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Innenarchitektur im Online-Studium oder Praxissemester in der Tischlerei?

Innenarchitektur im Online-Studium oder Praxissemester in der Schreinerei?
Von Halle nach Halberstadt

Innenarchitektur in Coronazeiten zu studieren, erfordert Kompromisse: Lucas Bögelsack hat Möbelprojekte in der elterlichen Tischlerei einem weiteren Online-Semester vorgezogen.

Kein weiteres Online-Semester, das war Lucas nach den ersten Monaten seines Studiums der Innenarchitektur unter Coronabedingungen klar. Und weil das ursprünglich geplante Auslandssemester 2020/2021 in Norwegen ebenfalls ausfallen musste, lag es für ihn nahe, von der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle zurück ins heimische Halberstadt in die elterliche Tischlerei zu gehen. Dort konkretisierte er im Rahmen eines freien Projektes eigene Möbelideen und setzte diese in der Werkstatt in Prototypen um, darunter auch die zwei folgenden Entwürfe.

Hocker aus Sperrholz

Die erste Idee steht unter dem Motto »Minimaler Platz, maximale Freiheit«. Zwei Hocker, ein Korpus und ein Fußgestell, das den Korpus zu Tisch oder Sideboard erhebt, bilden ein Ensemble. Die wie Satztische ineinandergreifenden Hocker sind aus Biegesperrholz auf der Vakuumpresse gefertigt. Als Aussteifung entwickelt sich ein breiter Steg aus den Seiten, der für die Stapelbarkeit eine Gegenform zum Sitz darstellt. Eine alternative Ausführung des Stegs aus Stahlblech zeigt, wie stark die Materialität hier den formalen Ausdruck beeinflusst! Die Idee des Möbelensembles entstand aus der Entwicklung der Aussteifung der Hockerseiten.

Nutzer können ganz nach Bedarf drei autarke Elemente mit wenigen Handgriffen für eine variable Nutzung kombinieren. Dabei geben überfurnierte Magnete in Korpus und Fußgestell geben die Position vor. Aufgetürmt zu einem vertikalen Regal sind alle Komponenten in einem Möbelstück integriert.

Regal mit bekanntem Vorbild

Inspiriert durch das Regalsystem 606 aus Aluminium nach dem Entwurf von Dieter Rams, das seit 1960 von der Firma Vitsoe hergestellt wird, hat Lucas Bögelsack sein Regalsystem +1 aus Holzwerkstoffen entwickelt. Wie das große Vorbild basiert dieses auf einer addierbaren Struktur, die verschiedene Komponenten aufnimmt. Aber anstelle vertikal wandhängender Aluminiumprofile dienen hier Kanthölzer mit dazwischen platzierten Halteleisten als Grundstruktur. In diese Leisten können pro Regalabschnitt fünf Module eingehängt werden, die sich einfach austauschen lassen: vom einfachen und doppelten Regalboden über Garderobenstange, Schubkastenkorpus und Akustikpaneel bis zu einem einfachen Holzpaneel als Wandverkleidung.

Werkstoffgerechte Innenarchitektur

Vergleicht man das Vorbild von Dieter Rams mit Lucas Bögelsacks Übersetzung in furnierten Plattenwerkstoff fällt auf, dass die leere Holzvariante schon eine starke Eigenpräsenz im Raum entfaltet, während sich die Struktur aus Aluminium maximal zurücknimmt. Aber denkt man nutzungsbezogen den Inhalt hinzu, könnte das Regalsystem +1 schnell wuchtig wirken, was der Idee variabler Leichtigkeit vor allem durch die Wahl des Materials entgegensteht. Die legendären Wohnwände in Eiche wurden daher von Systemen abgelöst, die mehr Leichtigkeit atmen! Der Entwurf von Lucas Bögelsack ist in diesem Sinne ein spannender Versuch, die Variabilität und Variantenbildung eines ausgereiften Regalsystems aus Metall in Holzwerkstoff zu übertragen.

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