Gesellenstücke

Im Geiste des Ortes

Zwei unterschiedliche Gesellenstücke aus den Schulen für Holz und Gestaltung Garmisch-Partenkirchen zeigen viel Gespür für den Umgang mit Massivholz.

Schindeln aus Lärchenholz sind an der Fassade eines Hauses im Alpenraum ein gewohnter Anblick. Appliziert auf ein Möbelstück sind sie allerdings auch in Garmisch-Partenkirchen eine Besonderheit! Hier ist Jonas Mörler eine Übertragung im Geiste des Ortes gelungen. Diesem genius loci entspricht auch die hervorragende Massivholzkonstruktion der Türen in Rahmenbauweise und des Mantels aus gezinktem Ahorn, der in die Beine übergeht. In der Ansicht sind die Kanten der Seiten durch im Falz angeschlagene Türen und gefaste Beine auf 8 mm zurückgenommen. Die Querzargen des Gestells werden geschickt durch den Überstand der Türen verdeckt, was die Vertikale des zwei Meter hohen Möbels zusätzlich betont. Ein anderes Kaliber ist das Sideboard in Eiche und Stahl von Maximilian Mahl im kompakten Querformat. Die überschobenen Füllungen sind im Stollenrahmen aus Leisten und Fremdfedern zusammengesetzt und zeigen anders als die gespundeten Schindelträger des Aktenschranks offensiv ihre horizontale Schichtung mit durchlaufenden Fugen. Das etwas gedrungene Format wird durchbrochen von einer Schublade, die zu zwei Dritteln seitlich in den Korpus schneidet und stirnseitig öffnet. Das nur scheinbar frei auskragende obere Drittel des Korpus wird trickreich von einer Zwischenwand gestützt – der beplankte Schubkasten ist nur in der vorderen Hälfte nutzbar, der hintere Teil besteht aus überstehenden Seiten, die hinten durch ein herausnehmbares Querstück verbunden sind. Das Gesellenstück ist als Wäschekommode gedacht. Abgesehen von der ergonomisch ungünstigen Höhe könnte man sich für diese Nutzung funktional und optisch eine luftigere Konstruktion vorstellen. –JN