zwischen Zargengestell und Korpus durch eine Falzausbildung sinnvoll! Im oberen Teil ist die geschlossene Korpushülle scharfkantig profiliert und umlaufend flächenbündig ausgebildet. Die Platte des Möbels besteht aus dem linoleumbelegten Mittelteil mit angesetztem Rahmen in massivem Nussbaum. Unterhalb der Schubkästen könnte der Innenraum differenzierter aufgeteilt sein!

Der Innenkorpus und die Schubkästen dürften in ihrer Materialstärke insgesamt schlanker und so der eleganten Außenform angemessener ausgeführt sein: Die auf Gehrung gefügten Schubkastenvorderstücke bilden mit den Schmalflächen des Innenkorpus eine durchgehende, etwas langweilige Fläche. Hier könnte eine Staffelung in der Tiefe, etwa durch einen Falz, die Ansicht des offenen Möbels beleben.

Besonders in der Verbindung zwischen Korpus und den geschweiften Beinen des Möbels ist es gelungen, den Stil der 1930er- bzw. 1950er-Jahre aufzugreifen. Ein spezieller Verwendungszweck ist nicht ablesbar. Man wünscht diesem Möbelstück einen Standort mit genügend Umraum!

Frontalschnitt (links) und Vertikalschnitt: Der Innenkorpus definiert die Höhe des umlaufenden Rollladens

Eckhard Heyelmann, Garmisch-Partenkirchen, Innenarchitekt und Dipl.-Designer. Von 1990
bis 2001 hat er als Leiter der Schulen für Holz und Gestaltung in Garmisch-Partenkirchen auch die Entwicklung der Meisterstücke betreut.