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Kühn oder bieder?

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Kühn oder bieder?

Matthias Kaffl hat sich bei seinem Meisterstück an das Thema Sitzmöbel gewagt. Das Beistellmöbel wird dabei Bestandteil des tragenden Gestells. Ursula Maier hat sich mit dem ambivalenten Möbel auseinandergesetzt.

Auf den ersten Blick sieht das kombinierte Sitz- und Stauraummöbel frech (eine kühne Konstruktion) und bieder (grauer Filz, burgundfarbiges Linoleum) aus.

Die Legende, dargestellt in verschiedenen grauen Tönen, lässt Massen und Schatten grafisch interessant erscheinen. Aber realisiert ist es doch ein schweres Möbel geworden mit Details und Funktionen, die ich teilweise infrage stelle. Ein gutes Sitzmöbel zu entwerfen ist die größte Herausforderung an einen Möbeldesigner. Maße und Material sind nur einige Kriterien, die zu einem guten Sitzgefühl notwendig sind. Hier sieht das Sitzpolster optisch bequemer aus, als es in Wirklichkeit ist: 40 mm Schaumstoff auf einer 30-mm-Spanplatte ohne Neigung ergibt ein spartanisches Sitzen und gleicht eher einer Bank. Das Fußgestell erinnert mich an die 60er-Jahre. Fuß und Zarge haben schöne Winkel und sind kühn tragend. Die konisch zulaufende Zarge mündet auf einem oben abgeschrägten Korpus. Das Schubladenvorderstück ist an der Oberkante der Schräge angepasst. Auf der Zarge sitzt ein weiterer Korpus. Beide Schrankteile verbindet eine durchgehende Seite, die in der Schattenfuge aufgedoppelt ist. Dieses Detail empfinde ich problematisch und es wäre vielleicht konsequenter gewesen, den unteren und oberen Korpus zu trennen.
In der Armlehne verbirgt sich ein Teilauszug für Getränkedosen. Dieser ist außen mit Formschaum bzw. Filz bezogen. Gegenüber ist eine Abstellfläche für ein Glas, Lesematerial oder anderes. Die Abstellfläche ist jedoch eine Klappe und zum Öffnen muss alles abgeräumt werden. Geöffnet sieht dieser massige Winkel balancierend auf einem Gehrungswinkel jedoch kopflastig und bedrohlich aus. Hoffentlich reicht die Gasdruckfeder für die schwere Klappe, um Verletzungen zu verhindern.
Ursula Maier, Markgröningen, Maître Ebéniste, Innenarchitektin BDIA
»Die unvollendete Trennung des Last aufnehmenden Würfels ist beispielhaft für die fehlende Konsequenz der Konstruktion«
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