Massiver Tisch als Gesellenstück

Die Leitidee steckt im Profil

Joel Grosenick hat seine Tischlerausbildung in den Werkstätten der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle absolviert – ein inspirierender Ort, an dem studierende Innenarchitekten und Produktdesigner ihre Ideen umsetzen. Porträt eines besonderen Gesellenstücks.

Joel Grosenick, Tischlergeselle

Der Tisch bietet mit 1900 mm Länge und 750 mm Breite bis zu acht Personen Platz. Die Höhe beträgt 760 mm. Die Tischbeine sind mit einer 84 mm hohen Zarge verbunden. Mittig der langen Tischseite ist ein Schubkasten versteckt, der zu beiden Seiten zunächst nur bis zur Hälfte herausgezogen werden kann. Wird die Lade dann gegen einen leichten Widerstand ganz herausgezogen und auf die Tischplatte gelegt, kann ihr Boden als Backgammon-Spielfeld genutzt werden. Die Spielsteine sind in der Mitte des Schubkastens in einem speziellen Fach untergebracht und sind Teil der selbst konstruierten Auszugssicherung, wie der Vertikalschnitt auf Seite 105 zeigt.

Der Tisch besteht aus Esche-Vollholz und ist ganz ohne Metallbeschläge konstruiert. Die Profilierung der Zarge bestimmt konsequent die Konstruktion und Gestaltung des Gesellenstückes. Die Zarge ist in der Höhe optisch durch tiefe Nuten in drei separate Lamellen unterteilt, deren konstruktive Ausführung aus den Schnittzeichnungen und den Detailfotos der Fertigung auf den Seiten 105 bis 107 deutlich wird. Mit der umlaufenden Profilierung der Zarge werden mehrere Ziele erreicht:

  •  die horizontalen Linien strecken den Tisch optisch in seiner Länge und Breite
  •  die Zargenbreite wird geringer wahrgenommen
  •  das Profil setzt sich verdeckt im Tischbein fort und dient auch als Feder. Die so vergrößerte Leimfläche gewährt eine hohe Stabilität der Eckverbindung zwischen Zarge und Tischbein
  •  die mittlere Leiste des Profils dient seitlich des Schubkastens als Führungsleiste und zugleich mittig der Schubkastenfront als Griffleiste

Die helle und in der Textur streifige Holzauswahl wird durch die geölte Oberfläche betont. Die klare Form, großzügige Proportion und gleichmäßige Maserung sollen eine neutrale Fläche formulieren und betonen damit die Universalität des Möbels.