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Meisterprüfung Birger Schneider

Teilerzeugnis bei der Meisterprüfung
Lust auf etwas Neues

Die Fertigung des sogenannten Teilerzeugnisses im praktischen Teil der Meisterprüfung hat Birger Schneider dazu inspiriert, lieber etwas Neues auszuprobieren, als ein gewöhnliches Meisterstück zu fertigen – und er lässt uns an diesem Prozess teilhaben.

Birger Schneider, Düsseldorf

Anfangs hatte ich mir die Frage gestellt, was die Herstellung eines Teilerzeugnisses im Rahmen der Meisterprüfung eigentlich bedeutet: Soll man etwas umsetzen, worin man eine Routine besitzt oder sollte man etwas Neues ausprobieren und somit vielleicht vor eine größere Herausforderung gestellt werden, die sich eher wie Prototypenbau anfühlt?

Ist vielleicht auch der Prozess, der zum handwerklich entwickelten und gefertigten Einzelstück führt, interessanter, als bei einem serienreifen Möbelstück? Am Ende habe ich mich für das Ausprobieren entschieden – das bin ich aus Selbstständigkeit und Innenarchitekturstudium heraus so gewohnt! So kam ich auf die Idee, Holz zu biegen, wie schon Thonet vor 150 Jahren.

Nach den ersten Versuchen hat sich diese Idee noch vertieft. Ich wollte das traditionelle Biegen von Holz mit modernen Verbindungen verknüpfen, die ich mit einer Shaper-CNC herstellen konnte. Vor Jahren habe ich im Sauerland einige Eschen im Wald meiner Eltern gefällt und auftrennen lassen. Da war bereits klar, dass ich das Holz gerne für mein Meisterstück verwenden wollte. Und die Esche war für das Biegen eine ideale Voraussetzung!

Den Möbeltypus einer Tagesliege, das sogenannte Daybed oder die Chaiselongue, fand ich schon immer interessant – das ist ein Möbel, welches heutzutage nicht mehr überall Raum findet, da Wohnungen und Platzverhältnisse wieder kleiner geworden sind im Laufe der Jahrzehnte. Oft erfahren diese Möbel heute auch eine andere Nutzung als Alltagsmöbel wie etwa ein Sideboard, das als Aufbewahrungsmöbel dient. Sie dürfen in erster Linie durch das besondere Design ein hochwertiges Wohnumfeld bereichern.

Finessen der Fertigung

Als Verbinder der gebogenen Rundhölzer aus Esche dienen gefräste Stäbe aus Hi-Macs-Mineralwerkstoff. Ich habe das Material wegen der Farbgebung und der Textur ausgewählt. Das Stahlgestell und die Polster sind dunkelblau gehalten und bieten einen Kontrast zur hellen Esche und den hellblauen Verbindern.

Der Schubkastenkorpus gibt der Konstruktion der Liege als massives und festes Element eine Aussteifung. Um nicht einfach nur einen Schubkasten und Korpus zu konstruieren, wurde das Gehäuse in Scheiben aus dem vollen verleimten Material gefräst, sodass man seitlich immer das Kopfholz sieht.

Die unter Dampf gebogenen Kröpfungen sind mit den langen Abschnitten der Rundhölzer jeweils durch Schäftungen verbunden, die, wie auch die Zapflöcher für die Verbindungsstäbe aus Hi-Macs, erst am fertig gerundeten Eschenholz mit der CNC-Handoberfräse Origin gefräst wurden. Inklusive Schablonenbau ist das Meisterstück in 13 Arbeitstagen entstanden.

Vertikalschnitt: Der massive Korpus für den Schubkasten dient auch als Aussteifung

Steckbrief

Birger Schneider, B.A. Architektur und Tischlermeister, gründete 2016 gemeinsam mit Norman Kamp das konture.studio für Innenarchitektur, Raumkonzepte und Möbelentwurf in Düsseldorf. Dank interdisziplinärem Team und großem Netzwerk ist den Kreativen kein Projekt zu groß!

www.konture.studio

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