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Kölsche Kisten - dds – Das Magazin für Möbel und Ausbau

Gesellenstücke
Kölsche Kisten

Zeugt es von Mut oder Einfalt – das Ergebnis des Wettbewerbs Gute Form in Köln? Vier von sechs prämierten Gesellenstücken sind wandhängende Kisten – oberflächlich betrachtet. Schaut man genauer hin, ist jedes Möbel für sich ein gelungenes Unikat mit starken Details.

Ein Gesellenstück ist ein Gesellenstück – und eben kein Meisterstück. Das ist wichtig bei der Betrachtung. Soeben aus Berlin zurück, noch beeindruckt von über 200 präsentierten Gesellenstücken der Berliner Innung, sitze ich über den Zeilen zur Einordnung der Guten Form 2014 aus Köln. Beeindruckt bedeutet in dem Moment Eindrücke in einer unglaublichen Bandbreite aufgenommen zu haben. Einige Gesellenstücke in der Hauptstadt waren so genial entworfen, konstruiert und gebaut, dass etliche Meisterstücke im Vergleich dazu ein Nachsehen haben – andere Stücke dagegen so grausam und ohne Sensibilität für Form und Material zusammengeschustert, dass man an unserem Handwerk zweifeln möchte. Was haben die Berliner Stücke nun mit Köln zu tun? In Köln fehlte dieses Jahr das absolute Spektakel in der Siegerliste. Und das ist gut so. Im ersten Moment erstaunt es, dass vier von sechs mit der Guten Form oder Belobigungen ausgezeichnete Stücke dasselbe Thema bespielen – gestreckte wandhängende Kisten. Sobald man sich mit dem einzelnen Sideboard beschäftigt, auf seine Feinheiten, die Gestaltungsidee und die Ausführung eingeht, wird deutlich, dass die Jury viel Gespür bei der Prämierung zeigte. Das sind alles richtig gut gelungene Möbel. Gesellenstücke, die alle geforderten Kriterien erfüllen, die Finesse in Konstruktion und Gestaltung beherbergen – und zugleich in einer begrenzten Stundenzahl gefertigt werden können. Sollten die Jurymitglieder nur deshalb ein Stück ignorieren, weil drei weitere Erbauer den gleichen Möbeltypus gewählt und dabei auch viel Kompetenz und Herzblut in die Waagschale geworfen haben?

Festgehalten hat Fotograf Stefan Geiger die Kölner Stücke für dds. Es sind nicht die Stücke allein, die überzeugen, auch ihre Präsentation ist gelungen. Das Möbel von Simon Haelke, mit Eichenkern an den Kanten und belegt mit weißem Schichtstoff, erstrahlt durch den Kontrast vor einer dunkelgrauen Wand. Beim Siegerstück von Manuel Heimbach, einem Flurmöbel in Eiche mit einer Stahlbanderole, entstehen spannende Licht- und Schattenspiele auf der Wandscheibe vor der das Möbel schwebt. Beim Board von Sebastian Kahnt dominiert eine ausdrucksstarke Schubkastenfront aus markantem Rüster, die ihre Wirkung im Kontrast zum weißen Korpus vor heller Rückwand entfaltet. Bei der weiteren Kölschen Kiste von Volker Hilfert zeugt die gewählte Grifflösung aus fünf höhenversetzten Metallleisten vom Gespür für Proportionen.
Eingebrochen in die Phalanx der wandhängenden Korpusmöbel sind Johanna Rother mit einem stelenartigem Notenpult aus Bambus und Filz (Belobigung) und Lisa Börstler mit einem Loungechair in Olivesche und Stoff. Der zweite Preis der Kölner Guten Form würdigt ihr spannungsvolles Sitzmöbel, das viel Verständnis für Ergonomie, Statik und Proportionen von der Erbauerin verlangte.
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