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Meisterstück Barschrank von Bastian Schmidt

Meisterstück: Barschrank in Eiche und Naturstein
Von der Komposition

Geräucherte Eiche und Wachenzeller Dolomit hat sich Bastian Schmidt für sein Meisterstück ausgesucht. Die Materialien authentisch einzusetzen, ist eine Herausforderung.

Bastian Schmidt hat für seinen Entwurf einen ungewöhnlichen Weg beschritten – er hat zuerst die Materialien festgelegt und erst dann ihre Anwendung oder den Duktus für deren Arrangement. Daher soll hier bezogen auf sein Meisterstück auch weniger von der Nutzung als von der Komposition die Rede sein. Hinter diesem Begriff steckt das lateinische Wort componere für zusammensetzen – hier geräucherte Eiche und grobporiger Wachenzeller Dolomit aus dem Altmühltal!

Während Holz vom Schreiner in der Regel in Bretter aufgeschnitten und dann aufbauend zu einem Volumen verarbeitet wird, also additiv, so wird Naturstein eher als Block aus dem Massiv gelöst und durch das Wegnehmen von Material subtraktiv in seine gewünschte Form gebracht. Es gibt für diese Gestaltungstheorie bekannte Beispiele: So wird der große Bildhauer der Renaissance, Michelangelo, mit den Worten zitiert, die Erschaffung seines berühmten Davids sei quasi mühelos gewesen, denn die Figur habe »nur aus dem Stein befreit« werden müssen.

Von dem Architekten Le Corbusier, der von Bastian Schmidt als formgestaltendes Vorbild gewählt wurde, kennt man den quadratischen Sessel LC 2, bei dem aus einem großen Würfel ein kleinerer so heraus-geschnitten wurde, dass dadurch ein sesselförmiger Sitz entsteht. Während die geräucherte Eiche beim Meisterstück von Bastian Schmidt das Flair lange gebrauchter Portweinfässer atmet – grandios gefügt, gegliedert und mit dem Messing in Kontrast gesetzt – , drängt sich beim Stein eher die Assoziation zu einer Plattenverkleidung auf:

Die stumpfen Stöße und auch die im Vergleich zur sonstigen Dimensionierung an der Front sichtbare, viel zu reduziert ausgefallene Materialstärke stehen im Gegensatz zur Massivität des Dolomits und wirken hier eher wie ein Laminat. Vielleicht sind die technische Herausforderung des ausfahrbaren Volumens und das kongeniale Fügen so grundverschiedener Materialien zu viel des Guten bei einer solch komplexen Aufgabenstellung.

Frontalschnitt des vorderen Korpusvolumens. Der Wachenzeller Dolomit umkleidet den Innenkorpus sichtbar als 15 mm dünne Platte
Der Vertikalschnitt zeigt den hinter dem niedrigen Korpus geparkten, nach oben ausfahrbaren Aufsatz

Prof. Axel Müller-Schöll lehrt an der
Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle
Innenarchitektur und Ausbaukonstruktion.
dds und dem Tischlerhandwerk ist er seit vielen Jahren beratend und als Autor verbunden.


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