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»Gefahr für unser Handwerk«

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»Gefahr für unser Handwerk«

»Gefahr für unser Handwerk«
»Um meisterlich zu arbeiten, ist Berufs- und Lebenserfahrung nötig.« Hauke Schmidt
2008 wurde die Meisterprüfung im Tischlerhandwerk novelliert. Als Tischlermeister und Prüfer im Kammerbezirk Köln hat Hauke Schmidt fünf Jahre Erfahrung mit der neuen Verordnung. Er fordert: »Gebt uns das Meisterstück zurück!« Eine Polemik.

Hauke Schmidt

Das ehrenwerte Ziel der Verordnung von 2008 ist es, der Meisterprüfung eine Praxisnähe zu verleihen, die den heutigen Anforderungen unseres gut 1000 Jahre alten Handwerks gerecht wird.
Doch was sind die »heutigen Anforderungen«? Wir bewegen uns in einem Handwerksfeld, in dem von Bestattung über Trocken- und Treppenbau bis zur Anfertigung von Möbeln, Musikinstrumenten und Segeljachten alles drin ist. Während der eine Betrieb gar nicht ausreichend Achsen an seiner CNC haben kann, bedeutet einem anderen die Anschaffung eines Druckluftnaglers die Erfüllung aller Wünsche. Der eine tingelt nach der Meisterprüfung mit einer Handvoll Systainer im Heck seines Dritthandlieferwagens durch die Lande, ein anderer wird Betriebsleiter einer Fensterbaufirma und führt 60 Mitarbeiter.
Vom Meisterstück …
In diesem weiten Feld ist es naturgemäß viel schwieriger, einen einheitlichen Standard für eine Meisterprüfung zu finden, als – sagen wir – bei Heizungs- und Lüftungsbauern (was deren Leistung keineswegs schmälern soll).
Drum ist es auf eine gewisse Weise schlau, dass die Verfasser der neuen Verordnung sich darauf konzentriert haben, lediglich Teilaspekte abzuprüfen: Die Fähigkeit, Kundenwünsche zu erkennen und umzusetzen einerseits, die Fähigkeit, einen Betrieb zu organisieren, andererseits. So weit, so gut.
Nur: Handwerkliches Können und wie dieses an Auszubildende weiterzugeben ist, wird so gut wie gar nicht mehr abgefragt. Zur Erinnerung: Die Bezeichnung Meister leitet sich von dem lateinischen Wort Magister ab, zu deutsch: Lehrer.
Heute werden Menschen Meister, kurz nachdem sie die Gesellenprüfung abgelegt haben. Verpflichtende Gesellenjahre gibt es nicht mehr. Die irrige Hypothese, dass man auch ohne Berufs- und vor allem Lebenserfahrung meisterlich arbeiten kann, hat sich leider auch in der vor einigen Jahren novellierten Handwerksordnung niedergeschlagen.
… zum Teilerzeugnis
Statt eines Meisterstückes, mit dem man sich beim Bau Tag und Nacht beschäftigt, das einen zur Auseinandersetzung mit handwerklichen Fertigungstechniken zwingt und auf das man stolz ist, haben wir heute als Prüfungsgegenstand ein »Teilerzeugnis«. Ein Wort, bei dessen Klang man meinen könnte, die DDR sei zurückgekehrt. Es ist wohl kein Zufall, dass die Gewichtung so geändert wurde, dass man heutzutage Meister werden kann, ohne das Teil überhaupt abzugeben. Es reicht, die anderen Prüfungsteile einigermaßen gut zu absolvieren. Die Fachpraxis, besonders der Teil, in dem es um das Zeigen traditioneller handwerklicher Techniken geht, hat in der Prüfungsverordnung eine dramatische Abwertung erfahren. In Verbindung mit der Tatsache, dass man die Prüfung ohne nachgewiesene Berufserfahrung ablegen kann, ist das nichts weniger als eine Gefahr für den Fortbestand unseres Handwerks!
Dabei wäre es so einfach
Ich finde, ein Meister sollte auch wirklich ein Meister sein. Wozu zwingend gehört, dass man sich mit der Verarbeitung von Holz und nicht nur von Holzwerkstoffen auskennt. Ein Massivholzschreiner kann auch Platten verarbeiten – umgekehrt trifft das nicht zu.
Damit schließt sich der Kreis: Die »heutigen Anforderungen« sind vielfältig. Es gehört Betriebsorganisation dazu, Kommunikationsfähigkeit, Einfühlungsvermögen in Kunden und die Beherrschung des Handwerks, auch und gerade des traditionellen. Dies nicht zuletzt, um es an die kommenden Generationen weitergeben zu können.
Das alles ist recht einfach zu bewerkstelligen: Man führe wieder drei verpflichtende Gesellenjahre ein und gebe uns das Meisterstück zurück – fertig! Und dafür müsste man übrigens auf das Meisterprüfungsprojekt gar nicht mal verzichten.
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