Gesellenstücke

Klassiker unter sich

Im zweiten Teil der Berliner Gesellenstücke zeigen wir fünf ausgewählte Arbeiten, die sich der traditionellen Konstruktion verpflichtet haben. Kontrastmaterialien verstärken hier die Retrospektive oder setzen frische Akzente.

Wer Trends bei der Formgebung von Gesellenstücken aufspüren will, kann dem Irrtum unterliegen, eine regionale Spezialität für einen allgemein neuen Impuls zu halten, nur weil sie im Vergleich auffällt. Tatsächlich ist eine traditionelle Formensprache bei vielen Berliner Gesellenstücken auffällig, aber nicht zuletzt dem regionalen Umstand geschuldet, dass in der Hauptstadt neben den Tischlereibetrieben auch mehrere Bildungsträger zum Tischler ausbilden. Und was die Qualität der Gesellenstücke angeht, tun sie das recht erfolgreich! Ihr Schwerpunkt liegt, bedingt durch die Situation der Lehrwerkstatt, häufig auf der Verarbeitung von Massivholz und den traditionellen Holzverbindungen. Die Entwürfe orientieren sich oft an klassischen Vorbildern, entwickeln sie aber durch den Einsatz von Kontrastmaterialien oder besondere Details auch auf subtile Weise weiter. Unsere Auswahl zeigt dafür Beispiele von zwei Bildungsträgern. Eine Stärke in traditionellen Konstruktionen ist in Berlin aber auch in vielen Betrieben anzutreffen, auch dafür zeigen wir zwei Beispiele. In der Zusammenschau der Arbeiten fällt der unterschiedliche Umgang mit dem Kontrastmaterial auf: Vier Gesellenstücke zeigen mit Linoleum belegte Platten, bei dreien ist das Linoleum durch starke Anleimer oder ein breites umlaufendes Rahmenfries geschützt, während einer das Material sportlich über die Anleimer legt. Diese Variante wird oft gewählt, wenn der Plattenwerkstoff selbst keine Kante benötigt und man sich auf diese Weise elegant die Anleimer sparen kann. Markus Weber verzichtet aber trotz der aufwendig auf Gehrung verarbeiteten Anleimer auf den Kantenschutz des Linoleums und zeigt bewusst Kante plus Beschichtung. Das verleiht der Platte eine optische Leichtigkeit, die dem originell komponierten Möbel gut zu Gesicht steht.


dds-Redakteur Johannes Niestrath nutzt die Gelegenheit, an bis zu 300 Gesellenstücken eines Berliner Jahrgangs gestalterische Trends abzulesen – seit vielen Jahren unterstützt von Markus Hilbich mit der Kamera.

Steckbrief

Das Oberstufenzentrum Holztechnik an der Marcel Breuer Schule Berlin zeigt als Partner der dualen Ausbildung jeweils vor den Sommerferien zwischen 200 und 300 Gesellenstücke aus den Berliner Tischlerbetrieben sowie von verschiedenen Bildungsträgern der Hauptstadt.

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