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Abkehr von der ersten Idee - dds – Das Magazin für Möbel und Ausbau

Meisterstücke
Abkehr von der ersten Idee

Kantig und asymmetrisch steht der Schreibtisch von Erik Clauß im Raum. Kaum zu glauben, dass der erste Entwurf noch rund und symmetrisch war! Axel Müller-Schöll hat sich mit der Entwurfsgeschichte befasst – und hält die erste Idee für die überzeugendere.

Ein ambitionierter Entwerfer versieht seine Skizzen stets mit Datum und legt sie, sofern er sie nicht in ein Buch gezeichnet hat, ordentlich ab. Nicht aus Pedantismus, sondern als eine pure Rückversicherung – denn im Laufe des weiteren Entwurfsprozesses hilft ihm der Zugriff darauf, sich zu vergewissern, ob er sich immer noch auf dem Weg der Verbesserung befindet oder ob – aus vordergründig pragmatischen oder rationalen Gründen – die ursprüngliche Idee (und sei es nur die instinktive Ahnung von einer Form) verloren gegangen ist. Erik Clauß hat seiner Dokumentation wunderbare Renderings und eine Aufnahme seines 1:1-Modells beigefügt und ermöglicht uns so einen Einblick, wie er sich schrittweise der Umsetzung seines Entwurfs genähert hat.

Kern seiner Ausgangsidee war, »ein einfaches, funktionales Möbel mit reduzierter Materialstärke und gleichzeitig hoher Stabilität zu entwickeln«. Die erste Studie zeigt, wie er sich dies vorgestellt hat: Ein eleganter, cremefarbiger und waagerechter Körper mit abgerundeten Ecken, der nur mit einer hölzernen Haut bezogen zu sein scheint. Die Längsaussteifung erfolgt im Verborgenen über nur eine zentrale Mittelzarge – eine ebenso elegante, wie überzeugende Strategie der visuellen Reduktion. Das Prinzip hat Erik Clauß in den darauffolgenden Schritten zwar beibehalten, doch die Stringenz blieb auf der Strecke. Das zweite Rendering zeigt mit dem Aufgeben der Verrundung des zentralen Körpers den ersten Schritt zurück zur Konvention und die Entscheidung, den Korpus asymmetrisch auszuführen, verkomplizierte weiter die Form. Am Ende mutierte die Idee der Schichtung zu einer Art Futteral für beidseitig eingeschobene Schubladen. Eine handwerklich überzeugende Leistung ist es allemal – und das charmante Sandwich bleibt Dank der überzeugend plädierenden Darstellung nach wie vor eine Option.
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