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Gesellenstücke aus der Max-Bill-Schule Berlin

Gesellenstücke aus der Max-Bill-Schule Berlin
Klassische Vorbilder

Ausgewählte Sommerstücke aus der Max-Bill-Schule Berlin kultivieren die Tugenden des klassischen Tischlerhandwerks und setzen dabei moderne Akzente.

Wir erwecken mit unseren Veröffentlichungen oft den Eindruck, als ginge es mit dem Gesellenstück darum, etwas originär Neues zu schaffen: Die eigene Idee zu finden, gar einen eigenen Stil zu entwickeln. Doch dieser Eindruck täuscht, denn der größere Teil der Gesellenstücke orientiert sich an Vorbildern aus dem gemeinsamen kulturellen Erbe: Dem Sideboard, dem Tisch, dem Kleiderschrank. Das ist ohne Frage ein legitimer Weg, bei dem am Anfang steht, ein gutes Vorbild zu verstehen und sich so zu eigen zu machen, dass daraus ein eigener Entwurf werden kann.

Hierfür haben wir in Berlin schöne Beispiele gesehen:

Der Schreibtisch von Thiago Kuhn auf dieser Seite ist im Grundsatz ein klassischer Tisch, der durch kleine Modifizierungen frisch wirkt: Die Zargenrahmen sind flächenbündig an die Platte angesetzt und zeigen das in der Draufsicht. Die flachen Schubkästen in Höhe der Zarge wirken wie unter die Platte gehängt. Der moderne Farbton der Doppel in Linoleum und die mit dem konischen Zapfen betonte Handwerklichkeit des Möbels stehen sich in ausgewogenem Verhältnis hellwach gegenüber.

Auf den Seiten 112 und 113 zeigen das Sideboard von Silas Ernst und das Schlafsofa von Felix Klein ebenso bekannte Vorbilder, die mit sorgfältig ausgearbeiteten Details eine eigene Prägung erhalten: Messingkanten und blaues Linoleum zu Nussbaum, der Kunstgriff, Korpusseiten zurückzusetzen und die Fronten in der Seitenansicht zu zeigen. Lehnen und Lattenroste des Schlafsofas sind ebenso durchgearbeitet.

Eine andere Sprache sprechen der Arbeitsplatz von Sophie-Marie Katzenbächer auf Seite 114 sowie die Garderobe von Viktoria Haas auf dieser Seite: Hier scheint der Entwurf von Grund auf entwickelt worden zu sein, mit vielen schönen Ansätzen und einigen Punkten, an denen noch weiter gearbeitet werden könnte. Eine Sonderstellung nimmt das Kästchen von Benedikt Müller auf Seite 117 ein: Ein Gesellenstück der kleinen Form, das naturgemäß mehr Raum lässt für die Durcharbeitung im Detail als solche Stücke, die ein Vielfaches an Material erfordern.

Die Vorzüge eines Vorbilds liegen auf der Hand: Wenn die Richtung grundsätzlich klar ist, tun sich Räume auf, das Vorbild nach eigenen Vorstellungen zu modifizieren oder ein neues Detail zu entwickeln. Wer hingegen von Grund auf ein eigenes Möbelstück entwirft, hat oft mehr Fragen, als aus der bisherigen Erfahrung beantwortet werden können.

Mutig setzt Maximilian Riedel auf Grundlage eines klassischen Sideboards Akzente mit einem organisch geformten Übergang zu den Beinen. Auch hier kann man Punkte finden, die noch nicht ganz bewältigt sind, doch muss man anerkennen, dass der Entwurf beachtliche Eigenständigkeit in einem abgegrenzten Bereich zeigt. Darin kann für manche die gesuchte Herausforderung liegen, andere wären damit schon überfordert. Es ist gut, beizeiten ein Gespür dafür zu entwickeln, was man sich beim Gesellenstück bereits zutrauen kann und was noch nicht. Dabei können erfahrene Ausbilder helfen, welche die Entwicklung ihrer Auszubildenden aktiv begleitet haben.


Niestrath_Johannes_02_1c.jpgdds-Redakteur Johannes Niestrath war mit Fotograf Markus Hilbich im Juli 2022 an der Max-Bill-Schule Berlin vor Ort. Endlich wieder eine Ausstellung mit Publikum! Die Winterstücke hatten wir im April 2022 vorgestellt.


Steckbrief

Gesellenstücke der Tischler gibt es an der Max-Bill-Schule Berlin zweimal im Jahr zu sehen: Hier zeigen wir eine Auswahl der Sommerstücke, die wir im Juli 2022 fotografiert haben. Erstmalig nach Corona konnte zur Ausstellung der Gesellenstücke auch wieder Publikum geladen und das große Schulfest zum Schuljahresende wie gewohnt begangen werden.


Weitere Gesellenstücke…

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