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Nostalgische Schallmauer

Meisterstück Phonomöbel
Nostalgische Schallmauer

Das Sideboard »Luxusschall« von David Kolmstetter vereint Vinyl, feine Lautsprecher und analoge Abspieltechnik. Ein opulent gestaltetes Phonomöbel mit Charme.

Aus der Stückbeschreibung geht hervor, dass sich das Möbel auf die Formensprache der 1960er-Jahre bezieht. Im Lichte der Kunstgeschichte betrachtet, möchte man noch weiter zurückgehen, eher auf das späte 16. Jahrhundert, als man in Florenz die Strenge der Renaissance zu überwinden suchte und in der Phase des Manierismus den Übergang zur Epoche des Barocks einleitete: Mit großer handwerklicher Virtuosität schufen die Gestalter – oftmals Bildhauer und Architekten mit eigenen Werkstätten – Fenster aus transparentem Stein (Alabaster), violette Marmorsäulen (gespachtelter und bemalter Stuck), oder vermeintlich seidene Gewänder aus behauenem Marmor, die den Büsten verehrter Personen kunstvoll über die Schultern gelegt wurden.

Das Sideboard »Luxusschall« besteht aus einem wohlproportionierten MDF-Korpus, der sich durch seine Oberfläche in Nextellack überraschend textil anfühlt und dem in die Oberfläche eingearbeiteten Plattenspieler so eine samtartige Rahmung verpasst. Die große Öffnung auf der Vorderseite ist gleichsam mit einer Matratze aus Teak verhängt, aus dem vollen 3D-gefräst in der Art einer Chesterfield-Steppung. Sie schützt ein kostbares Konvolut an Langspielplatten vor Blicken und unerlaubtem Zugriff.

So gesehen hat das Möbel dann doch etwas von den Sixties und deren frech komponierten Zitaten mit Pop-Status. Ganz offenbar zielt der »Luxusschall« auf Nutzer mit Humor, einem offenen Ohr für originelle Geschichten und der Liebe zu einem besonderen Ton, die sich – geht es um ihre persönlichen Ikonen – selten in schwedischen Möbelhäusern oder Giganten mit dem roten Stuhl vor der Tür umschauen. Hier muss die Stunde des kompetenten und inspirierten Schreinermeisters schlagen! Das Meisterstück von David Kolmstetter eignet sich jedenfalls in diesem Sinne als Referenz und Appetizer gleichermaßen. Phonomöbel sind auch als Gesellenstück angesagt

Vertikalschnitt: Die Basis des Plattenspielers lässt sich präzise ausrichten
Vertikalschnitt: Führung der Drehschiebetür im äußeren Korpussegment
Frontalschnitt: mechanische Unterflurführung mit Soft-Close und Servodrive

Prof. Axel Müller-Schöll lehrt an der
Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle
Innenarchitektur und Ausbaukonstruktion.
dds und dem Tischlerhandwerk ist er seit vielen Jahren beratend und als Autor verbunden.

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