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Gestapelt und verzurrt

Ausbildung
Gestapelt und verzurrt

Mathis Thaler folgt mit seinem Meisterstück der Idee, ein Möbel in seine Funktionsbereiche zu zerlegen und neu zusammenzufügen. Axel Müller-Schöll weist auf einen originellen Entwurf der niederländischen Designergruppe Droog hin, der ihn inspiriert haben könnte.

Prof. Axel Müller-Schöll Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle

Ein ungewöhnliches Meisterstück, in der Tat! Denn Mathis Thaler verlässt die gewohnten Baumuster und interpretiert sie bereits in den Materialien neu: die Siebdruckplatte, die ganz offensichtlich als Sägeunterlage schon ein Leben hinter sich hatte, ein Sockel, der mehr mit einer Europalette als mit einer Besenleiste zu tun hat, dann das Ganze zusammengezurrt mit einem Transportgurt – einem Statement gleich, dass man eine Kommode auch ganz anders auffassen kann. Wie kommt man auf so eine Idee? Zum Beispiel, indem man aufmerksam Möbel in Museen studiert oder auch Gegenwartsausstellungen besucht, bei denen Designer und Architekten Hypothesen zu Komposition, Material und Gebrauch anstellen und anhand von Prototypen veranschaulichen. Folgt man auf dieser Spur den Interpretationen zum Thema Kommoden, trifft man nach gar nicht langer Zeit auf einen der schrägsten und vielleicht auch originellsten Entwürfe der niederländischen Designergruppe Droog, die Kommode »Chest of Drawers« von Tejo Remy aus dem Jahr 1991. Auch hier sind verschiedene Volumina (mit gebrauchten Schubläden) mit einem Gurt zusammengezurrt. Allerdings nicht sauber aufeinander geschichtet, sondern scheinbar, wie es sich gerade ergeben hat, zusammengerafft. Dies ist natürlich nicht der Fall: In Wirklichkeit bedürfte es mehrerer Personen, um mit einem Set an Kästen genau diese Komposition zu verspannen. Interessanterweise nahmen damit die Entwerfer Bezug auf den unmittelbaren Trend davor, als Ettore Sottsass mit jungen Designern die Gruppe »Memphis« gründete und den legendären Neustart im italienischen Design versuchte, der bis heute nachwirkt. Es ist eine Freude zu sehen, wie Geschichte weitergeschrieben wird – dazu bietet auch das Meisterstück eine gute Gelegenheit!

Axel Müller-Schöll

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»Inspirationen zu folgen, ist Zeichen kluger Profession.«
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