Gestaltungswettbewerb »Gestaltete Gesellenstücke« in Baden-Württemberg

Alles außer Hochdeutsch

»Gestaltete Gesellenstücke« heißt in Baden-Württemberg der Gestaltungswettbewerb, der anderswo unter dem Namen »Die gute Form« stattfindet. Ausgewählte Gesellenstücke und weitere Spezialitäten aus dem Ländle.

Wer aus der Fremde ins Ländle, soll heißen nach Baden-Württemberg kommt, muss sich zuerst die sympathische Landessprache erarbeiten. Auch die Fachsprache: Der Wettbewerb »Die gute Form« heißt Gestaltete Gesellenstücke und eine Belobigung ist eine »Erwähnung«. Klingt nach Extrawurst, aber man hat sich etwas dabei gedacht, den Wettbewerb umzutaufen: »Gestaltete Gesellenstücke« impliziere Individualität und Vielfalt, während eine »gute« Form vermuten lasse, es könne noch eine bessere geben, so Formgebungsberater Rainer Gall vor einigen Jahren im Mitteilungsblatt des Landesfachverbands. Damit trete eine weniger bewertende und mit Assoziationen an den Wettbewerb für industrielle Formgebung aus den 1950er-Jahren verknüpfte Bezeichnung anstelle von »Die gute Form«. Nicht ohne Absicht hatte der Kölner Tischlermeister Karl Wenzler als Initiator der Guten Form im Tischlerhandwerk im Jahr 1983 das etablierte Gütesiegel für Produktdesign zum Namen gewählt. Heute klingt es vielleicht angemessener, statt von guter Form von Grundsätzen für Gestaltung zu sprechen. Bewertet werden Gestaltete Gesellenstücke jedoch auch in Baden-Württemberg. Um die Vielfalt differenzierter zu würdigen, als mit Auszeichnungen und Erwähnungen, hebt ein Detailpreis hervor, was er im Namen trägt. Der wird auch für Exponate im Wettbewerb Schreinerwerke vergeben, die mit den Gestalteten Gesellenstücken in einer Ausstellung im Landesgewerbeamt Stuttgart gezeigt werden. Dieser Wettbewerb steht allen Schreinern offen, eingereicht werden überwiegend herausragende Meisterstücke. Mit dieser Dopplung öffnet der Landesfachverband Schreinerhandwerk Baden-Württemberg neben dem Nachwuchs auch erfahrenen Schreinern eine Bühne, um sich abseits des Tagesgeschäfts prominent in der Öffentlichkeit darzustellen. –JN

Kunstvoll verpackt
Man könnte an ein kunstvoll verpacktes Geschenk denken: Wie Schmuckbänder durchdringen die verschränkten Rahmen aus Weißtanne die als Volumen gebildete Platte des Schmink- und Schreibtisches in durchgefärbter MDF. Der mittig in der Klappe befestigte historisierende Spiegel durchbricht das Linienspiel mit einer völlig anderen Form. Das muss nicht gefallen, aber die Überraschung ist gelungen …Theresa Dettling, Schreinerei Burkhardt, 72290 Loßburg-Wittendorf. Auszeichnung bei Gestaltete Gesellenstücke 2017, Belobigung Gute Form auf Bundesebene

Dynamisch verdreht
Die schlanke Schubkastensäule aus grauer MDF steht mit umlaufender Luft in einem dynamischen Band aus Esche. Es verdankt seine Torsion gegenläufig trapezförmigen Böden, die durch offene Schwalbenschwänze mit den Seiten verbunden sind. Eine quadratische Grundplatte aus Stahl verleiht der drehbar gelagerten Stele die nötige Bodenhaftung.Die Schubladen können zu beiden Seiten geöffnet werden, die Mittelstellung ist magnetisch fixiert. Frieder Sigle, Schreinerei Emminger, 78652 Deißlingen

Subtil verschachtelt
Stollen in Kirschbaum umschreiben einen Quader, der auf halber Höhe von einem auf Gehrung gefügten Schubkastenkorpus in Fenix stabilisiert wird. Dieser Unterbau trägt einen aufgesetzten Würfel, in dessen Kofferklappe ein Spiegel eingesetzt ist. Eine differenzierte Stele für den Eingangsbereich! Martin Bader, Schreinerei Albholz Küchen, 89160 Dornstadt. Auszeichnung bei Gestaltete Gesellenstücke 2017, Bundessieger Gute Form

Spitzentanz auf Haarnadeln
Eine schöne Idee, den als liegenden Quader in Rüster gefertigten Korpus des Schminktisches auf stählerne Haarnadelbeine zu stellen! Spiegelklappe und flankierende Schubkästen teilen sich die aufgesetzte Griffleiste. Larissa Lehmann, Lehmann Innenausbau, 77736 Zell. Erwähnung bei Gestaltete Gesellenstücke 2017

Schlosser und Schreiner
Das schwungvolle Gestell des Zeichentisches ist als Sandwich in Rüster und Edelstahl ausgeführt. Die mit Linoleum belegte und in der Neigung verstellbare Platte ist mittig gelagert und lässt sich stufenlos fixieren. Hannes Rühle, Schreinerei Staege, 74544 Michelbach an der Bilz. Auszeichnung Detailpreis Gestaltete Gesellenstücke 2017

Rohjuwel mit Sägeschnitt
Die Schmuckschatulle in Eiche und schwarzer MDF ist ein sauber durchgearbeitetes Gesellenstück der kleinen Form. Das Sägefurnier gibt dem Korpus eine ungeschliffene Haut, die den Schmuck im Inneren zur Geltung bringt. Auch das lose Brett mit eingelegtem Spiegel folgt diesem Gestaltungsprinzip.Xenia Bantel, Schreinerei Bantel & Langsam, 73066 Uhingen. Auszeichnung Detailpreis Gestaltete Gesellenstücke 2017

Archaischer Charakter
Die Kombination von Stahl und Holz prägt den archaischen Charakter: Der flache Korpus in Nussbaum geht mit den angesetzten durchbrochenen Stahlplatten eine ehrliche Verbindung ein. Die korodierte Oberfläche passt erstaunlich gut zum leuchtenden Nussbaum. Pascal Pfatteicher, Holzteam Schreinerei, 76316 Malsch. Erwähnung bei Gestaltete Gesellenstücke 2017

Präzise gestapelt
Genauigkeit ist eine wichtige Voraussetzung, um aus Korpusmodulen unterschiedliche Konfigurationen bilden zu können. Diese klassische Ausführung in Birnbaum erfüllt die hohen konstruktiven Anforderungen.Rosa Ackermann, Heemken Ateliers, 76327 Pfinztal. Nominierung Detailpreis Gestaltete Gesellenstücke 2017

 


Steckbrief

Gestaltete Gesellenstücke sind auf Landesebene Baden-Württemberg jährlich im Landesgewerbeamt Stuttgart ausgestellt. Das Pendant zur Guten Form wird von der Ausstellung Meisterwerke ergänzt, die allen Schreinern offensteht. Häufige Beiträge sind Meisterstücke. Ein Detailpreis wird unter Exponaten beider Wettbewerbe verliehen.

www.schreiner-bw.de